Zeitbilder 8, Schülerbuch

Die Entwicklung der Frauenbewegungen • Die Zweite Frauenbewegung als eine der wichtigsten emanzipatorischen, sozialen Bewegungen fordert die Befreiung der Frauen aus männlicher Bevormundung und wirtschaftlicher Abhängigkeit. • „Gender Mainstreaming“ bezeichnet eine Strategie der Gleichstellungspolitik. Soziale Unterschiede und strukturelle Ungleichheiten für Frauen und Männer sollen hinterfragt, sichtbar gemacht sowie die Ursachen beseitigt werden. Wesentlich ist, dass bei allen Entscheidungen, Projekten und Vorhaben der Politik und Verwaltung die unterschiedliche Lebensrealität von Frauen und Männern im Vorhinein berücksichtigt wird. Die 1968er-Proteste • Wichtiger Vorläufer der 1968er-Bewegung waren Proteste von Studentinnen und Studenten an US-amerikanischen Universitäten – v.a. gegen die Rassentrennung und gegen den Vietnamkrieg. Das „Markenzeichen“ der „rock revolution“ der 1960er Jahre war eine neue Jugendkultur: Die jungen Menschen provozierten die Erwachsenen mit Beat und Rock, mit der Nichtbeachtung der damals üblichen Frisur- und Kleidervorschriften sowie mit ihrer freizügigen Sexualmoral (Antibabypille). • Das Ziel der 1968er-Proteste war mehr gesellschaftliche Gleichstellung durch basisdemokratische Beteiligung. • Aus einem radikalen Teil der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in Deutschland ging die Rote Armee Fraktion (RAF) hervor. Nach Jahren terroristischer Aktivitäten (Überfälle, Attentate, Mordanschläge) auf „Vertreter des politischen und wirtschaftlichen Systems“, das sie stürzen wollten, wurde die RAF 1993 zerschlagen. • In Österreich war die Situation weniger revolutionär. Bei einer Studentendemonstration im Jahr 1965 gegen die Verbreitung neonazistischen Gedankengutes wurde in Wien ein Teilnehmer tödlich verletzt. • Einige langfristige Folgen der1968er-Bewegung in Österreich waren die Koedukation in allen öffentlichen Schulen ab 1974, das Zivildienstgesetz 1974, die Einführung von Mitbestimmungsrechten für Eltern- und Schülervertreter (Schulunterrichtsgesetz 1974) und die Einführung der „Fristenlösung“ 1975. Anti-Atom-Protest und Friedensbewegung • Ab etwa 1960 entwickelte sich die „Ostermarschbewegung“ gegen die atomare Aufrüstung im Kalten Krieg. Die pazifistische Bewegung entwickelte sich zur permanenten „Kampagne für Abrüstung“ (1963) und schließlich zur gesellschaftskritisch argumentierenden „Kampagne für Demokratie und Abrüstung“ (1968). Dabei nahm sie Ausmaße einer Massenbewegung an. Emanzipatorische Bewegungen und Gegenströmungen nach 1945 • In Österreich stimmte die Bevölkerung 1978 mit knapper Mehrheit gegen die Inbetriebnahme des fertig gestellten Atomkraftwerkes in Zwentendorf. • Am 26. 4. 1986 ereignete sich im Atomkraftwerk Tschernobyl (Sowjetunion/Ukraine) der erste Super-GAU der Geschichte. • Am 11./12. 3. 2011 ereignete sich aufgrund eines Erdbebens und eines dadurch ausgelösten Tsunamis ein Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima (Japan). In drei Reaktorblöcken gab es Explosionen, außerdem entstand ein Brand in einem Brennelementbecken. Dadurch wurden große Mengen an radioaktivem Material freigesetzt. • Als Reaktion auf den Reaktorunfall in Fukushima haben mehrere Länder, u. a. Deutschland und die Schweiz, ihren Ausstieg aus der Atomenergiegewinnung angekündigt. NGOs – Engagement für Menschen und Umwelt • NGOs (Non Governmental Organizations = Nichtregierungsorganisationen) sind Organisationen, die wichtige gesellschaftliche Interessen vertreten, aber weder dem Staat noch der Regierung unterstellt sind. • Beispiele für große, international vernetzte NGOs sind Organisationen wie Rotes Kreuz, Amnesty International, Human Rights Watch, WWF, Greenpeace, Global 2000, Fridays for Future. • Viele NGOs setzen sich weltweit für die Einhaltung der Menschenrechte und für die Bewahrung einer lebenswerten Umwelt ein. • NGOs stehen in einem Spannungsverhältnis zwischen bürgernaher demokratiefördernder Politik und eingeschränkter demokratischer Legitimation. Herausforderungen der Gegenwart – Fundamentalismus und Terrorismus • Der Fundamentalismus bietet ein geschlossenes Weltbild, das nicht am Denken der Aufklärung orientiert ist. • In allen Religionen bildeten sich fundamentalistische Strömungen heraus. Fundamentalistische islamische Bewegungen bekämpfen die „Verwestlichung“ in ihren Ländern, wie z. B. AlQaida, der „Islamische Staat“ (IS) oder Boko Haram. • Seit den Anschlägen vom 11. 9. 2001 nahm der internationale Terrorismus, v. a. von Al-Qaida und durch den „Islamischen Staat“ (IS), in der westlichen Welt und in islamischen Staaten (z. B. Pakistan, Afghanistan, Irak, Syrien) durch Bombenanschläge stark zu. • Der Krieg gegen den Terror führte u. a. zum völkerrechtswidrigen Dritten Golfkrieg gegen den Irak (2003) und zum Kampfeinsatz der NATO gegen die aufständischen Taliban in Afghanistan. • Der Kampf gegen den Terrorismus scheint eine durchaus als problematisch gesehene Entwicklung hin zu mehr Überwachung der Bürgerinnen und Bürger zu fördern. 144 Basiswissen Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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