global 8. Geographie und Wirtschaftskunde, Schülerbuch

40 Wohlfahrtsökonomie und andere Ansätze Die Bedeutung der Wohlfahrtsökonomie In der Volkswirtschaftslehre steht bei Beurteilungen von Handlungen die Wohlfahrtsökonomie im Zentrum. Die wirtschaftspolitischen Ziele sollen aus Wertvorstellungen abgeleitet werden. Dabei kommt zuerst das Pareto-Kriterium, benannt nach dem italienischen Ökonomen Vilfredo Pareto, zum Einsatz. Dieses besagt, dass ein Zustand einem anderen vorzuziehen ist, wenn zumindest ein Individuum bessergestellt ist, ohne dass ein anderes Individuum schlechtergestellt ist. Man spricht von einem Pareto-Optimum, wenn kein Individuum mehr einen Nutzenzuwachs erreichen kann, ohne dass dabei der Nutzen eines anderen Individuums verschlechtert wird. Dabei können wiederum unterschiedliche normative Vorstellungen von Gerechtigkeit verwendet werden. Das utilitaristische Konzept baut auf dem Prinzip der Nützlichkeit auf, das besagt, dass jedes Individuum sein Leid minimiert und seine persönliche Freude maximiert. Das Fairnesskonzept wiederum nutzt das Modell eines fiktiven Urzustands, in dem alle Menschen dem „Schleier des Unwissens“ unterworfen sind. Sie kennen zwar die allgemeinen Bedingungen der Gesellschaft, haben aber kein spezielles Wissen über ihre persönliche Position darin. Vor diesem Hintergrund muss man sich auf eine Gesellschaftskonstellation einigen. Da die Menschen nicht wissen, wo in der Verteilung sie selbst landen, soll eine faire Gesellschaftskonzeption zustande kommen. Ein neueres Leitbild in der wirtschaftspolitischen Diskussion stellt das Konzept der Nachhaltigkeit (sustainability) dar. Die Nutzung von Gemeingütern (zB Ressourcen) stellt die Wirtschaftswissenschaften vor ein Problem. Viele Ökonominnen und Ökonomen sind der Ansicht, dass der Versuch, den persönlichen Nutzen oder Profit zu maximieren, auf Kosten jener Gemeingüter passiert, was zur Übernutzung bis hin zur Erschöpfung der Güter führen kann. In diesem Zusammenhang ist oft auch die Rede vom Green New Deal. Dieser nimmt Bezug auf den New Deal der 1930er Jahre und ist als Reaktion auf die ökologische wie auch auf die ökonomische Krise zu sehen. So wie der New Deal durch die Verbesserung der sozialen Infrastruktur eine Transformation der kapitalistischen Wirtschaft vorantrieb, soll die „grüne“ Version dies durch eine Verbesserung der ökologischen Infrastruktur erreichen. Man spricht auch von einem grünen Kapitalismus oder einer „grünen Industriellen Revolution“. Erklärtes Ziel ist es, durch die Generierung einer erhöhten Nachfrage nach grünen, also nachhaltigen, Produkten und Technologien für neues Wachstum zu sorgen. Daher schlagen viele Ökonominnen und Ökonomen die Privatisierung, selten auch die Verstaatlichung solcher Gemeingüter vor. Elinor Ostrom, die einzige Wirtschaftsnobelpreisträgerin, ist der Meinung, dass, solange Gemeingüter (zB Ressourcen) langfristig genutzt werden, diese Güter in ihrer Größe überschaubar und die aus ihnen entstehenden Erträge vorhersehbar sind, die Nutzung der Güter nicht unausweichlich in deren Ausbeutung münden muss. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass im Falle von Verstößen gegen festgesetzte Regeln auch Sanktionen erfolgen. Die Degrowth-Bewegungen Ein Ansatz, der nachhaltiges Wirtschaften in den Mittelpunkt stellt, ist die Degrowth-Bewegung. Bereits mit dem 1972 veröffentlichten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ wurde der breiten Öffentlichkeit klar, dass ein unbeschränktes Wirtschaftswachstum weder möglich noch nachhaltig ist. In der daraufhin entstandenen „Postwachstumsbewegung“ entwickelten sich unterschiedliche Positionen, die allesamt ein unbegrenztes Wirtschaftswachstum ablehnen. Anstelle des wirtschaftlichen Wachstums sollten das Wohlbefinden aller Menschen, die Sicherung der ökologischen Lebensgrundlage, Entschleunigung, Konsumreduktion und Zeitwohlstand stehen. Die Unterschiede liegen vor allem in den verschiedenen Ansatzpunkten. Während bei manchen Umweltfragen oder Klimagerechtigkeit im Mittelpunkt stehen, haben andere Teile der Degrowth-Bewegung soziale Gerechtigkeit und eine solidarische Ökonomie zu ihren zentralen Punkten gemacht. Green Economy Unter dem Begriff der Green Economy versteht man eine Wirtschaft, die ressourcenschonend vorgeht und auf die Reduktion der CO2-Emissionen achtet, ohne das ökonomische Wachstumsziel zu hinterfragen. Ziel ist materieller Wohlstand ohne Umweltrisiken und mit mehr sozialer Gerechtigkeit. An diesen Konzepten wird daher auch einiges an Kritik vorgebracht, so etwa, dass weder die soziale Ungleichheit noch die negativen Eigenschaften des kapitalistischen Wirtschaftssystems grundsätzlich in Frage gestellt werden. Weiters wird auch kritisiert, dass der Green New Deal die Natur nur als wirtschaftliches Kapital versteht, was unter dem Schlagwort des Naturkapitals zusammengefasst werden kann. M1 Green Economy (emraharikan, 5. 2. 2010) Kompetenzorientierte Lernziele Strategien individuell, betrieblich und gesellschaftlich nachhaltigen Handelns entwickeln unterschiedliche Ansätze von Nachhaltigkeit erkennen Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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