Zeitbilder 5, Schulbuch

Durch ihre vielfältige wirtschaftliche Betätigung in Handel und Handwerk entlasteten die Metöken (gemeinsam mit den Sklavinnen und Sklaven) die attischen Bürger. Diese wandten sich nämlich viel lieber den politischen Geschäften zu. Als Import-Export-Kaufleute wie auch als Bankiers zählten einige der Metöken zu den reichsten Menschen in Attika. Die Kinder dieser wohlhabenden Fremden genossen eine ausgezeichnete Erziehung. Zusammen mit neu zugewanderten Metöken traten sie später oft als Künstler, Redner oder Ärzte (wie der berühmte Hippokrates von Kos) in Athen in Erscheinung. Auch Perikles, der zwar allen Fremden den Zugang zum Bürgerrecht verwehren wollte, hatte gute Kontakte zu den Metöken: Sein Lehrer war ein „Fremder“ und selbst seine attische Frau verstieß er, um mit Aspasia, einer hoch gebildeten Frau aus Milet, zusammenleben zu können. Attisches Grabrelief des Thraseas und der Euandria. (Relief, um 360 v. Chr., Höhe 1,60 m) Beschreibe das attische Grabrelief, auf dem ein Ehepaar mit einer Dienerin im Hintergrund dargestellt wird. Achte dabei auf Kleidung, Körperhaltung, Gestik und Mimik. Interpretiere die Darstellung hinsichtlich der Beziehung des Ehepaares zueinander. Die „Welt“ der vornehmen Athenerin ist das eigene Haus Während sich die Männer hauptsächlich außer Haus aufhielten und dort ihren Beschäftigungen nachgingen, lag die Welt der Frau im Haus. Aber selbst da gab es für Mann und Frau getrennte Lebenszonen: Meist im Obergeschoß befand sich der den Frauen vorbehaltene Wohnraum (= Gynaikon). Eine ehrbare, wohlhabende Ehefrau verließ ihr Haus so selten wie möglich. Bei Hochzeiten und Begräbnissen, zum Besuch des Theaters und öffentlicher Festlichkeiten konnte man sie in der Öffentlichkeit sehen. Natürlich gab es auch das Plauderstündchen bei einem Schluck Wein im Nachbarhaus. Den Einkauf auf dem Markt mussten allerdings die Sklavinnen und Sklaven besorgen, ebenso wie alle Botengänge. Diese strengen Maßstäbe galten allerdings nur für die wohlhabende Athenerin. Die einfache Frau aus dem Volke konnte es sich nicht leisten, nur zu Hause zu sein. Sie musste aktiv mithelfen, die Familie zu erhalten. Als Händlerin auf dem Markt verdiente sie ebenso ihr Geld wie als Textilarbeiterin oder als Hebamme, ein Beruf, der hoch geachtet war. Väter verheiraten ihre Töchter Im Gynaikon wuchsen auch die jungen Mädchen auf – abgeschirmt von der Außenwelt, unter Aufsicht ihrer Mütter und Sklavinnen. Dort lernte die junge Athenerin jene Tätigkeiten, die von ihr als Ehefrau erwartet wurden: Kochen, Spinnen, Weben. Manche Mädchen erhielten dazu auch noch Grundkenntnisse im Rechnen, Schreiben, Lesen und Musizieren. Meist wurden sie schon im Alter von 12 bis 15 Jahren von ihrem Vater an einen oft doppelt so alten Mann verheiratet. Voraussetzung für die Ehe bildete ein mündlicher Vertrag zwischen Brautwerber und -vater, wie ihn der Komödiendichter Menander beschreibt: Q Pataikos: Hier diese meine Tochter geb´ ich dir, damit du edle Kinder mit ihr zeugst. Polemon: Ich nehme sie! Pataikos: Und drei Talente nehmt als Mitgift an! Polemon: Auch dies ist gut! (Menander, Die junge Frau mit abgeschnittenem Haar, 1013–1015, zit. nach Flacelière, 1979) Über Ausnahmen von dieser Regel gibt uns Herodot ein Beispiel aus dem 6. Jahrhundert: Q Zu seinen drei Töchtern, was war er für ein Mann! Denn als sie zur Heirat heranwuchsen, bedachte er sie mit einer großartigen Mitgift und erwies ihnen folgende Gunst: Er gab seine Töchter dem Manne aus Athen, den jede von ihnen zum Gatten erwählte. (Herodot, VI, 122) 26 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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