Alles Geschichte! 5, Schulbuch

78 QUERSCHNITT bunden. Die Basis der Wirtschaft lag in beiden Reichen in der Landwirtschaft. Mehr Land bedeutete mehr Reichtum. Daher war das Ziel beider Reiche die ständige Ausweitung des eigenen Hoheitsgebietes. Um die kämpfenden Truppen zu versorgen, war es notwendig, in die Infrastruktur (Verkehrswege, Lager usw.) zu investieren. Das so entstandene Straßennetz erleichterte auch die Versorgung der Bevölkerung und die Kommunikation innerhalb beider Reiche. Im Reich der Han herrschte Militärpflicht für alle männlichen Untertanen. In eroberten Gebieten siedelte man Han-Chinesen an. Die Versorgung der Truppen war im asiatischen Großreich mit seinen Steppen und Wüstengebieten noch schwieriger als im Römischen Reich. Als im Römischen Reich um das Jahr 0 eine von Kaiser Augustus angeordnete Volkszählung durchgeführt wurde, gab es in Asien auf einem Teil des Gebietes des heutigen Chinas ein ähnlich großes Reich: das Han-Reich. Einwohner/innen und Größe der beiden Reiche waren vergleichbar. Zur gleichen Zeit, als die Römer etwa 85 n. Chr. begannen, ihr Herrschaftsgebiet mit einem Grenzwall (Limes) zu sichern, ließen auch die Han-Herrscher einen mächtigen Schutzwall errichten, den man später die Chinesische Mauer nannte. Die Anfänge eines chinesischen Kaiserreiches Aus verschiedenen einzelnen Reichen auf dem Gebiet des heutigen Chinas wurde erstmals mit der Herrschaft der Dynastie der Quin ein zentral verwaltetes Kaiserreich gegründet (211 v. Chr. – 207 v. Chr.). Damit begann ein neues chinesisches Zeitalter, denn das zentral verwaltete Kaiserreich hatte mehr als zweitausend Jahre (221 v. Chr. –1911) Bestand. Die Qin-Dynastie (ausgesprochen: „Tchinn“, mit einem „ch“-Zischlaut und einem kurzen „i“) war vermutlich auch der Namensgeber des heutigen Chinas. Chinesinnen und Chinesen selbst bezeichnen sich hingegen als Han-ren (Han-Menschen). Das Quin-Reich zerfiel trotz seiner militärischen Stärke nach einigen Bürgerkriegen. In der Folge wurde die Han-Dynastie begründet. Der Name „Han“ geht auf einen Fluss in Zentralchina zurück. Vergleich Römisches Reich und Han-Reich −−Beide Reiche stellten gemeinsam mit jeweils geschätzten 50 bis 70 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern etwa die Hälfte der damaligen Weltbevölkerung. −−Beide Reiche hatten ähnliche Ausmaße (etwa 4 Mio. km²) und sind die größten dauerhaften Herrschaftsgebiete der klassischen Antike. −−Beide Reiche entwickelten sich am Rand von älteren Kultur- und Machtzentren. −−Im Zusammenhang mit der Expansion des Römischen Reiches spielten die Begriffe Stadt und Imperium eine wichtige Rolle; die Entwicklung Han-Chinas hingegen war von Beginn an mit der Herrschaftsform der Monarchie verbunden. −−Während es im Imperium Romanum eine große kulturelle Vielfalt gab, dominierte in Han-China eine einheitliche Kultur. Militärische und wirtschaftliche Erfolge Sowohl im Han-Reich als auch im Römischen Reich waren militärischer und wirtschaftlicher Erfolg eng miteinander verDas Imperiumder Han-Dynastie Kontakte zwischen den Großreichen Sowohl die Bevölkerung des Römischen Reiches als auch jene des Han-Reiches wussten von der Existenz eines weiteren Großreiches. Chinesische Quellen erwähnen ein westliches Imperium, das sie Da Qin nennen: großes China. Im Römischen Reich gab es seit der Zeit Neros Gerüchte über ein Imperium im Fernen Osten. Auch der Austausch von Waren, insbesondere von Seide, zwischen den beiden Reichen ist belegt. M1 Terrakotta-Figur eines Sitar-Spielers. Östliche Han-Dynastie (220 v. Chr. – 25 v. Chr.) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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