Zeitbilder 5, Schulbuch

Der Chronist Gualbert von Brügge beschreibt, wie Abt Notger Lehensmann von Kaiser Otto I. wird: „Nun wirst du mein Mann“, sagte der Kaiser, als er ihn durch die Gebärde der Hände zum Lehnsmann angenommen hatte. Darauf küsste er ihn. Anschließend wurde ein Evangelium gebracht, und der Abt schwor Treue. (Gualbert v. Brügge. Zit. nach: Le Goff, Das Hochmittelalter, 1965, S. 66) Vasallen huldigen Wilhelm von der Normandie, 1127: Der Graf fragte den künftigen Vasallen, ob er ohne Vorbehalte sein Gefolgsmann werden wolle, und er antwortete: „Ich will es.“ Darauf verbündeten sie sich mit einem Kuss, während die Hände des Vasallen in denen des Grafen lagen. Darauf gelobte der Vasall seine Treue [...]. „Ich verspreche auf meinen Glauben von diesem Augenblick an, dem Grafen Wilhelm treu zu sein und ihm [...] meinen Eid zu halten, in gutem Glauben und ohne Falsch.“ Zum dritten schwört er dasselbe auf die Reliquien des Heiligen. (Gualbert v. Brügge. Zit. nach: Le Goff, Das Hochmittelalter, 1965, S. 66) Ein Bauer zahlt seinem Grundherrn den fälligen Grundzins: Illustration im Sachsenspiegel, Landrecht II § 59,2. (Buchmalerei, um 1300/1315, Universitätsbibliothek Heidelberg) Bauern entrichten ihrem Grundherrn den Zins: Holzschnitt, erschienen im „Spiegel des menschlichen Lebens“ des spanischen Bischofs Rodericus Zamorensis, 1475. M4 M5 M6 Beschreibung des Hofes Rommersheim der Benediktinerabtei Prüm. Urbar von 893 mit Kommentar des Erzabtes Caesarius aus dem Jahre 1222: Reimbald hat 3 Tagewerk Ackerland und einen Bauernhof; dafür muss er wöchentlich 2 Tage (Botendienst) leisten, auf 15 Tage eine Woche (fronen) und ein Huhn (zinsen). Die Frauen der Pfründner leisten je 2 Tage Dienst die Woche, einen mit und einen ohne Brot, sonst aber hechelt jede ½ Pfund Flachs oder fertigt ½ Hemdenstoff. Aeduins Weib hat einen Bauernhof und Land; sie leistet Dienst und fertigt ½ Hemdenstoff. Nantcher hat einen Hof und eine Wiese, seine Frau hat vom Kloster einen Hof und zahlt 4 Pfennige. (Zit. nach: Franz, Quellen zur Geschichte des deutschen Bauernstandes, 1974, Nr. 35) Fragen und Arbeitsaufträge 1. Beschreibe die Bildquelle M1. Identifiziere die drei Stände anhand der Personendarstellungen und der Aufgabenzuteilung. Leite aus der Darstellung Vermutungen darüber ab, welche Sichtweise auf die Gesellschaft der Künstler hatte. Formuliere auch eine mögliche Absicht, die mit dem Holzschnitt erreicht werden sollte. Begründe deine Vermutung. 2. Erläutere und bewerte die Begründungen für die drei Stände und ihre Aufgaben in der feudalen Gesellschaft anhand der Quelle M2. 3. Arbeite die Ansichten der beiden Äbtissinnen darüber heraus, welche Personen in die Klostergemeinschaft aufgenommen werden sollen (M3). Hebe jene Ansichten hervor, welche die Vorstellung des feudalen Systems stützen bzw. welche sie eher in Frage stellen. Diskutiert diese Ansichten unter dem Aspekt, inwieweit sie in der Gegenwart als Begründung für die Erlaubnis bzw. die Verweigerung eines Klostereintritts herangezogen werden können. 4. Welche Fragen würdest du an eine der beiden Äbtissinnen noch richten? Nimm entweder die Perspektive als Vertreterin bzw. Vertreter der feudalen mittelalterlichen Gesellschaft oder der modernen heutigen Zeit ein. 5. Beschreibe die in den Bildquellen M5 und M6 dargestellten Personen, ihre Körperhaltung zueinander und ihre Tätigkeiten. Stelle daran und auch anhand der Quelle M7 das Verhältnis von Bauern und Grundherrn dar, das in diesen Quellen zum Ausdruck gebracht werden soll. 6. Erläutere wichtige Aspekte des Feudalismus anhand von M4. Ziehe dazu auch das Bild aus dem Sachsenspiegel auf S. 90 heran. 7. Erörtere das jeweilige Interesse, das hinter den einzelnen Darstellungen (M1–M7) zu vermuten ist. M7 Das Mittelalter – eine 1000-jährige Epoche 99 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

RkJQdWJsaXNoZXIy ODE3MDE=