Alles Geschichte! 5, Schulbuch

3000 v. Chr. 2000 v. Chr. 1000 v. Chr. Jahr 0 1000 156 4.6 Migration und Handel in Nord- und Osteuropa Bereits im 10. Jh. begann die Erschließung von fremden Siedlungsräumen in Grenzgebieten und darüber hinaus. Dieser Vorgang steht mit der stets wachsenden Bevölkerung im Zusammenhang. Grundlage des Bevölkerungswachstums waren Fortschritte in der Landwirtschaft und die damit einhergehende größere Verfügbarkeit von Nahrung. Im 12. Jh. verstärkte sich in Europa ein lang anhaltender Migrationsprozess, welcher eine Siedlungstätigkeit nach Osten einschloss. M1 Die Ausbreitung deutscher Siedler/innen nach Osteuropa Siedler/innen ziehen nach Osten Im Rahmen der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wanderten vor allem deutsche, aber auch flämische und dänische Siedler/innen in den osteuropäischen Raum. Zunächst siedelten sich Bäuerinnen und Bauern im Raum jenseits der Elbe an, ihnen folgten Handwerker/innen und Händler/innen. Sie wurden von den deutschen und slawischen Territorialherren gefördert und mit Privilegien ausgestattet, die als Anreize für eine rege Siedlungstätigkeit wirksam wurden. So wurden ihnen persönliche Freiheit sowie das Verfügungsrecht über den Besitz, der auch vererbbar war, zugesichert und zu leistende Abgaben und Dienste waren in Verträgen festgelegt. Durch diesen Prozess vergrößerte sich der deutsche Sprach- und Siedlungsraum bis zum ausgehenden 14. Jh. erheblich. Der zunächst landwirtschaftlich geprägten Besiedelung folgte der Fernhandel und damit die Erschließung des Ostseeraumes. O s t s e e Donau Donau Inn Isar Main Elbe Elbe Moldau Spree Havel Weichsel Oder Oder March Heiliges Römisches Reich Kgr. Polen Kgr. Ungarn Königsberg Danzig Posen Rostock Lübeck Hamburg Magdeburg Leipzig Prag Bayreuth Nürnberg Regensburg München Passau Salzburg Linz Krems Wien Brünn Auschwitz Krakau Luzk Frankfurt um 700 n. Chr. Siedlungsgebiet slawischer Völker Wald- und Sumpfgebiete um 1400 700–1099 1100–1199 1200–1250 1251–1300 1301–1400 0 50 100 km Der Geschichtsschreiber Martin Komer (16. Jh.) über die deutsche Besiedelung im Osten im 14. Jh. Als [Kasimir, ein polnischer Herrscher] Polen und Rotreußen [heutige Westukraine] teils wegen der vorangegangenen Kriege und Einfälle der Barbaren, teils wegen verheerender Seuchen fast verödet und entvölkert sah, verteilte er Ackerland an Deutsche, die man herbeirief oder die auch von selbst kamen. […] Kasimir war auch gegen sie und die übrigen Stadt- und Landbewohner recht freigiebig und nachsichtig. Er duldete nicht, daß sie durch zu harte Arbeit und Abgaben oder durch irgendein Unrecht seiner Amtsträger, der Großen und Adligen, bedrückt wurden, und er strafte alle, die dergleichen wagten. […] Auch ließ er nicht nur die Deutschen ihr sächsisches oder Magdeburger Recht gebrauchen, sondern gestattete dies auch den Polen mit Ausnahme des Adels. M2 Zit. nach: Helbig/Weinrich: Urkunden und erzählende Quellen zur deutschen Ostsiedlung im Mittelalter, erster Teil, 1970, S. 349 und 351 (Übersetzung aus dem Lateinischen, alte Rechtschreibung). Die neuen Siedler/innen lebten mit der in den Gebieten ansässigen slawischen und baltischen Bevölkerung großteils friedlich zusammen. Allerdings wurde die Ostsiedlung von Eroberungen und gewaltsamen Missionierungen begleitet. Expansion undMissionierung durch den Deutschen Orden Der christliche Deutsche Orden entstand wie der Ritterorden der Templer (S. 110) zur Zeit der Kreuzzüge im 12. Jh. Er verfügte über Besitzungen in ganz Europa, verlegte aber sein Wirkungsfeld von der Levante in den nördlichen Osten Europas. Nach einem Ansuchen des polnischen Herzogs um Unterstützung gegen die Prußen, einem zu dieser Zeit noch nicht christianisierten baltischen Volk, eroberte der Orden weite Gebiete östlich der Weichsel. Dabei wurde der Ordensstaat Preußen gegründet, welcher das heutige Nordostpolen und weite Teile des Baltikums umfasste. Den Eroberungen folgten die gewaltsame Christianisierung und die Ansiedlung deutscher Siedler/innen. Aufgrund der Expansionspolitik des Ordens kam es zum Krieg mit den angrenzenden Staaten Polen und Litauen. In der Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1410 erlitt der Orden eine schwere Niederlage, welche auch langfristig zu seinem politischen Untergang beitrug. Dabei wurden im 16. Jh. die Territorien säkularisiert, wodurch das Herzogtum Preußen entstand, welches im Verlauf der Neuzeit zu einem wichtigen Akteur in Europa werden sollte. Wirtschaftlich war der Orden eng mit der Hanse, einem Handelsbündnis vorwiegend norddeutscher Städte, verbunden. Nur zu Prüfzw cken – Eigentum des Verlags öbv

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