Alles Geschichte! 6, Schulbuch

87 Lebendige Geschichte Die Vergangenheit betrachten Im Wiener Stadtbild finden sich noch Spuren der gemeinsamen Geschichte Polens und Österreichs. König Jan III. Sobieski wurde im Jahr 1862, zur Erinnerung für den geleisteten Beistand bei der Befreiung Wiens 1683, der Namensgeber einer Gasse und eines Platzes im 9. Bezirk. Weiters erinnern an dieses Ereignis mehrere Gedenktafeln und Abbildungen Sobieskis in Wiener Kirchen und ein Denkmal in Schwechat. Ein weiterer Zeitgenosse, dem in Wien gedacht wird, ist Jerzy Franciszek Kulczycki (dt. Georg Franz Kolschitzky). Aufgrund seiner Kenntnis der rumänischen und der türkischen Sprache wurde er Dolmetscher für den habsburgischen Botschafter am Osmanischen Hof und bereiste als Dolmetscher der Wiener Orientalischen Handelskompagnie den Balkan. Bei der Belagerung 1683 konnte er mit seinem Diener als Türke verkleidet durch den Belagerungsring Botschaften mit dem Entsatzheer austauschen. Ihm wurde 1862 ein Gassenname im 4. Bezirk gewidmet, eine Statue und eine Gedenktafel folgten. An einen anderen Anlass erinnert die allegorische Darstellung am Austriabrunnen auf der Freyung in Wien. Neben der Donau, der Elbe und dem Po ist auch der Weichsel eine Figur gewidmet. Austria thront symbolisch über den vier personalisierten Flüssen. Die Vergangenheit sichtbar machen Einige Erinnerungsorte sind mittlerweile nicht mehr vorhanden. Die nach ihren Besitzern benannten Palais Lubomirski und Palais Lanckoroski waren im 19. Jh. die Wohnorte von zwei polnischen Adelsfamilien in Wien. Wien Kulturgut https://www.wien.gv.at/kulturportal/public/ Quelle: Stadt Wien - ViennaGIS http://www.wien.gv.at/viennagis Wien Kulturgut Druckansicht Wien Kulturgut https://www.wien.gv.at/kulturportal/pure/printHtml.aspx?print&id=6df7... M3: Stadt Wien – ViennaGIS: Standort des Palais Lubomirski (Nr. 1165) auf dem Wiener Stadtplan 1858. Die polnische Synagoge wurde in den Jahren 1892/93 im 2. Bezirk als Ersatz für ein vorheriges Betlokal erbaut. Auch dieses Gebäude ist nicht mehr erhalten. Bericht der Wiener Zeitung vom 09.09.1893 zur Eröffnung der Synagoge Die neuerbaute Synagoge nach polnisch-jüdischem Ritus im zweiten Bezirke, Leopoldsgasse Nr. 29 ist gestern Vormittags um 10:00 Uhr feierlich eingeweiht worden. An der Fassade des zierlichen maurischen Gotteshauses, dessen Inneres mit Gold= und polychromer Ornamentik reich und freundlich geschmückt, ist sah man die schwarz-gelbe (Kaisertum Österreich), weiß-rothe (Wien) und roth-blaue Flagge (Galizien und Lodomerien). […] M4: Wiener Zeitung vom 09.09.1893, S. 3 Wissenswertes Zur Zeit der Monarchie lebten schon Menschen aus Polen in Wien, deren Familiennamen haben sich auch erhalten. Laut statistischen Daten lebten mit dem Stichtag 01.01.2022 60 090 polnische Staatsbürgerinnen und -bürger in Österreich. Sie stellen damit die neuntgrößte Bevölkerungsgruppe in Österreich, sind aber keine anerkannte Volksgruppe. Der Kontakt zwischen Polen und Österreich schlägt sich auch sprachlich nieder. Zu einem gibt es im Deutschen Lehnwörter aus dem Polnischen wie zum Beispiel „Dalli, dalli“, auf Polnisch „Dalej, dalej!“, also „Weiter, weiter!“. Die Redewendung ist seit Anfang des 19. Jh. belegt. Zum anderen findet man auch in Polen deutsche Lehnwörter, wie zum Beispiel „burmistrz“ für Bürgermeister. Auch eine Redewendung ist als Lehnwort im Polnischen aufgenommen worden: „wihajster“ bezeichnet Gegenstände, deren Name vergessen wurden und leitet sich von „Wie heißt er?“ ab. Jetzt bist du dran: 1. Recherchiere die Auftraggeber und den Anlass für die Stiftung der Statue und der Gedenktafel für Kolschitzky. 2. Erörtere den Bezug der vier am Austriabrunnen dargestellten Flüsse zur Habsburgerherrschaft. 3. Der Ausschnitt aus dem Stadtplan von Wien aus dem Jahr 1858 (M3) zeigt den Standort des Palais Lubomirski (Nr. 1165) bei der Mölkerbastei. Vergleiche den Kartenausschnitt mit einem heutigen Stadtplan und kläre das Schicksal des Palais. 4. Recherchiere den Begriff „maurisch“ und finde die weitere Geschichte des in M4 beschriebenen Gebäudes heraus. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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