sprachreif 3/4, Schülerbuch

A29 Lesen Sie den Artikel Mein Mann, mein Kind, meine Psychose, welcher zum Buch Kim Jiyoung, geboren 1982 geschrieben worden ist, und bearbeiten Sie die folgenden Arbeitsaufträge in einer Vierergruppe: • Recherchieren Sie online zum Skandal, den der K-Pop-Star Irene mit der Nennung von Cho Nam-Joos Buch ausgelöst hat, und besprechen Sie, wieso die Nennung des Buches Kim Jiyoung, geboren 1982 zu solcher Empörung geführt hat. • Informieren Sie sich über die Geschichte Südkoreas. Achten Sie dabei speziell auf die Entwicklung der letzten 20 Jahre und überlegen Sie, warum sich der wirtschaftliche Aufschwung negativ auf die Existenz vieler Frauen ausgewirkt hat. • Recherchieren Sie, was unter „Gender Gap Report“ zu verstehen ist und welchen Platz Österreich belegt. • Besprechen Sie, ob die genannten Punkte wie Sexismus und Gewalt sowie Ungerechtigkeit im Alltag auch in Österreich noch Probleme darstellen. C 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 Eigentlich antwortete der K-Pop-Star Irene bei einem Fantreffen 2018 auf eine ziemlich gewöhnliche Frage. „Was für Bücher hast du gelesen in letzter Zeit?“, wollte dort jemand von der Frontfrau der Gruppe Red Velvet wissen. Ihre Antwort, in der sie das Buch „Kim Jiyoung, geboren 1982“ nannte, löste in südkoreanischen Online-Netzwerken Ärger unter männlichen „Fans“ aus: Sie posteten Bilder zerschnittener Red-Velvet-Merchandising-Produkte, verbrannten Fotos mit Irenes Gesicht. Was hatte sie da bloß für ein Buch genannt? Ein radikales Pamphlet, das Hass auf Männer schürt? Einen Kastrationsaufruf? Wer „Kim Jiyoung, geboren 1982“, […], tatsächlich gelesen hat, kann sich über diese heftigen Reaktionen nur wundern. Die Stärke dieses Buches liegt nämlich so gar nicht in einem kämpferischen Ton, in drastischen Ansagen zur Abschaffung des Patriarchats oder einer übersteigerten Dystopie à la „The Handmaid’s Tale“. Plötzlich scheint sich Kim Jiyoungs Persönlichkeit aufzuspalten Vielmehr beschreibt die Autorin Choo Nam-Joo, selbst geboren im Jahr 1978, in einem fast schon emotionslos nüchternen Ton die Biografie einer Durchschnittsfrau in Südkorea: Kim Jiyoung wird als zweites Kind eines Beamten und einer Hausfrau in Seoul geboren, geht zur Schule, studiert, arbeitet, heiratet, bekommt ein Kind – so weit, so gewöhnlich. Bereits am Anfang des Buches erfährt man allerdings, dass Jiyoung sich mit Anfang 30 zunehmend alles andere als gewöhnlich verhält: Kurz nach der Geburt ihrer Tochter scheint sich ihre Persönlichkeit aufzuspalten: Immer wieder übernehmen Frauen aus ihrer Vergangenheit Besitz von ihr, zuerst eine Freundin aus Studienzeiten, dann die eigene Mutter. Ihr Therapeut, aus dessen Sicht ein Teil des Romans erzählt ist, geht zunächst von einer postnatalen psychischen Störung aus. Nachdem man als Leser aber mehr und mehr über Kim Jiyoung erfährt, kommt man zu einem ganz anderen Schluss: Kim Jiyoungs Leiden beruht darauf, dass sie – wie Millionen südkoreanische Frauen – ein Leben führt, in dem Unterdrückung, Sexismus, Gewalt und Ungerechtigkeit zum Alltag gehören. 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 Mein Mann, mein Kind, meine Psychose Von Quentin Lichtblau | 23.02.2021 Der Roman „Kim Jiyoung, geboren 1982“ von Cho Nam-Joo hat in Südkorea feministische Proteste befeuert – dabei beschreibt er nur das Leben einer absoluten Durchschnittsfrau 222 8 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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