Zeitbilder 2, Schulbuch

26 Stalinismus – Diktatur in der UdSSR M1 „Geliebter Stalin – das Glück des Volkes“ (Propagandaplakat, Wiktor Korecki (1890–1980), 1937) M4 „Wir werden das Plansoll der Partei erfüllen!“ (Propagandaplakat, Boris Beresowski (1910–1977), 1957) Stalin wird Diktator 1922 wurde unter Lenin die UdSSR (= Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) gegründet. Menschen auf der ganzen Welt hofften, dass dieser erste kommunistische Staat mehr Gerechtigkeit und Gleichheit bringen würde. Diese Erwartungen wurden jedoch von Anfang an enttäuscht. Nach Lenins Tod 1924 wurde Josef Stalin sein Nachfolger. Nach jahrelangen Machtkämpfen besetzte er alle wichtigen Positionen im Staats- und Parteiapparat, in Armee und Geheimpolizei mit seinen Vertrauten. Terror Stalin begann nun, wie bereits Lenin vor ihm, seine Gegnerinnen und Gegner zu vernichten. Viele Millionen Menschen – genaue Zahlen gibt es dazu nicht – starben durch stalinistischen Terror: viele Parteimitglieder aus der Zeit Lenins, Offiziere, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Andersdenkende, bäuerliche Bevölkerung und Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie wurden oft unter falschen Beschuldigungen verhaftet, gefoltert, verschleppt und zu Zwangsarbeit oder zum Tod verurteilt. Nur wenige überlebten die Zwangsarbeit. Gestützt auf die Kommunistische Partei hatte Stalin bis zu seinem Tod 1953 die unumschränkte Macht. Industrialisierung und Modernisierung Noch in den 1920-er Jahren war die Sowjetunion kaum industrialisiert. Stalin wollte das Land binnen kurzer Zeit modernisieren. Freiwillige und Zwangsverpflichtete beteiligten sich am Aufbau der Industrie. Frauen, Männer und Jugendliche versuchten, die vorgegebene Arbeitsleistung zu erfüllen. Wer das nicht schaffte, musste mit Bestrafung, Kürzung des Lohnes und der Lebensmittel rechnen. Unter schwierigsten Bedingungen bauten sie Kraftwerke, Eisenbahnen, Straßen, Kanäle und moderne Maschinenfabriken und erschlossen Erdölfelder und Kohlegruben vor allem in Sibirien und Zentralasien, zB in Kasachstan oder Usbekistan. M3 Stalin-Statue in Gori (Foto 2011) M2 Ein deutscher Historiker über Stalin D Stalin war im Leben der Untertanen nur als Symbol und Ikone präsent, nicht aber als sichtbares Lebewesen. Seine Anwesenheit bestand darin, dass er millionenfach auf Plakaten, in Büchern, in Filmen abgebildet oder in Stein gehauen war. Kaum jemand sah oder hörte je den Diktator. Und doch war er als gottgleiche Figur, die alles entschied, alles wusste und vor der niemand etwas verbergen konnte, überall präsent. (nach: J. Baberowski, Totale Herrschaft im staatsfernen Raum, 2009) Merkmale von Stalinismus • Ablehnung von Parlamentarismus und Demokratie • Die kommunistische Partei ist an der Macht. • Diktator („Personenkult“) • Propaganda • Verbot der Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit • Terror und Verfolgung • Planwirtschaft (= Alle wirtschaftlichen Aktivitäten werden vom Staat geplant.) • technischer Fortschritt als Ziel Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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