Bausteine Geschichte 4, Schulbuch

14 Autoritäre Systeme … … im Europa der 1930er Jahre Totalitär oder autoritär In Krisenzeiten unterstützen Menschen häufig radikale Parteien. Die Folge davon kann die Errichtung einer diktatorischen Herrschaftsform (eines Regimes) sein. Totalitäre Regime sind Diktaturen mit starken Ideologien, die in alle Lebensbereiche eingreifen. Es soll ein „neuer Mensch“ geschaffen werden. Der Stalinismus in der Sowjetunion* oder der Nationalsozialismus im Deutschen Reich sind Beispiele dafür. Autoritäre Regime sind diktatorisch und fordern unbedingten Gehorsam. In einer autoritären Verfassung sind die demokratischen Rechte sehr stark eingeschränkt. Einzelne Personen (= Diktator) oder Gruppen (Militär, Partei…) stehen an der Spitze. Ein autoritäres System ist nicht automatisch an eine bestimmte Ideologie gebunden. Österreich von 1933 bis zum Anschluss an das Deutsche Reich 1938 oder Italien unter Mussolini sind Beispiele für autoritäre Regime. Österreich Die „Vaterländische Front“ regierte von 1933 bis 1938 ohne Parlament. Sie sollte die einzige politische Organisation sein. Ihr Symbol war das Kruckenkreuz. Im Mai 1934 wurde eine autoritäre Verfassung beschlossen und der „Ständestaat“ ausgerufen. Vertreter der verschiedenen Berufsgruppen (Stände) sollten die Interessen der Bevölkerung wahrnehmen. Andere politische Parteien wurden verboten, so auch die Sozialdemokraten. Viele Sozialdemokraten bezeichnen die Zeit des Ständestaates als „Austro-Faschismus“, weil in dieser Zeit die bis dahin gültige demokratische Verfassung von 1920 abgeschafft wurde. Bis heute ist die Bewertung dieser Zeit umstritten. A B Bundeskanzler Dollfuß mit der neuen, autoritären Verfassung vom 1. Mai 1934 (Propagandaplakat 1934) 1 Quelle: Auszug aus der Rede von Engelbert Dollfuß am Trabrennplatz im Wiener Prater (11.9.1933) „[…] wir wollen den sozialen, christlichen, deutschen Staat Österreich auf ständischer Grundlage, unter starker, autoritärer Führung! Autorität heißt nicht Willkür, Autorität heißt geordnete Macht, heißt Führung durch verantwortungsbewusste, selbstlose, opferbereite Männer. […] so wollen wir […] die wir der Kriegsgeneration angehören, selbstlos in der Führung des österreichischen Staates nichts als unsere Pflicht ausfüllen […]“ 2 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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