Zeitbilder 5, Schulbuch

M5 Der römische Satirendichter Juvenal beschreibt den Auftritt einer gebildeten Römerin bei einem Fest: Noch mehr Ärger macht die, die im Kreis der geladenen Gäste preist den Vergil […]; welche die Dichter vergleicht und abwägt [...]. Jeder Ästhet wird klein, sie schlägt die Rhetoren; der ganze Schwarm muss schweigen, es darf kein Anwalt, kein Marktschreier reden, auch keine andere Frau: so mächtig ertönt ihre Rede. (Juvenal, Satiren 2,6, 434–441; zit. nach: Zinserling, Die Frau in Hellas und Rom, Leipzig, 1972, S. 56) M6 Der römische Philosoph Seneca über die Wahl der zukünftigen Ehefrau: Jedes Tier und jeden Sklaven, alle Kleider und Küchengeräte prüfen wir genau, bevor wir sie kaufen; nur die Braut wird nicht in Augenschein genommen, damit sie dem Bräutigam nicht missfallen kann, bevor er sie heimgeführt hat. Ist sie böse, dumm, missgestaltet oder riecht sie aus dem Mund, welche Fehler sie auch immer hat, so lernen wir sie erst nach der Hochzeit kennen. (Seneca; zit. nach Bornemann, Das Patriarchat, Frankfurt/M, 1979, S. 399) M7 Der Dichter Juvenal beschreibt, warum und wie leicht sich Römer von ihren Frauen scheiden lassen konnten: Aber Sertorius liebt glühend die Bibula? Prüft man‘s näher, so gilt dem Gesicht und nicht der Gattin die Liebe. Lass drei Runzeln entstehen und die Haut sich verwelkt erschlaffen, lass schwarz werden die Zähne und tiefer die Augen, schon ist‘s vorbei […]. Schnüre dein Bündel, ertönt‘s von dem Freigelassenen, und gehe! Du bist schon uns zur Last, weil du zu häufig dich schnäuzest, also geh‘ schleunigst und eil‘: Es ersetzt mit trockener Nase dich eine […]. (Juvenal VI, 142 ff.; in: Bornemann, a.a.O., S. 409 f.) M8 Eine römische Grabinschrift bezeugt eheliche Verbundenheit: Sie war eine unvergleichliche Gattin, eine gute Mutter, eine verehrungswürdige Großmutter, züchtig, fromm, arbeitsam brav, energisch, wachsam, besorgt, nur eines Mannes treue Frau, eine Hausmutter voll Fleiß und Verlässlichkeit (Geist, Römische Grabinschriften, München 1969, 22; zit. nach: Zinserling, a. a. O., S. 51) M5 M6 M7 M8 M9 Grabinschrift des Arztes Glykon für seine Frau Panteia in Pergamon (2. Jh. n. Chr.): Gruß dir, mein Weib Pantheia, vom Manne, der nach deinem Hingang ob des verderblichen Tods trägt unvergessliches Leid. Denn noch nie sah Hera Zygia solch eine Gattin, gleich an Gestalt und Verstand wie auch an sittsamer Art. Du bist´s, die mir die Kinder geboren, alle mir ähnlich, du hast deinen Gemahl, hast die Kinder betreut. Du hast sicher das Steuer des Lebens geführt in dem Hause, hast auch vermehrt den Ruhm, welcher die Ärztekunst ziert, und du standest, obwohl eine Frau, mir an Können in nichts nach. Drum hat Glykon, dein Mann, dir dieses Grabmal erbaut; […] und hier werde ich selbst einst ruhn, wenn ich das Leben verlor. Wie ich das Ehebett einzig mit dir nach Schicksalsschluss teilte, hüllt uns die Erde des Grabs dann in dasselbe Gewand. (Inschrift Peek, GVI 1, 2040; übers. Vogt; zit, nach Patzek, Quellen zur Geschichte der Frauen, Band 1: Antike, Stuttgart, 2000, S. 307 f.) Fragen und Arbeitsaufträge 1. Recherchiere mit Hilfe der Lebensdaten der Autoren, aus welchem Jahrhundert die Quellen M1, M6, M7 stammen. 2. Aus den Überschriften erfährst du die Themen, die in den Quellen behandelt werden. Liste deshalb die einzelnen Arten der Bildquellen und die Textsorten (M1, M3, M4, M5, M8, M9) auf. 3. Analysiere, welches Frauenbild die hier angebotenen Materialien und die in den Kapiteln 5 (S. 24 ff.) und 19 (S. 54 ff.) angeführten antiken Quellen vermitteln: Ermittle Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Bezug auf Gendervorstellungen, Rollenverständnis, Wahl einer Partnerin bzw. eines Partners, Aufgaben und Wertschätzung der Ehefrau, Scheidung(-smöglichkeiten). 4. Verfasse auf Basis der Informationen aus den Texten M1, M2, M4, M5, M6, M7, M8 und M9 eine kurze Darstellung über die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der Frau im antiken Griechenland und im alten Rom. 5. Vergleiche die rechtliche und soziale Stellung der Frauen im antiken Griechenland und im alten Rom mit jener der Frauen im heutigen Österreich und beurteile die Unterschiede. 6. Beschreibe die Frauenfigur (M3) nach formalen Kriterien: Wer ist hier dargestellt? Wie groß ist das Kunstwerk wohl, aus welchem Material wurde es gemacht? Versuche, den Fundort oder den jetzigen Aufenthaltsort der Figur auszuforschen. 7. Beschreibe und beurteile die Figur mit deinem persönlichen Kunstverständnis: Was fällt dir auf – was daran gefällt dir, was nicht? M9 Die antike Welt – Griechenland und Rom 59 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

RkJQdWJsaXNoZXIy ODE3MDE=