Alles Geschichte! 5, Schulbuch

97 Gegenwärtige Formen der Monarchie In modernen Monarchien ist die Regierungsgewalt der Monarchinnen und Monarchen beschränkt. In der konstitutionellen Form sind die Kompetenzen der Monarchin oder des Monarchen durch die Verfassung (lat. constitutio) geregelt, sodass ihre oder seine Herrschaft nicht mehr absolut ist. Er oder sie teilt die Regierung mit einem Parlament. Die Mitglieder der Regierung werden entweder von der Monarchin/dem Monarchen bestimmt oder anderweitig gewählt und zumindest von dieser/diesem ernannt. Häufig kann die Monarchin/ der Monarch diese auch absetzen. Bei der parlamentarischen Form wird der Staat von Parlament und Regierung gelenkt, während sich die Funktion des Monarchen/der Monarchin auf repräsentative Aufgaben beschränkt. Diese bestehen aus öffentlichen Auftritten im staatlichen Interesse und dem Empfang von Staatsgästen sowie der Unterzeichnung von Gesetzen oder der Ernennung von Ministerinnen und Ministern. In der Regel kann die Monarchin/der Monarch in dieser Form aber keine Gesetze oder Ernennungen blockieren, es handelt sich daher um Formalakte. Durch das Parlament und durch eine Volksabstimmung kann eine Monarchie auch abgeschafft werden. Frage der Abschaffung vonMonarchien In einigen Ländern kommt es immer wieder zu Debatten um die Abschaffung der Monarchie. Befürworter des Systems führen als Argumente die Beständigkeit des Staatsoberhauptes, dessen (partei-)politische Unabhängigkeit, die Vorbildfunktion, die Verkörperung von Kultur und Tradition sowie die identitätsstiftende Wirkung für die Nation an. Gegnerinnen und Gegner beklagen die unnötigen Kosten bei bloß repräsentativen Aufgaben, die fehlende Mitbestimmung des Volkes und dass es sich um eine veraltete und überkommene Staatsform handle. Vergangene Formen der Monarchie Die Legitimation, also die Zuerkennung des Rechtes, zu herrschen, bekamen Personen oftmals, weil man sie als göttlich oder gottgleich ansah. Die ägyptischen Pharaonen z. B. galten als Erscheinungsformen eines Gottes bzw. als Nachkommen des Sonnengottes, während die Kaiser in China durch ein Mandat des Himmels regierten. Im Römischen Reich wurde der Kaiser ursprünglich als göttlich verehrt. In der Spätantike, Anfang des 4. Jh., setzte sich die Vorstellung eines göttlichen Willens durch, der die Herrschaft legitimierte. Die christliche Kirche unterstützte im Mittelalter diese Rechtfertigung der Herrschaft durch Gottesgnadentum und erlangte dadurch Privilegien. Die meisten mittelalterlichen Monarchien waren Erbmonarchien. Gemäß dem dynastischen Prinzip und der jeweiligen Thronfolgeregelung ging die Königswürde auf das älteste Kind über, meistens auf den ältesten Sohn. Auch in der Moderne folgen die meisten Monarchien diesem Prinzip. Wahlmonarchien, wie im Heiligen Römischen Reich oder in Polen, waren seltener, obwohl sie vor der Christianisierung im keltischen und germanischen Raum verbreitet waren. Hierbei wurde aus einer kleinen Zahl von Mächtigen oder Adeligen ein Anführer oder König gewählt. Absolute Monarchie Ein absolut regierender Herrscher kann ohne Mitbestimmung des Volkes oder bestimmter gesellschaftlicher Gruppen regieren; er vereinigt in seiner Person die Staatsgewalten Exekutive, Judikative und Legislative. In Europa bezeichnet man vor allem Monarchien der Neuzeit, in denen wie in Frankreich der Adel entmachtet wurde und der Herrscher zentralistisch allein regierte, als absolut. Im Mittelalter regierten die Könige bzw. der Kaiser ebenfalls allein, ohne Verfassung und Parlament, sie waren jedoch mit dem Erstarken des Feudalsystems auf die Unterstützung des immer einflussreicher werdenden Adels angewiesen. Jetzt bist du dran: 1. Recherchiere, in welchen europäischen Staaten eine parlamentarische und in welchen eine konstitutionelle Monarchie die Staatsform ist. 2. Arbeite die Unterschiede zwischen der absoluten, der konstitutionellen und der parlamentarischen Monarchie heraus. 3. Recherchiere zur Medienberichterstattung über die Monarchien in England und Spanien. Diskutiere dann anhand der im Text vorgebrachten Argumente und unter Bezugnahme auf M1 und M2 das Für und Wider des Fortbestandes der Monarchie in den jeweiligen Ländern. Erläutere dabei auch, welche Argumente du unterstützen kannst. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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