Zeitbilder 8, Schülerbuch

2.1. USA – Land der (un-)begrenzten Möglichkeiten? Nach dem Zweiten Weltkrieg wächst der Wohlstand Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte die Regierung der USA die Wohlstandsgesellschaft noch weiter ausbauen. Das Einkommen vieler Amerikanerinnen und Amerikaner stieg, und die „Konsumgesellschaft“ wurde allmählich zur „Überflussgesellschaft“: Ein Auto behielt man im Durchschnitt zwei Jahre. Supermärkte entstanden in großer Zahl. 1950 brachte „Diner’s Club“ die erste Kreditkarte auf den Markt. Der kalkulierte schnellere Verschleiß der Konsumartikel führte schließlich zur Entstehung der „Wegwerfprodukte“. Der ständig wachsende Konsum und die Hilfe für den Wiederaufbau in Europa (Marshallplan) verhalfen der amerikanischen Wirtschaft zu großem Wachstum. Vom Kalten Krieg und dem Rüstungswettlauf mit der Sowjetunion profitierte die Rüstungsindustrie. Daraus entstand ein mächtiger „militärisch-industrieller Komplex“, der starken Einfluss auf die Politik der USA gewann. 1956 übertraf der Wert der Rüstungsgüter jenen der Konsumgüter um etwa das Doppelte. Antikommunismus und Meinungsdruck Mit Beginn des Kalten Krieges verstärkte sich in den USA die Angst vor dem Kommunismus. 1947 erließ Präsident Harry Truman eine „Loyality Order“. Danach mussten über zwei Millionen Bundesangestellte schwören, niemals einer Organisation angehört zu haben, die im Verdacht „kommunistischer und subversiver Betätigung“ stand. In diesem Zusammenhang war Senator Joseph McCarthy besonders aktiv. Er beschuldigte Mitglieder der Regierung und Beamtenschaft sowie des diplomatischen Dienstes, Militärangehörige, Wissenschafterinnen und Wissenschafter sowie Kunstschaffende, dem Kommunismus in die Hände zu arbeiten. Erst 1954 verurteilte der Senat offiziell diese Vorgangsweise. Der US-amerikanische Astronaut James Irwin neben der Mondfähre Falcon. Foto, 1972. Weitreichende Reformen in den 1960er Jahren 1960 gewann der demokratische Kandidat John F. Kennedy die Präsidentschaftswahl. In seiner vielbeachteten Antrittsrede am 20. Jänner 1961 sagte er u. a. Folgendes: Q The world is very different now. For man holds in his mortal hands the power to abolish all forms of human poverty and all forms of human life. (…) Let every nation know, whether it wishes us well or ill, that we shall pay any price, bear any burden, meet any hardship, support any friend, oppose any foe to assure the survival and the success of liberty. (…) To those new states whom we welcome to the ranks of the free, we pledge our word that one form of colonial control shall not have passed away merely to be replaced by a far more iron tyranny. We shall not always expect to find them supporting our view. But we shall always hope to find them strongly supporting their own freedom. (…) To those people in the huts and villages of half the globe struggling to break the bonds of mass misery, we pledge our best efforts to help them help themselves. If a free society cannot help the many who are poor, it cannot save the few who are rich. (…) To our sister republics south of our border, we offer a special pledge – to convert our good words into good deeds – in a new alliance for progress – to assist free men and free governments in casting off the chains of poverty. (…) And so, my fellow Americans: ask not what your country can do for you – ask what you can do for your country. My fellow citizens of the world: ask not what America will do for you, but ask what together we can do for the freedom of man. (Kennedy, Inaugural Address, 20 January 1961. Online auf: https://www. jfklibrary.org/Asset-Viewer/BqXIEM9F4024ntFl7SVAjA.aspx, 24. 1. 2018) Arbeite heraus, welche Zukunftsvorstellungen Kennedy in dieser Rede eröffnete. Stelle fest, an wen er sich richtet. Diskutiert die Werte, die in dieser Rede zum Ausdruck gebracht werden, und mögliche Wirkungen. Beurteilt die Aktualität der Zukunftsvorstellungen Kennedys. Noch vor Ablauf seiner Amtsperiode wurde Kennedy 1963 in Dallas (Texas) ermordet. Die Hintergründe für diese Tat blieben bis heute unaufgeklärt. Lyndon B. Johnson, Kennedys Nachfolger, setzte die Reformpolitik fort und führte u. a. einen „Feldzug gegen die Armut“. Er schrieb darüber in seinen Erinnerungen: Q Ich werde auch den Mann nie vergessen, dessen Heim an einem Berghang (…) im östlichen Kentucky ich besuchte. Er hieß Tom Fletcher. Seine Behausung war eine aus drei Räumen bestehende Dachpappenhütte, die er mit seiner Frau und acht Kindern teilte (…). Am meisten Sorge machte ihm, dass zwei seiner Kinder bereits vorzeitig mit der Schule hatten aufhören müssen; er fürchtete, dieses Schicksal werde den anderen ebenfalls beschieden sein. Das befürchtete ich auch. Die Tragik des Auf-immer-Gefangenseins in 2. Weltmächte seit 1945 96 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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