Alles Geschichte! 6, Schulbuch

150 3.14 Kriegspropaganda Bereits in der Antike wurden Mittel der Beeinflussung verwendet, etwa in Reden. Durch die Entwicklung der Massenmedien ergaben sich immer weitere Möglichkeiten der Propaganda. Als Mittel der Kriegsführung wurde Propaganda im Ersten Weltkrieg im großen Stil verwendet. Ziel war es, die Bevölkerung für den Krieg zu begeistern. Rechtfertigung des Krieges Unmittelbar nach der österreichisch-ungarischen Kriegserklärung an Serbien ließ Kaiser Franz Joseph I. das Manifest „An meine Völker“ veröffentlichen. Darin wird die Schuld am Krieg Serbien zugeschrieben, eigene Handlungen werden einseitig dargestellt. Kaiser Franz Joseph I. – An meine Völker! (28. Juli 1914) Es war Mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und Meine Völker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren. Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen. Die Umtriebe eines haßerfüllten Gegners zwingen Mich, zur Wahrung der Ehre Meiner Monarchie, zum Schutze ihres Ansehens und ihrer Machtstellung, zur Sicherung ihres Besitzstandes nach langen Jahren des Friedens zum Schwerte zu greifen. Mit rasch vergessendem Undank hat das Königreich Serbien, das von den ersten Anfängen seiner staatlichen Selbständigkeit bis in die neueste Zeit von Meinen Vorfahren und Mir gestützt und gefördert worden war, schon vor Jahren den Weg offener Feindseligkeit gegen Österreich-Ungarn betreten. Als Ich nach drei Jahrzehnten segensvoller Friedensarbeit in Bosnien und der Hercegovina Meine Herrscherrechte auf diese Länder erstreckte, hat diese Meine Verfügung im Königreiche Serbien, dessen Rechte in keiner Weise verletzt wurden, Ausbrüche zügelloser Leidenschaft und erbittertsten Hasses hervorgerufen. […] Ein verbrecherisches Treiben greift über die Grenze, um im Südosten der Monarchie die Grundlagen staatlicher Ordnung zu untergraben, das Volk, dem Ich in landesväterlicher Liebe Meine volle Fürsorge zuwende, in seiner Treue zum Herrscherhaus und zum Vaterlande wankend zu machen, die heranwachsende Jugend irrezuleiten und zu frevelhaften Taten des Wahnwitzes und des Hochverrates aufzureizen. Eine Reihe von Mordanschlägen, eine planmäßig vorbereitete und durchgeführte Verschwörung, deren furchtbares Gelingen Mich und Meine Völker ins Herz getroffen hat, bildet die weithin sichtbare blutige Spur jener geheimen Machenschaften, die von Serbien aus ins Werk gesetzt und geleitet wurden. […] Serbien hat die maßvollen und gerechten Forderungen Meiner Regierung zurückgewiesen und es abgelehnt, jenen Pflichten nachzukommen, deren Erfüllung im Leben der Völker und Staaten die natürliche und notwendige Grundlage des Friedens bildet. So muß Ich denn daran schreiten, mit Waffengewalt die unerläßlichen Bürgschaften zu schaffen, die Meinen Staaten die Ruhe im Inneren und den dauernden Frieden nach außen sichern sollen. […] M1: Online auf: www.uibk.ac.at (12.10.2022). Die Frage, wer für den Krieg verantwortlich war, beschäftigte nicht nur Historiker/innen nach dem Krieg. Auch während des Krieges rechtfertigten die politischen Entscheidungsträger die Kriegsführung. Eine Aufgabe der Propaganda war es, die Bevölkerung von deren Rechtmäßigkeit bzw. Notwendigkeit zu überzeugen. Kriegsbeginn – zwischen Ablehnung und Euphorie Vor allem in Städten war in bürgerlichen und intellektuellen Kreisen eine Begeisterung für den Krieg festzustellen. Der Kriegsbeginn stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen, die aus unterschiedlichen Klassen kamen oder innerhalb mancher Staaten verschiedene Nationalitäten hatten. Die Kriegsbegeisterung wurde von zeitgenössischen Literaten und Künstlern eingefangen und beschrieben, wie von Stefan Zweig, oder auch geteilt, wie von Thomas Mann. Trotzdem war sie kein gesamtgesellschaftliches Phänomen, sondern zum Teil auch Inszenierung. Autor Thomas Mann über den Krieg Wir kannten sie ja, diese Welt des Friedens. Wimmelte sie nicht von dem Ungeziefer des Geistes wie von Maden? Gor und stank sie nicht von den Zersetzungsstoffen der Zivilisation? Wie hätte der Künstler, der Soldat im Künstler, nicht Gott loben sollen für den Zusammenbruch einer Friedenswelt, die er so satt, so überaus satt hatte? Krieg! Es war Reinigung, Befreiung, was wir empfanden, und eine ungeheure Hoffnung. M2: Scharf: „Krieg! Es war Reinigung, Befreiung, was wir empfanden, und eine ungeheure Hoffnung.“ Online auf: www.habsburger.net (12.10.2022). Bauern blickten dagegen einer unsicheren Zukunft entgegen, mussten sie doch mit der Einberufung Felder und Vieh zurücklassen. Auch Arbeiter demonstrierten in Großstädten gegen den Krieg. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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