Alles Geschichte! 6, Schulbuch

183 Eine weitere Gruppe waren Geistliche, die im Zuge von Säkularisierungsmaßnahmen direkt dem Staat und nicht mehr dem Papst unterstellt wurden und einen Eid auf die neue Verfassung leisten sollten. Viele Priester verweigerten sich oder nahmen ihren zuvor geleisteten Eid zurück, als Papst Pius VI. mit dem Kirchenbann drohte. Dies führte zum Berufsverbot und 1792 zur offiziellen Verbannung von etwa 60 000 Geistlichen aus Frankreich. Royale Flüchtlinge Die wohl prominentesten politischen Flüchtlinge waren Ludwig XVI. selbst und seine Frau Marie-Antoinette (s. S. 100). Auf ihrer Flucht wurden sie allerdings noch in Frankreich erkannt und festgehalten. In weiterer Folge kam es zur Verhaftung Ludwig XVI. und seiner Frau und später zur Hinrichtung der beiden wegen Hochverrats. Von der Verbannung zur Amnestie In der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr flüchtete der Großteil der insgesamt etwa 150 000 Menschen in Gebiete in unmittelbarer Nähe zu Frankreich, vor allem ins benachbarte Heilige Römische Reich. Gründe für die teils restriktive Immigrationspolitik in Westfalen Man befürchtete, daß von den Emigranten umstürzlerische Ideen in das Land getragen, daß durch die als leichtsinnig geltenden Franzosen die Sitten des Landes korrumpiert werden würden, vor allem aber sah man die Gefahr, daß die Emigranten früher oder später der Allgemeinheit zu Last fallen würden. M4: Veddeler: Französische Emigranten in Westfalen 1792–1802, in: Comparativ, Heft 5–6, 1997, S. 189. M3: James Gillray: French Democrats surprising the Royal Runaways. Radierung, handkoloriert, 1791 Eine Rückkehr schien nach dem Erlass eines Dekrets 1793, in dem alle Geflüchteten unabhängig von ihren Motiven und ihrem Verhalten für immer aus Frankreich verbannt und ihr Besitz beschlagnahmt wurde, zunächst aussichtslos. Doch Anfang des 19. Jh. erließ Napoleon eine weitreichende Amnestie und bot Rückkehrenden sogar eine Entschädigung für die Enteignung ihres Besitzes. Diese Maßnahme führte dazu, dass über 90% der im Zuge der Revolution Geflüchteten zurückkehrten. Jetzt bist du dran: 1. Beschreibe die Bilder M1 und M2 und vergleiche die Darstellungen von Verbannung. 2. Arbeite typische Motive für politische Migration bei den französischen Revolutionsflüchtlingen heraus. 3. Vergleiche die in M4 angeführten Vorurteile gegenüber den französischen Flüchtlingen mit heute verbreiteten Vorurteilen gegenüber Geflüchteten und bewerte diese. 4. Beschreibe die Karikatur M3 und ermittle, welches Ereignis und welche Protagonisten hier dargestellt werden. Beurteile, ob der Karikaturist James Gillray den Revolutionären freundlich gegenüberstand oder eher als Royalist, also als Anhänger der Monarchie, bezeichnet werden kann. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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