Alles Geschichte! 5, Schulbuch

2000 29 Berufe von Sklavinnen und Sklaven In Griechenland und Rom herrschte stets ein riesiger Bedarf an Arbeitskräften, vor allem in der Landwirtschaft, den Bergwerken und im Handwerk. Dieser wurde großteils durch Sklavinnen und Sklaven gedeckt. Die Bandbreite an Bereichen, in denen Sklavinnen und Sklaven eingesetzt wurden, war jedoch noch viel größer und reichte vom Haushalt über Ärzte, Lehrer und Schauspieler bis hin zu Ammen und Prostituierten. Außerdem wurden sie oft vermietet. So kam ihnen zwar eine ungemein große Bedeutung für Wirtschaft und Wohlstand in der Antike zu. In ihrem Status spiegelte sich diese jedoch keineswegs wider. Lebensbedingungen von Sklavinnen und Sklaven Niemand lebte freiwillig als Sklavin oder Sklave. Die häufigsten Gründe, dass man sich in einer solch prekären Situation wiederfand, waren Kriegsgefangenschaft, nicht abbezahlte Schulden, oder man war das Kind versklavter Eltern. Besonders problematisch war, dass Sklavinnen und Sklaven nicht nur unfrei, sondern auch beinahe rechtlos und damit schutzlos der Willkür ihrer Besitzer ausgeliefert waren. Sie galten als Sache (s. S. 61) und waren als solche rechtlich teils Tieren gleichgestellt. In der Praxis gestaltete sich das Leben von versklavten Menschen je nach Besitzer und Arbeit höchst unterschiedlich. Einige dürften völlig unmenschlich und brutal behandelt worden sein, andere mussten wohl unaufhörlich schuften, hatten es aber abgesehen davon etwas besser, und einzelne konnten sogar ein angenehmeres Leben führen als manche freien Bürgerinnen und Bürger. M2 Sklavenmarkt im alten Rom, handkolorierter Holzstich, 19. Jh. Einzelne Sklavinnen und Sklaven konnten sich nach einer gewissen Zeit sogar freikaufen. In der Regel blieben dabei allerdings bestimmte Verpflichtungen gegenüber dem ehemaligen Herrn bestehen. Außerdem fungierte dieser – ähnlich wie der Ehemann bei Frauen – als ihr Vertreter. Reiche Oberschicht Sowohl im Römischen Reich als auch in den griechischen Poleis bildete sich auf Basis der Unterdrückung und Ausbeutung der versklavten Menschen früh eine Oberschicht heraus, die nicht darauf angewiesen war, selbst zu arbeiten. Während dieser Adel in Griechenland seinen Reichtum demonstrativ zur Schau stellte und sich Sport, Kunst oder Philosophie widmete, galt in der römischen Republik ein solcher Lebensstil als verpönt. Ansehen erlangten nur jene Begüterten, die sich im Rahmen politischer Ämter für die Republik engagierten. In Kriegszeiten sowie für größere Feste mussten Wohlhabende Sonderabgaben entrichten. Jetzt bist du dran: 1. Vergleiche die rechtliche Stellung eines Fremden in der Antike mit der eines Drittstaatsangehörigen (Person, die weder EU-Bürgerin oder EU-Bürger noch anderweitig privilegiert ist) heute in Österreich. 2. Untersuche, wie Aristoteles die Sklaverei rechtfertigt (M1), und nimm dazu Stellung. 3. Reflektiere, welche rechtlichen Ungleichheiten heute vom Großteil der Gesellschaft als selbstverständlich angesehen werden, in einigen Jahrhunderten jedoch möglicherweise als überholt oder nicht mehr vorstellbar gelten könnten. Nenne zwei Beispiele. 4. Betrachte die Darstellung des Sklavenmarktes (M2) und benenne Unterschiede zwischen Herrn und versklavten Menschen. Versetze dich in die Situation der Personen und beschreibe auch deren Gefühle. Stelle Vermutungen an, welche Situation auf diesem Bild gezeigt wird. 5. Stelle den Umgang mit Reichtum in heutigen Industriegesellschaften demjenigen der antiken Römerinnen und Römer sowie Griechinnen und Griechen gegenüber. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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