Alles Geschichte! 6, Schulbuch

128 3.3 Veränderung der Arbeitswelt Die Industrialisierung führte zu einem neuen Verständnis von Arbeit und zu einer grundlegend anderen Arbeitsweise. Der vorindustrielle Arbeitsrhythmus Vor der industriellen Revolution wurde der Arbeitsrhythmus vielfach durch äußere Einflüsse bestimmt, wie Wetter, Tageslicht und Jahreszeit. So wurde z.B. im Sommer täglich länger gearbeitet als im Winter. Ansonsten teilte man sich die Arbeit aber selbst über den Tag ein. Zudem spielte die Religion eine wichtige Rolle. So gründete die damals gängige Sechs-Tage-Woche auf dem für religiöse Riten frei gehaltenen und deshalb arbeitsfreien Sonntag. Hinzu kam, dass es damals noch keinen Urlaub gab. Das heißt, die einzigen freien Tage waren religiöse Feiertage. M1: Robert und Daniel Havell: Frau am Spinnrad. Nach einer Illustration von George Walker, 1814 Für die Menschen bedeutete das vor allem eine weitere Entfremdung vom Produkt, das sie nur noch in Teilen bearbeiten durften, und immer eintönigere, sich ständig wiederholende Bewegungsabläufe. Dies senkte die Arbeitszufriedenheit teilweise derart, dass die Arbeiter/innen gegen solche Modernisierungsmaßnahmen streikten. Henry Ford über die Arbeit in der Fabrik (1924) Ich habe bisher nicht finden können, daß repetitive [= sich wiederholende] Arbeit den Menschen schädigt. Salonexperten haben mir zwar wiederholt versichert, daß repetitive Arbeit auf Körper und Seele zerstörend wirke, unsere Untersuchungen widersprechen dem jedoch. […] Einige unserer Handgriffe sind zweifellos überaus eintönig, so eintönig, daß man es kaum für möglich halten sollte, daß ein Arbeiter sie auf die Dauer verrichten möchte. […] Es braucht dazu weder Muskelkraft noch Intelligenz. Trotzdem verharrt der Mann seit acht langen Jahren an dem nämlichen Posten. […] Wer repetitive Arbeit nicht mag, braucht nicht bei ihr zu bleiben. […] An ihnen liegt es, sich eine Stellung zu verschaffen. Bleiben sie bei der Fabrikation, dann nur, weil es ihnen dort gefällt. M2: Ford: Mein Leben und Werk, 1923, S. 122–124. Widerstand gegen den Fortschritt Für die Volkswirtschaften war es ein Vorteil, dass Arbeiten von Maschinen übernommen wurden. Mit dem Unternehmer entwickelte sich eine neue Berufsrolle, die zunächst von Kaufleuten, Verlegern oder Erfindern ausgefüllt wurde. Für eine große Zahl an Menschen bedeutete es jedoch, dass ihr Beruf nicht mehr benötigt wurde und dass ihre Existenz bedroht war. Bereits in den 1780er-Jahren entlud sich die Wut und Hoffnungslosigkeit englischer Handspinner/innen mehrfach auf Arkwrights neue Spinnmaschinen. Indem sie diese in Protestakten zerstörten, setzten sie ein Zeichen gegen die Fabriksbetreiber und die Modernisierung. Ähnlich stark betroffen waren etwas später die Weber/innen, die gerade im deutschsprachigen Raum vermehrt gegen die neuen Maschinen protestierten. Einige Jahrzehnte später entwickelten sich daraus organisierte „Maschinenstürme“, bei denen als Druckmittel im Arbeitskampf gezielt Maschinen zerstört und damit unbrauchbar gemacht wurden. Ausrichtung auf Effizienz Für die Arbeit in der Fabrik hatten all diese Faktoren keine Bedeutung. Die zeitlichen Vorgaben richteten sich nun danach, eine möglichst durchgehende Produktion zu gewährleisten. Die Arbeitskräfte hatten diese strikt einzuhalten. Nun konnten ungelernte Hilfsarbeiter/innen dank der Maschinen Produkte nicht nur in viel kürzerer Zeit, sondern auch in besserer Qualität herstellen als die geschicktesten Handwerker/innen. Gleichzeitig wurde durch kleinere und einfachere Arbeitsschritte und strenge Überwachung die Effizienz in den Fabriken immer weiter gesteigert. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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