Musik aktiv 3, Schulbuch

56 Schicksalsklänge Die verbotene Komponistin Was tun, wenn man etwas sehr gut kann, sein Talent zum Beruf machen will, es einem aber verboten wird? Mit dieser Frage musste sich Fanny Hensel ihr Leben lang herumschlagen, weil für sie als Frau in ihrer Zeit und in ihrer Familie der Beruf als Komponistin oder Pianistin unerwünscht war. Ihr Bruder Felix hingegen durfte Komponist werden. Wie konnte das sein? Warum war sie 150 Jahre unbekannt und wird erst heute vor den Vorhang geholt? • Überlegt, ob es heute noch die gleichen Widerstände gegen komponierende Frauen gibt. Begründet eure Antwort. • Schreibe einen Brief an Fannys Vater, in welchem du Argumente für die Karriere von Fanny als Musikerin und Komponistin findest. • Überlege, wie sich die Karriere von Fanny Hensel entwickeln hätte können, wenn Sie heute leben würde. Sowohl Vater als auch Bruder haben Fanny in ihrer musikalischen Karriere behindert. Sie wollte aber unbedingt komponieren und tat es bis zum Lebensende. Ihr Bruder verbot ihr, ihre Werke zu veröffentlichen. Erst kurz vor ihrem Tod 1846 begehrte sie auf und veröffentlichte erste Werke. Trotz der Hindernisse, trotz ihres Schicksals, ließ sie sich in ihrem kompositorischen Schaffen nicht behindern. Heute gilt sie als die bedeutendste Komponistin des 19. Jahrhunderts. Ihre Werke sind bis heute nur zum Teil veröffentlicht. 1834, im Alter von 30 Jahren, schrieb Sie das Streichquartett in Es-Dur. Der erste Satz ist übertitelt mit „Adagio ma non troppo“, also „Langsam, aber nicht zu sehr“. Vielleicht drückt sich in dieser Musik ihr schweres Schicksal gut aus. • Höre den ersten Satz des Streichquartetts in Es-Dur und beschreibe die Stimmung mit eigenen Worten. • Gib nach nochmaligem Hören dem Stück einen eigenen Titel. Einzigartig ist ihr Werk Das Jahr für Klavier. Dieses Werk enthält 12 Charakterstücke für alle Monate in allen 12 Tonarten. • Höre den April und überlege, welche Charaktereigenschaften des Aprils hier musikalisch umgesetzt sein könnten. AUFGABE Fanny Hensel geboren 1805 in Hamburg als Fanny Mendelssohn gestorben 1847 in Berlin Epoche: Romantik Berühmt für: leider nichts, obwohl sie 460 Werke, darunter 250 Lieder, Klaviertrios, Streichquartette, Werke für Chor und Orchester, Klavierstücke etc. schrieb Fanny Hensel war Komponistin, Pianistin, Dirigentin und Konzertveranstalterin. Sie lernte von klein auf Klavier und später auch Komposition. Als musikalisch Hochbegabte komponierte sie ihre ersten Werke bereits mit 15 Jahren. Der Vater verbot ihr, das Talent zum Beruf zu machen, weil sein Frauenbild eine Musikerinnenkarriere nicht zuließ. Sie durfte nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur im häuslichen Rahmen auftreten. Ihr Bruder Felix Mendelssohn-Bartholdy jedoch war ähnlich begabt und durfte seine Leidenschaft zum Beruf machen. Er stand fortan im Rampenlicht der Öffentlichkeit und wurde ein berühmter Komponist. PORTRAIT B A Das Musikzimmer der Mendelssohns À 36 A À 37 A Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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