Erziehung und Unterricht 2018/3+4
Salvador, Mittels Wimmelbüchern ein Subtraktionsverständnis entwickeln 365 Erziehung und Unterricht • März/April 3-4|2018 Henrik Salvador Mittels Wimmelbüchern ein Subtraktionsverständnis entwickeln Summary: Ziel eines gelungenen Mathematikunterrichts muss es sein, „abzählendes Rechnen” zu vermeiden. Kinder werden befähigt, Zahlbeziehungen zu verstehen und Rechenstrategien zu nutzen. Strategien müssen zum zentralen Element eines Anfangs- unterrichts gemacht werden. Gerade bei der Subtraktion werden diese in den meisten Schulbüchern nicht oder nur unzureichend thematisiert. Ebenso gelingt es ihnen nicht, das Spektrum der Subtraktion abzudecken. Mittels Wimmelbüchern können dagegen Sachkontexte „erfunden” werden, die den Problembereich des Vergleichens in den Mittel- punkt rücken. Die konkrete Arbeit mit diesen Grundvorstellungen beinhaltet immer Materialhandlungen, welche die Kinder durch Sprache begleiten. Das Erlernen einer Fachsprache ist in diesem Kontext von besonderer Bedeutung. Einleitung In der gegenwärtigen deutschsprachigen Fachdidaktik wird zwar die Bedeutung von Ab- leitungsstrategien für das weitere Verständnis betont, allerdings geben namhafte Wissen- schafterinnen und Wissenschafter das „Auswendig-Aufsagen-Können“ im Zahlenraum 10 als ein Teilziel eines Mathematikunterrichts aus, das möglichst früh erreicht werden soll. So wollen Radatz et al. (1996, S. 84) „dem Auswendiglernen im 1. Schuljahr wieder einen höheren Stellenwert zukommen“ lassen. Wittmann & Müller (2010) forcieren ebenfalls ein Auswendiglernen additiver Grundaufgaben, was durch einen intensiven Einsatz von Blitz- rechenkarteien im Unterricht erreicht werden soll. Wie schon Radatz et al. , so versuchen auch Wittmann & Müller der „Dilemmasituation“ zu entkommen, indem sie „aktiv-entde- ckendes“ Lernen als Verständnisgrundlage für eine gelingende Automatisierung definieren. Für Gerster (2009) darf Unterricht nicht darauf abzielen, Einzelfakten zu automatisieren, sondern er versucht, Ableitungsstrategien selbst zum Unterrichtsinhalt zu machen und diese zu automatisieren. Gaidoschik formuliert wohl zurecht, dass, wenn „Kinder lernen sol- len, Zahlen als Zusammensetzungen aus bzw. in ihren Beziehungen zu anderen Zahlen zu denken, dann erscheint es zielführend, genau das zu einem zentralen Inhalt des frühen Arithmetikunterrichts zu machen“ ( Gaidoschik 2010, S. 120). Er plädiert, ähnlich wie Gerster & Schultz (2004) dafür, die Subtraktion im Zusammenhang mit der Addition zu erlernen. Wimmelbücher und deren Einsatz im Mathematikunterricht Wimmelbilder werden zwar in der Volksschule im Mathematikunterricht im bescheidenen Ausmaß eingesetzt, doch beschränkt sich dies vielfach auf den Bereich „Mengenerfas- sung“. Dass jedoch gut ausgewählte Wimmelbilder bzw. Wimmelbücher in der Lage sind, die Lebenswelt der Kinder in die Klasse zu holen, steht außer Zweifel. Der Einsatz von Wimmelbüchern im Mathematikunterricht erhöht die Anschlussfähigkeit von Kindern im Anfangsunterricht, da diese Bücher zur Standardausrüstung eines Kindergartens gehören
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