Begegnungen mit der Natur 5, Schulbuch

183 Mensch, Gesellschaft und Umwelt M Arbeitsheft Seite 40 Hunger ist kein Schicksal Der Hunger in der Welt könnte bekämpft werden, doch zählen in unserer Gesellschaft leider wirtschaftliche Interessen mehr als soziale und ökologische Notwendigkeit. Die Realität sieht so aus, dass Überkonsum, Verschwendung und Massenproduktion in den Industriestaaten die Situation in den Entwick- lungsländern noch verschlimmert. Fleisch aus Massentierhaltung fördert die Armut Um den steigenden Fleischbedarf in den Industrieländern decken zu können, werden die Tiere, ohne Rücksicht auf ihre natürlichen Bedürfnisse, in Massen- tierhaltung gezüchtet. Dies erfordert große Futtermittelmengen, was einen großen Flächenbedarf zum Anbau der entsprechenden Futterpflanzen bedeu- tet. Da in Europa viel zu wenig eiweißreiche Futterpflanzen angebaut werden, müssen sie importiert werden. Der größte Sojaexporteur der Welt ist Brasilien , eines der reichsten Agrarländer der Welt, in dem allerdings ein Viertel der Bevölkerung an Hunger leidet. Gleichzeitig werden in Europa Agrarflächen unter anderem dafür genutzt, um diverse Pflanzen, zB Getreide, Zuckerrüben und Erdäpfel, anzubauen, die der Verbrennung oder Vergärung zur Energiever- sorgung (elektrische Energie, Wärme, Treibstoffe) dienen. Land Grabbing – eine neue Form der Ausbeutung Zur Nahrungssicherung und Energiesicherheit sowie letztendlich aus Profit- gier, kaufen oder pachten reiche Investoren (zB aus China, Saudi-Arabien, USA, EU-Ländern) fruchtbare Regionen in den Entwicklungsländern zu Billigstprei- sen. Die Ernten gehen an der hungernden Bevölkerung vorbei ins Ausland. Zusätzlich verschärft sich die Situation der zumeist ohnehin schon problemati- schen Wasserversorgung der Bevölkerung, da sich die Investoren auch die Wasserrechte sichern. Anstatt Programme zur Förderung der heimischen Landwirtschaft zu ent- wickeln, spielen die Regierungen und Behörden beim so genannten „Land Grabbing“ mit. Die einen, weil sie sich Investitionen in Infrastruktur und Arbeitsplätze erhoffen, andere weil sie korrupt sind und sich so selbst berei- chern. Welche drastischen Folgen der „Landraub“ verursacht, sieht man sehr gut am Beispiel der Philippinen. Das Land, das sich einst mit dem Hauptnahrungsmit- tel Reis selbst versorgen konnte, ist heute, aufgrund von Verpachtung von ins- gesamt einer Million Hektar fruchtbaren Ackerlandes an Investoren aus Japan, China, Südkorea und den Golfstaaten , vollständig auf Reisimporte aus dem Ausland angewiesen.  Massentierhaltung ist nicht nur wegen der nicht artgerech­ ten Tierhaltung problematisch, sie ist auch mit hohen Umweltbelastungen verbunden: zB intensiver Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, hoher Wasser- und Energieverbrauch bei der Futtermittelproduktion, massiver Ausstoß von Treibhausgasen (bei der Futtermittelproduktion und Tierhaltung)  Flächenbedarf Jährlich werden Millionen Hektar Regen­ wald zum Anbau von Soja zur Viehfutter­ gewinnung gerodet bzw. abgebrannt.  Brasilien Der Großteil des in die EU importierten Sojas – auch gentechnisch verändertes Soja – kommt aus Brasilien. Genmanipu­ lierte Futtermittel müssen zwar gekenn­ zeichnet sein, nicht aber die Produkte (Fleisch, Eier, Milch …).  Ernten angebaut werden zB Soja, Zuckerrohr für die Erzeugung von Biokraftstoffen, Ölpalmen zur Gewinnung von Palmöl für die Nahrungsmittelindustrie und die Kraftstoffproduktion sowie Mais und Reis für den Export. Teilweise werden die Ländereien auch zusätzlich dazu ver­ wendet, als Jagdreviere (Großwildjagd) für finanzkräftige Investoren zu dienen.  Golfstaaten Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate Interpretiere Abb. 10 und formu- liere deine Erkenntnisse daraus in deinem Biologieheft. Selbst aktiv! 1. Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein fundamentales menschliches Be- dürfnis und damit ein grundlegendes Menschenrecht. Etwa eine Million Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Asien hat 28% An- teil am weltweit zur Verfügung stehenden Trinkwasser, Afrika 10%, Eu- ropa 14%, Lateinamerika und Karibik 33%, Nordamerika 12% und Ozea- nien 3%. Fertige zu oben genannten Daten ähnlich wie in Abb. 6 ein Diagramm an, das die Prozentzahlen mit den jeweiligen Anteilen an der Weltbevölkerung ( Abb. 3) vergleicht. Interpretiere anschließend dein Diagramm. Was fällt dir auf? 2. Recherchiere: Wie hoch ist der durchschnittliche tägliche Pro-Kopf- Wasserverbrauch in Österreich? Gib in einer Tabelle in deinem Biologie- heft an, wie viele Liter davon wofür genutzt werden. Selbst aktiv! 10  Jouleumsatz von Weizen Direkte Nahrung 1 Joule in Getreide ⩠ 1 Joule in Brot 7 pflanzliche Joule ⩠ 1 tierische Joule Indirekte Nahrung 7:1 3:1 5:1 1:1 12:1 4:1 Jouleumsatz von Weizen bei Verwendung für: Nur zu Prüfzw cken – Eigentu des Verlags öbv

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