am Puls Biologie 6, Schulbuch

Aufgaben 39 Hormonsystem Die Hypophyse ist die oberste Hormondrüse des Körpers Schon der Anblick und die Stimme des eigenen Säuglings können bei der stillenden Mutter den Milchfluss bewirken. Anblick und Stimme sind Signale, die neuronal erfasst werden (über Augen und Ohren). Diese führen dann zur Freisetzung eines Hormons, des Oxytocins. Neben der Milchproduktion stärkt dieses „Kuschelhormon“ auch die Mutter-Kind-Bindung. Am Übergang vom Nervensystem zum Hormonsystem ist eine Struktur beteiligt, die etwa so groß ist wie ein Kirschkern und unter dem Hypothalamus hängt – die Hypophyse1 oder Hirnanhangdrüse (kAbb. 6, Detailbild links oben). Genau genommen ist die Hypophyse keine einheitliche Drüse, sondern besteht aus zwei Anteilen, die im Lauf der Embryonalentwicklung zu einer Drüse zusammenwachsen: Neurohypophyse und Adenohypophyse. Die Neurohypophyse (oder der Hypophysenhinterlappen) ist eine Ausstülpung des Hypothalamus und stellt eigentlich keine echte Drüse dar, da die Hormone nicht in ihr gebildet werden, sondern in speziellen Zellen des Hypothalamus, den neurosekretorischen Zellen (kAbb. 6 a). Die Axone dieser Zellen reichen in die Neurohypophyse und setzen dort ihre Hormone in Blutgefäße frei (kAbb. 6b und 6 c). Die Neurohypophyse ist für die Freisetzung von zwei Hormonen zuständig: Neben dem oben angesprochenen Oxytocin setzt sie Vasopressin (oder Adiuretin) frei, ein Hormon, das die Wasserresorption in den Nieren anregt, dadurch wird der Urin stärker konzentriert und der Blutdruck erhöht. Die Adenohypophyse (oder der Hypophysenvorderlappen) entsteht aus einer Ausbuchtung der Mundhöhle, schnürt sich im Lauf der Embryonalentwicklung von dieser ab und vereinigt sich mit der Neurohypophyse. Sie ist eine echte Drüse. Sie erzeugt mindestens neun Hormone. Die Ansteuerung erfolgt durch den Hypothalamus, der geringe Mengen an freisetzenden und hemmenden Hormonen an die Adenohypophyse abgibt (kAbb. 6d). Dies erfolgt durch das Pfortadersystem der Hypophyse, über Gefäße durch den Hypophysenstiel zu den spezifischen Drüsenzellen (kAbb. 6 e). Für jedes Adenohypophysenhormon gibt es hier einen spezifischen Drüsenzelltyp, der „auf Kommando“ seine Hormone in den Blutstrom freisetzt. Die Adenohypophyse produziert vier verschiedene glandotrope2 Hormone zur Steuerung anderer Hormondrüsen (Schilddrüse, Nebennierenrinde, Hoden, Eierstöcke; kS. 35, Abb. 2). Zudem produziert sie Hormone, die direkt auf die Zielorgane wirken: Das Somatotropin ist das wichtigste Wachstumshormon des Menschen. Es wirkt v. a. an Muskeln, Knochen und Knorpeln. Das Prolaktin fördert Brustwachstum und Milchproduktion. Melanotropine sind eine Gruppe von Hormonen, mit denen, neben anderen Funktionen, die Pigmentbildung in der Haut reguliert wird. Endorphine sind Peptide, mit denen Hunger- und Schmerzgefühle gesteuert werden, die aber auch für Glücksgefühle zuständig sind. 1 Hypophyse: hypó (griech.) = unten, physis (griech.) = Körper; Hirnanhangsdrüse 2 glandotrop: glandula (lat.) = Drüse; auf Drüsen einwirkend Die Hypophyse besteht aus zwei Anteilen, der Neurohypophyse und der Adenohypophyse Abb. 6: Hypophyse des Menschen. Die Hypophyse besteht aus einem Vorderlappen (Adenohypophyse) und einem Hinterlappen (Neurohypophyse) mit unterschiedlichen Funktionen. Sie ist mit dem Hypothalamus verbunden. Die Freisetzungshormone werden über das Hypophysen-Pfortadersystem in der Hypophyse verteilt. (Als Pfortader bezeichnet man eine Vene, die sich an beiden Enden in Kapillaren aufzweigt). Pfortadersystem einströmendes Blut Adenohypophyse Neurohypophyse Hypophysenstiel ausströmendes Blut, mit Hormonen beladen Hypothalamus Drüsenzelle Freisetzungshormone und hemmende Hormone werden in winzigsten Mengen von Neuronen des Hypothalamus an das Pfortadersystem abgegeben. Sie steuern die Hormonproduktion von jeweils spezifischen Typen von Drüsenzellen in der Adenohypophyse. Mindestens neun verschiedene Hormone werden von dort mit dem Blutstrom im Körper verteilt. Neurosekretorische Zellen des Hypothalamus bilden selbst Neurohormone. Diese Peptidhormone der Neurohypophyse werden mit dem Blutstrom im Körper verteilt. Neuronale Informationsverarbeitung führt zur Aktivierung von bestimmten neurosekretorischen Nervenzellen. 1 W „Die Hypophyse ist kein einheitliches Organ und nur zum Teil Drüse.“ Erkläre diese Aussage. 2 W Neben der Hypophysenpfortader gibt es beim Menschen eine zweite, größere Pfortader: die Leberpfortader. Wiederhole mit am Puls Biologie 5 ihre Funktion. Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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