Alles Geschichte! 6, Schulbuch

36 3.2 Eine neue Großmacht im Südosten Europas: Das Osmanische Reich Am 29. Mai 1453 wurde Konstantinopel, die Hauptstadt des Oströmischen bzw. Byzantinischen Reiches, von einem osmanischen Heer erobert. Damit endete die seit der Antike andauernde Herrschaft der Byzantiner, die sich als Träger der antiken Kultur und als Mittelpunkt des christlichen Glaubens gesehen hatten (s. Alles Geschichte! 5, S. 100). Der Niedergang von Byzanz setzte allerdings schon 400 Jahre früher ein. Aus dem zentralasiatischen Raum stammende Turkstämme nahmen unter der Herrscherfamilie der Seldschuken den Islam an und eroberten Anatolien, welches zum Byzantinischen Reich gehörte. Um 1300 wurden die Seldschuken von Osman I. Gazi abgelöst. Er begründete die Herrscherdynastie der Osmanen, die das Reich bis 1922 regierte. Ausgehend von ihrem Herrschaftsbereich bedrängten die Osmanen immer wieder das Byzantinische Reich. Kriegerische Konflikte am Balkan ermöglichten es ihnen, im 14. Jh. erste Gebiete innerhalb Europas zu erobern. Vormarsch nach Europa Nach der Eroberung von Konstantinopel wurde aus der Stadt die neue osmanische Hauptstadt Istanbul. Die osmanischen Herrscher expandierten weiter nach Europa und gegen Ende des 15. Jh. rückten ihre Truppen erstmals nach Kärnten und in die Steiermark vor. 1526 fiel der ungarische König im Kampf gegen die Osmanen und Ungarn wurde fast vollständig erobert. Das Osmanische Reich reichte nach diesem Sieg von der nordafrikanischen Küste über den Balkan bis an die Grenzen Österreichs. Seine größte Ausdehnung erreichte es im 17. Jh. Die neue Nachbarschaft führte zu einem jahrhundertlangen Konflikt. Phasen des Krieges, die in zwei Belagerungen Wiens (1529 und 1683) gipfelten, wurden von Waffenstillständen und Friedensschlüssen abgelöst. Neben diesen kriegerischen Auseinandersetzungen gab es aber auch einen kulturellen Austausch zwischen dem Osmanischen Reich und dem Habsburgerreich. Die Türkenangst des 15./16. Jh. Die muslimischen Osmanen wurden als große Gefahr für das christliche Europa angesehen und in der antitürkischen Propaganda als barbarische, grausame Feinde des Christentums dargestellt. Ein Ziel dieser mit Flugschriften verbreiteten Botschaft war es, ein Feindbild zu schaffen, um die unterschiedlichen Völker der Habsburgerherrschaft zu vereinen und einen Zusammenhalt herbeizuführen. Für die Bevölkerung war die Gefahr allgegenwärtig. Laut Berichten vom Einfall der osmanischen Truppen im Gebiet des Wienerwaldes wurden in den Jahren 1529 und 1532 nahezu alle Siedlungen zerstört. Weiters werden in den Chroniken Tötungen und Verschleppungen angeführt. Der Niedergang des Osmanischen Reiches 1684 schlossen sich unter Vermittlung des Papstes das Heilige Römische Reich, Polen, Venedig und zwei Jahre später Russland zur Heiligen Liga zusammen, um die Osmanen gemeinsam zurückzudrängen. Nach mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen musste das Osmanische Reich im Friedenschluss von Karlowitz große Gebiete an seine Gegner abtreten. Österreich konnte sich so die Herrschaft über Ungarn sichern. Durch die Expansionsbestrebungen Österreichs und Russlands kam es im 18. Jh. zu weiteren Kriegen mit wechselnden Beteiligten, in deren Folge das Osmanische Reich Gebiete und Einfluss in Südosteuropa verlor. M1: Stör: Zwei Türken mit zwei gefangenen Männern. Holzschnitt, 1530 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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