Literaturräume, Schulbuch [Prüfauflage]

58 Renaissance, Reformation, Humanismus (1450–1600) zung der Antike führte gleichzeitig zu einer Abwertung der Kunst der unmittelbaren Vergangenheit. So ent­ stand damals in Italien die abschätzig gemeinte Be­ zeichnung „gotisch“ für die Kultur des Mittelalters. Die Goten wurden als Synonym für die Deutschen und „Bar­ baren“ angesehen, im Gegensatz zu Römern und Grie­ chen. Damit war die Meinung vom „finsteren Mittel­ alter“ geboren, der Zeit des angeblichen Verfalls zwi­ schen Antike und dem 14. Jahrhundert. Wunsch nach politischer Erneuerung Geistigen und politischen Aufbruch aus den Wirren des späten 13. Jahrhunderts erhoffte sich bereits der Florentiner Dante Alighieri (1265–1321). Er erwartete ein neues Weltkaisertum, welches das Leben Italiens erneuern würde. Später wurden die politischen Ideen von Nicolò Machiavelli (1469–1527) wirksam, der in sei­ nen Werken wie „Il principe“ („Der Fürst“) auch die ge­ waltsam errungene Macht als legitime Grundlage für ein funktionierendes Staatswesen betrachtete. Humanismus: Bildung und Wissenschaft Gegen vorgegebenes Denken Das Streben nach „humanitas“ kennzeichnet Literatur und Wissenschaft der Epoche. Kern sind die „studia humaniora“: die Pflege der antiken Sprachen und Lite­ raturen. Ziel der Studien ist ein autonomer Mensch, der sich von vorgegebenem Denken löst und fähig ist, seine geistigen Kräfte zu entwickeln. Einer der ersten Huma­ nisten ist Francesco Petrarca (1304–74). Für ihn gibt es drei Gründe, die Antike als Vorbild zu nehmen: die römi­ sche Republik als Beispiel einer gerechten Staatsform, die römische Dichtung und das römische Ideal eines selbstbestimmten, auf Lebensbejahung gerichteten Menschen. Aufschwung der Universitäten Das Bestreben, die antiken Quellen im Original zu le­ sen, fördert den Aufschwung der Universitäten. Die ersten Universitäten im deutschen Sprachraum wur­ den im 14. Jahrhundert gegründet: Prag 1348, Wien 1365, Heidelberg 1385. Zunächst übernahmen die Uni­ versitäten die mittelalterlichen Lehrsysteme: das Trivi­ um (= Dreiweg), bestehend aus Grammatik, Dialektik (= Argumentationskunst), Rhetorik, und das Quadrivi­ um (=Vierweg), bestehend aus Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie. Doch bald wurden neue Schwer­ punkte gesetzt. Das Trivium wurde ausgedehnt auf das Studium des Griechischen und des Hebräischen. Das Quadrivium wurde ergänzt durch Experimente und Beobachtungen. Die daraus resultierenden Ent­ deckungen, wie die von Kopernikus (heliozentrisches Weltbild), Kepler (Planetenbewegung) und Galilei (Pro­ pagierung des heliozentrischen Weltbildes) erregten den Widerstand der Kirche, die ihr Monopol auf die Erklärung der Welt gefährdet sah. Leonardo da Vinci, Vitruvianischer Mensch, um 1490 Überblick Fundament Leseraum Maturaraum Zusammen­ fassung Literatur­ übersicht Grenzenlos Fokus Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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