Alles Geschichte! 5, Schulbuch

2000 67 Als Kolonie bezeichnet man in der Antike eine neugegründete Stadt (Tochterstadt). Mit den Mutterstädten, aus denen die Menschen auswanderten, standen die Kolonien wirtschaftlich und kulturell in regem Austausch, aber sie waren ihnen nicht unterworfen. Durch die Beibehaltung ihrer Bräuche, Religion, Sprache und der politischen Ordnung (Poleis) blieben sie verbunden. Über die genauen Abläufe der Besiedelung und den Umgang der neuen Siedler/innen mit der ursprünglichen Bevölkerung ist wenig bekannt. Man kann davon ausgehen, dass es folgende Varianten gab: das Scheitern der Besiedelung, die Vertreibung der ansässigen Bevölkerung und die friedliche Koexistenz der ursprünglichen Bewohner/innen und der neuen Siedler/innen. Einige literarische Quellen aus späterer Zeit informieren über die Gründung und die Entwicklung der Kolonien. Meist beschreiben sie die Kolonisation als geplanten Vorgang in mehreren Schritten. So ging oft eine Befragung des Orakels von Delphi der Besiedelung voran. Magna Grecia (Großgriechenland) Eine große Anzahl von Menschen verließ zwischen 750 und 500 v. Chr. das griechische Stammland, um in der Fremde eine neue Heimat zu suchen. Etwa 150 Siedlungen entstanden rund um das Mittelmeer. Diese Tatsache brachte den Philosophen Platon dazu, den Zustand folgendermaßen zu beschreiben: „Wir sitzen wie Frösche um den Teich.“ Diese Besiedelungen fanden in einem Gebiet statt, das vom Schwarzen Meer bis zur nordspanischen Mittelmeerküste und nach Nordafrika reichte. Viele Tochterkolonien am Mittelmeer sind heute bekannte Städte, wie zum Beispiel Neapel oder Marseilles. Gründe für die Auswanderung Damals wie heute war die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen einer der Hauptgründe, sich neue Lebensräume zu suchen. Neben den wirtschaftlichen und sozialen Ursachen waren es auch politische Konflikte, die die Menschen zum Auswandern bewegten. Motive waren: Überbevölkerung/Mangel an Lebensraum, politische Spannungen in der Heimatstadt, Nahrungsmittelknappheit, Suche nach Bodenschätzen, Erschließung neuer Absatzmärkte, Sicherung von Fernhandelsrouten, Machterweiterung, Abenteuerlust oder Verbannung. Viele dieser Motive bringen auch heute noch Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Verhältnis Mutterstadt – Kolonie Die Beziehungen zwischen Mutterstadt und Kolonie beruhten auf Gemeinsamkeiten in Politik, Handel, Sprache, Kultur und Religion. Kurz nach der Koloniegründung waren die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte meist eng. Verloren die Handelsbeziehungen an Bedeutung, so wurden auch die politischen und kulturellen Verbindungen schwächer. Die politischen Beziehungen zwischen Mutter- und Tochterstädten waren unterschiedlich. Eine große geografische Distanz förderte das Entstehen politischer Unabhängigkeit. Wertschätzung für die Auswanderer Die Bevölkerung der Mutterstadt brachte den Auswanderern meist Wertschätzung entgegen, da diese ihnen ein besseres Leben ermöglichten. Häufig gab es Vereinbarungen, die den Auswanderern bei einem Scheitern im neuen Siedlungsgebiet eine Rückkehr in die Heimat ermöglichen sollten. Einzelne Quellen belegen allerdings auch Neid auf die Kolonisten, da sie Wohlstand und Lebensqualität gewinnen konnten, während die Festlandgriechen weiterhin mit Problemen konfrontiert waren. Jetzt bist du dran: 1. Analysiere den Zusammenhang zwischen den geografischen Gegebenheiten (M1) und den Gründen für die Auswanderung. Liste auf Grundlage der Karte auf, welche Gebiete neu besiedelt wurden. 2. Definiere den Begriff „Kolonie“ in der Antike und arbeite Unterschiede zu seiner heutigen Bedeutung heraus. Gehe dabei auf die Beschreibung in M2 ein und recherchiere im Internet. 3. Ermittle mit Hilfe der Karte (M1) und dem Schulatlas, welche heutigen Städte auf griechische Kolonien zurückgehen. 4. Vergleiche die damaligen Push-/Pull-Faktoren für die Kolonialisierung mit Gründen, warum Menschen heute ihre Heimat verlassen. Diskutiere die Unterschiede und Parallelen auf Basis der Informationen zur Migration generell und zu den Motiven im Autorentext. Versuche die Motive nach Möglichkeit zu ergänzen. Nur zu Prüfzwecken – Ei entum des Verlags öbv

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