Treffpunkt Deutsch 1 - Deutsch Sprachlehre, Leseheft

kann er doch nicht machen.“ „Mann, was für ein Geschwätz“, sagte die Frau, „kann er eine Kaiserin machen, kann er auch eine Päpstin machen. Ich bin Kaiserin, und du bist bloß mein Mann, willst du wohl hingehen?“ Da kriegte er Angst und ging hin, ihm war aber ganz flau, und er zitterte und bebte, und die Knie und die Waden bibberten ihm. Da fuhr ein Wind über das Land, und die Wolken flogen, dass es dunkel wurde, die Blätter wehten von den Bäumen, und das Wasser ging und brauste, als ob es kochte, und schlug an das Ufer. Der Himmel war in der Mitte noch so ein bisschen blau, aber an den Seiten, da zog es herauf wie ein schweres Gewitter. Da stellte er sich ganz verzagt hin und sagte: „Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, meine Frau, die Ilsebill, will nich so, as ik wol will.“ „Na, was will sie denn?“, sagte der Butt. „Ach“, sagte der Mann, „sie will Päpstin werden.“ „Geh nur hin, sie ist es schon“, sagte der Butt. Da ging er fort, und als er ankam, war da eine große Kirche von lauter Palästen umgeben. Seine Frau war in lauter Gold gekleidet und saß auf einem noch viel höheren Thron. „Frau“, sagte der Mann und sah sie so recht an, „bist du nun Päpstin?“ „Ja“, sagte sie, „ich bin Päpstin.“ Da stand er da und sah sie recht an, und das war, als ob er in die helle Sonne sähe. Als er sie nun eine Zeitlang angesehen hatte, da sagte er: „Ach, Frau, was steht dir das schön, dass du Päpstin bist! Nun sei auch zufrieden, jetzt wo du Päpstin bist.“ „Das will ich mir bedenken“, sagte die Frau. Sie war nicht zufrieden, und die Gier ließ sie nicht schlafen. Der Mann schlief recht gut und fest, er war den Tag viel gelaufen, die Frau aber konnte gar nicht einschlafen und dachte nur immer, was sie wohl noch werden könnte. Als die Frau das Morgenrot sah, da richtete sie sich in ihrem Bett auf, und als sie nun im Fenster die Sonne heraufkommen sah, da dachte sie: Ha, könnte ich nicht auch die Sonne und den Mond aufgehen lassen? „Mann“, sagte sie und stieß ihn in die Rippen, „wach auf, geh hin zum 178 180 182 184 186 188 190 192 194 196 198 200 202 204 206 208 210 212 214 216 218 220 222 „Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, myne Fru, de Ilsebill, will nich so, as ik wol will.“ „Na, was will sie denn?“, sagte der Butt. „Ach, Butt“, sagte er, „meine Frau will Kaiserin werden.“ „Geh nur hin“, sagte der Butt, „sie ist es schon.“ Da ging der Mann fort, und als er ankam, da war das ganze Schloss von poliertem Marmor mit alabasternen Figuren. Und als er hereinkam, da saß seine Frau auf einem Thron, der war von einem Stück Gold. Und sie hatte eine große goldene Krone auf, mit Brillanten besetzt. In der einen Hand hatte sie das Zepter und in der anderen Hand den Reichsapfel. Da sagte der Mann: „Frau, bist du nun Kaiserin?“ „Ja“, sagte sie, „ich bin Kaiserin.“ Da stand er da und sah sie so recht an, und als er sie eine Zeitlang angesehen hatte, da sagte er: „Ach, Frau, was steht dir das schön, wenn du Kaiserin bist.“ „Mann“, sagte sie, „was stehst du da herum? Ich bin nun Kaiserin, nun will ich aber auch Päpstin werden, geh hin zum Butt!“ „Ach, Frau“, sagte der Mann, „was willst du denn noch? Päpstin kannst du nicht werden, Papst ist nur einer in der Christenheit, das 150 152 154 156 158 160 162 164 166 168 170 172 174 176 32 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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