am Puls Biologie 6, Schulbuch

78 Eine Befruchtung ist ca. 12–24 Stunden nach dem Eisprung möglich. Eine befruchtete Eizelle wird durch Bewegungen des Eileiters, der sie zugleich ernährt, zur Gebärmutter transportiert. Der im Eierstock verbliebene Follikelrest wird zum Gelbkörper umgewandelt. In seine Wand wachsen Blutgefäße ein, die von den Follikelzellen mit Progesteron und geringeren Mengen an Östrogenen gespeist werden. Die Konzentration an Progesteron im Blut steigt nach der Ovulation in wenigen Tagen um das 50–100-Fache an. Das fördert den weiteren Aufbau und die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung des frühen Embryos (Blastozyste, siehe S. 59). Zudem hemmt es in der Hypophyse die Abgabe von LH. Die reduzierten Mengen an FSH und LH im Blut verhindern die Reifung weiterer Follikel. Daher ist die Frau nun unfruchtbar. Der frühe Embryo gibt ein Hormon namens hCG (Humanes Chorion Gonadotropin) ab. Es übernimmt die Funktion von LH und regt die Neubildung von Progesteron im Gelbkörper an. hCG ist auch das Hormon, das sich Schwangerschaftstests zunutze machen: Es ist im Urin feststellbar. Findet keine Befruchtung statt, bildet sich der Gelbkörper nach ca. 12–16 Tagen zurück. Dadurch sinkt die Freisetzung von Progesteron und hört letztlich auf. Der größte Teil der Gebärmutterschleimhaut wird daraufhin über die Scheide abgestoßen. Es kommt zur Regelblutung. Sie dauert 2–6 Tage und kann mit erheblichen Beschwerden verbunden sein. Der Zyklus ist abgeschlossen. Übrigens: Anders als die Follikelreifungsphase ist die Gelbkörperphase immer gleich lang. Die Abfolge von Follikelreifungsphase und Gelbkörperphase geschieht so lange, bis eine Frau in die Menopause eintritt. Das geschieht etwa zwischen dem 45. und dem 55. Lebensjahr. Dann lässt ua. die Östrogenproduktion nach, weshalb die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr aufgebaut werden kann. Auch kommt es seltener, schließlich gar nicht mehr zum Eisprung. Ab diesem Zeitpunkt ist die fruchtbare Phase im Leben einer Frau vorüber. In der Gelbkörperphase stimuliert Progesteron den weiteren Aufbau der Gebärmutterschleimhaut Abb.13: Ausgereifter Menstruationszyklus einer Frau. Auf- und Abbau der Gebärmutterschleimhaut (unterste Leiste, rot) sowie Reifung und Sprung des Eibläschens werden vom Verhältnis bestimmter Hormone zueinander bestimmt. Die Länge des Zyklus ist individuell verschieden und liegt meist zwischen 23 und 35 Tagen. Neben natürlichen Schwankungen beeinflussen körperliche und seelische Belastungen den Zyklus. reifender Follikel Eisprung im Eierstock in der Gebärmutter Gelbkörper Eireifungsphase Gelbkörperphase Hypothalamus Hypophyse Östrogene Progesteron FSH LH Eizelle Zyklustage Östrogene wirken auch auf die Hypophyse. Sie hemmen die Freisetzung von FSH und LH, fördern aber die Neusynthese von LH (wodurch die LH-Speicher aufgefüllt werden). Progesteron hemmt die Freisetzung von LH durch die Hypophyse. Der sinkende LHSpiegel lässt den Gelbkörper schrumpfen. Der Hypothalamus gibt Freisetzungshormone ab. Diese Freisetzungshormone regen die Hypophyse an, die Hormone FSH und LH in die Blutbahn freizusetzen. FSH bewirkt das Heranreifen des Follikels im Eierstock. In ihm reift eine Eizelle heran. Je größer der Follikel wird, desto stärker setzt er die Hormone Östrogene frei. Eine hohe LH-Konzentration löst den Eisprung aus. In der zweiten Zyklushälfte stimuliert das den Gelbkörper zur Bildung des Hormons Progesteron. Östrogene aus dem Follikel bewirken zusammen mit Progesteron den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Kommt es zu keiner Befruchtung, sinkt der Gehalt von Östrogenen und Progesteron. Dies löst die Regelblutung aus. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

RkJQdWJsaXNoZXIy ODE3MDE=