Zeitbilder 8, Schülerbuch

anwesend gewesen als jemals zuvor bei einer Angelobung. Eine Überprüfung dieser Aussage durch die „New York Times“ und andere Medien widerlegte diese. Die Bilder zeigen das Publikum bei der Angelobung von Barack Obama am 20. 1. 2009 (oben) und von Donald Trump am 20. 1. 2017 (unten). Foto (oben) und Video-Screenshot (unten) wurden beide vormittags von der Spitze des „Washington Monument“ aus aufgenommen. Conways antwortete, angesprochen auf die offensichtlich falschen Angaben des Weißen Hauses, dieses habe lediglich „alternative Fakten“ mitgeteilt. Seither wird die Formulierung „Alternative Fakten“ häufig dafür verwendet, wenn Menschen Lügen, Unwahrheiten und Halbwahrheiten verbreiten. „Social Bots“ Eine weitere Gefahr für die Demokratie stellen so genannte „Social Bots“ dar, Software-Roboter, die in Sozialen Netzwerken, hauptsächlich auf Facebook und Twitter, ohne menschlichen Eingriff Aktionen ausführen. Mit Hilfe von Fake-Profilen kommentieren, liken, retweeten sie Beiträge oder verfassen eigene Kommentare. So sollen erwünschte politische Botschaften verstärkt und bestimmte Themen verbreitet werden. Meistens stehen dahinter politische Auftraggeberinnen und Auftraggeber. Studien ergaben, dass „Social Bots“ bei Themen wie „Brexit“, „Ukrainekonflikt“ und im US-Wahlkampf 2016 manipulierend in die Meinungsbildung eingegriffen haben. „Social Bots“ verstoßen zwar gegen die Nutzungsbedingungen von Sozialen Netzwerken. Sie sind aber nur sehr schwer zu identifizieren. Der Jurist David Röthler über „Social Bots“ (2017): Q Die zentrale Herausforderung im Umgang mit Social Bots ist wahrscheinlich dieselbe wie bei Fake News und „alternativen Fakten“: Es geht darum, die Medienkompetenz möglichst vieler Menschen zu stärken. Wie kann man Inhalte verifizieren? Welchen Medien kann man eher als anderen trauen? Abschließend seien folgende konkrete Hinweise genannt: Die umgekehrte Bildersuche bei Google ist ein hilfreiches Instrument, um die Herkunft von Bildern festzustellen. Sie verrät, ob ein Bild bereits in einem anderen Zusammenhang veröffentlicht wurde. Zur Prüfung des Wahrheitsgehalts von Informationen können Angebote von Websites wie z. B. Mimikama, die Hoaxmap oder das Verification Handbook genutzt werden. (Röthler, Über die möglichen Gefahren von Social Bots. In: Diendorfer, Kapfer u. a. (Hg.), Virtuelle Agora und digitale Zivilcourage, Demokratiezentrum Wien, 2017, S. 50) Vorschläge der österreichischen Journalistin Ingrid Brodnig im Umgang mit „Fake News“ (2017): Q Der erste Schritt ist, selbst ein gutes Radar für dubiose (= zweifelhaft) Behauptungen zu entwickeln – um nicht auf Täuschungen hereinzufallen. Der wichtigste Tipp in der aktuellen Debatte ist: Lassen Sie sich nicht verwirren – behalten Sie in Erinnerung, es gibt sehr wohl Fakten. Und das Wesensmerkmal von Fakten ist, dass wir sie überprüfen können. (…) Die gefährlichste Desinformation, die derzeit kursiert, lautet: Dass wir Lügen und Irreführungen hinnehmen müssen und man gegen das politische Spiel mit der Fehlinformation speziell im Netz nichts tun könne. Doch das ist falsch und das Gegenteil ist richtig – wir können sehr viel unternehmen: Technisch lassen sich mehr Transparenz und Warnsysteme gegen Falschmeldungen implementieren. Juristisch können wir mehr Bürgerrechte verankern und den ohnehin schon bestehenden Schutz vor übler Nachrede stärker nutzen. Und auch jede einzelne und jeder einzelne kann entscheiden, sich nicht so leicht in die Irre führen zu lassen sowie weiterhin beharrlich und geduldig auf den Wert von Fakten hinzuweisen. (Brodnig, Lügen im Netz, 2017, S. 179 ff.) Fragen und Arbeitsaufträge 1. Erläutere, inwiefern „Fake News“, „Social Bots“, „Alternative Fakten“ und die Behauptung einer „Lügenpresse“ demokratische Gesellschaften bedrohen können. 2. Beurteile die Vorschläge von Röthler und Brodnig zur Bekämpfung von Lügen im Netz. Medien und Mediendemokratie 79 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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