Literaturräume, Schulbuch [Prüfauflage]

59 Renaissance, Reformation, Humanismus (1450–1600) Reformation: Kirche und Glaube Forderungen nach kirchlicher Erneuerung und Luthers Thesen Nicht nur die Naturwissenschaften erschütterten die kirchlichen Ansprüche auf die Alleininterpretation der Welt. Auch die weltliche Haltung vieler Päpste, denen sexuelle Ausschweifung, Ämterschacher, Mord nicht fremd waren, widersprach den Glaubensgrundsätzen. Das beginnende deutsche Nationalgefühl verstärkte die Abneigung gegen Rom. Luthers Kritik am Ablasshandel (1517), den der Papst intensiviert hatte, um die Neu­ errichtung des Petersdomes zu finanzieren, markiert den Beginn der Reformation. Die Forderung Luthers, die Bibel aus dem griechischen und hebräischen Urtext zu übersetzen, trifft sich auch mit den Ideen der Humanis­ ten, „ad fontes“ zu gehen, zu den von den kirchlichen Autoritäten nicht verfälschten Textquellen. Die Literaturübersicht Schreiben zur Belehrung, Unterhaltung und als Kampfmittel Erziehung und Bildung Die Humanisten glaubten an die Wirkung von Bildung. Ein großer Teil der Literatur dieser Zeit hat deshalb lehrhaften Charakter. Die Themen, denen sich die hu­ manistischen Schriftsteller der Zeit wie Conrad Celtis (1459–1508), Erasmus von Rotterdam (1469–1536), Jo­ hannes Reuchlin (1455–1522) oder Ulrich von Hutten (1488–1523) widmen, reichen von politischen, morali­ schen, pädagogischen Fragen bis zu Empfehlungen zum Verhalten bei Tisch. Die Art, wie man sich in einer nicht mehr durch mittelalterliche Standesregeln ge­ prägten Gesellschaft verhalten sollte, war eine wichti­ ge Frage. Die Lehren wurden häufig in Form von Dialo­ gen, Tischgesprächen oder (fingierten) Briefen gestal­ tet. Als Beispiel finden Sie den Dialog „Der Abt und die gelehrte Frau“ von Erasmus von Rotterdam (1) . Belehrung durch die Narren Eine andere Art der lehrhaften Literatur der Zeit ist die Satire mit ihrer Sonderform, der Narrenliteratur. Die Narren halten den Menschen, die von der „wisheyt“ ab­ gewichen sind, einen Spiegel vor, in dem sie ihr Fehl­ verhalten erkennen sollen. Das „Narrenschiff“ von Se- bastian Brant (1458–1521) ist ein Hauptwerk dieser Literatur (2) . Die bekannteste Figur der Narrenliteratur wurde Till Eulenspiegel (3) . Das gedruckte Wort als Mittel im religiösen Kampf In der Reformation wurde die Literatur in hohem Maß als Waffe in der Konfrontation zwischen den religiösen Parteien eingesetzt. Erstmals spielten Flugschriften, Texte von höchstens einigen Seiten, eine bedeutende Rolle. Ihre rasche Vervielfältigung war durch den Buchdruck möglich geworden. Auch die Gegner der Reformation bedienten sich der neuen Medienmög­ lichkeiten. Die Auseinandersetzungen zwischen Mar­ tin Luther (1483–1546), seinen Anhängern und seinen Gegnern, wie dem besonders angriffslustigen Thomas Müntzer (1489–1525), gehören zu den schärfsten die­ ser Zeit. Die Literatur engagiert sich Die Reformation lenkte das Bewusstsein auch auf so­ ziale Ungerechtigkeiten. In den Bauernkriegen von 1524/25 bildeten Flugschriften und Manifeste ein be­ herrschendes Kampfmittel. Von besonderer Schärfe waren die Manifeste „Hochverursachte Schutzrede“ und „Manifest an die Mansfelder Bergknappen“ von Thomas Müntzer (4) , der die religiösen Forderungen von Gleichheit und Brüderlichkeit in die Tat umsetzen wollte. Luther allerdings lehnte den Aufstand mit der Begründung ab, die weltliche Ordnung könne sich ohne Ungleichheit nicht behaupten. In seiner Schrift „Wider die reubischen und mördisschen rotten der bauren“ rechtfertigte er die blutige Niederschlagung der Aufstände. Literatur zur Unterhaltung: Die Volksbücher Der Buchdruck ermöglichte es auch, dass erstmals das Buch in größerem Umfang als Unterhaltungsmittel ein­ gesetzt wurde. Die „Volksbücher“, wie etwa die „Historia von D. Johann Fausten“ aus dem Jahr 1587 (Faust-Fens- Überblick Fundament Leseraum Maturaraum Zusammen­ fassung Literatur­ übersicht Grenzenlos Fokus - Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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