Alles Geschichte! 5, Schulbuch

2000 143 Jetzt bist du dran: 1. Betrachte das Foto des digitalen Marktplatzes (M1) und beschreibe, wie dieses Projekt für Nahversorgung funktionieren soll. Vergleiche die Möglichkeiten, sich mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen, im Mittelalter und heute. 2. Beschreibe, welche sozialen Bedürfnisse man im Mittelalter durch einen Einkauf befriedigen konnte und welche heute befriedigt werden. 3. Recherchiere den Begriff Fair Trade im Internet und vergleiche das Konzept mit der Idee des „iustum pretium“. Diskutiere die Aktualität dieser Begriffe/Konzepte für die heutige Gesellschaft. 4. Erkläre, was mit Donut-Effekt (M2) gemeint ist. Überlege, welche Gegenmaßnahmen gesetzt werden könnten, um die Verödung der Ortskerne zu stoppen. Reflektiere dein persönliches Konsumverhalten und dessen Auswirkungen auf Umwelt und Arbeitswelt. Märkte imMittelalter Das Wort Markt kommt vom lateinischen Wort „mercatus“ und bedeutet übersetzt Handelsplatz. Märkte lagen imMittelalter inmitten der Städte und diese wiederum entstanden an Schnittpunkten von Handelsverbindungen und sehr oft an Flüssen. Der Markt war in erster Linie Umschlagplatz für Waren, aber er war auch ein wichtiges Zentrum der Kommunikation. Der Austausch von Informationen fand in Zeiten, in denen es noch keine Zeitungen gab, oft am Markt statt. Seit den Anfängen der Städte waren die Märkte ein wesentlicher Bestandteil der mittelalterlichen Stadt und entsprechend ihrer Funktion lagen sie im Zentrum, oft in der Nähe des Rathauses. KeinMarkt ohne Regeln Um einen Markt abhalten zu dürfen, brauchte es das Marktrecht. Die damit einhergehenden Privilegien für einzelne Verkäufer/innen galten zunächst nur für die Dauer des Marktes und bedurften einer Genehmigung. Ab dem 11. Jh. weiteten sich die Befugnisse auf alle Bürger/innen aus und die zeitliche Beschränkung fiel weg. Damit war häufig die Grundlage für den späteren Erhalt des Stadtrechtes geschaffen. Dem Marktrecht entsprechend galt für den Platz des Marktes der Marktfriede, der durch den Schutz des Marktherrn (z. B. König, Bischof) gesichert wurde. Für die Märkte gab es strenge Öffnungszeiten und genaue Regeln, die von einem Marktaufseher überwacht wurden. Beliebt waren auch Spezialmärkte. Um Waren überhaupt anbieten zu können, mussten oft lange und gefährliche Transportwege in Kauf genommen werden. In der Stadt angekommen, musste meist am Stadttor bereits Zoll, eine Abgabe für eingeführte Waren, gezahlt werden. Nach Übernahme der Ware wurde diese in einem sogenannten Kaufhaus gelagert. Einkaufen im21. Jahrhundert Der Wochenmarkt hat als Handelsform bis heute überlebt. Doch obwohl er mit dem Trend zur Regionalität beim Einkauf in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt hat, trägt er nur einen kleinen Teil zum Umsatz des gesamten Handels bei. Gleichzeitig kämpfen viele Geschäfte in den Innenstädten ums Überleben. Die großen Gewinne werden anderswo gemacht. Der Donut-Effekt […] In Österreich hat ein Phänomen Raum gegriffen, das die Städte und Dörfer über Jahrzehnte prägen wird. Vor den Türen der Gemeinden werden Einkaufszentren und Wohnsiedlungen angelegt, die alten Ortszentren darben. Im schlimmsten Fall gibt es Leerstände. Architekten und Raumplaner sprechen vom Donut-Effekt. […] M2 Kapeller: Der Donut-Effekt frisst die Ortskerne leer, in: Der Standard online, 25.2.2017. Online auf: www.derstandard.at (15.6.2021). Der Markt der Zukunft Aktuell lassen sich zwei wesentliche Tendenzen beobachten: der Trend zum Onlinehandel und die Zunahme der Einkaufszentren am Stadtrand. Die Wunschware aus einem nahezu unbegrenzten Angebot bequem online zu bestellen und nicht zu Zeiten, wenn viele Menschen frei haben, die Läden stürmen zu müssen, scheint für viele angenehm. Persönliche Kommunikation mit anderen, wie amMarkt oder im Geschäft, gibt es dabei allerdings nicht. Das Aus- oder Anprobieren der Ware ist auch nur eingeschränkt möglich. Die riesigen Einkaufszentren am Stadtrand bieten sehr viele Einkaufsmöglichkeiten auf einer überschaubaren Fläche, meist mit ausreichend Parkplätzen und mit dem Auto leicht erreichbar. Das lockt viele Menschen an: Shopping-Center – der Markplatz des 21. Jh. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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