Zeitbilder 8, Schülerbuch

die Türkei große Grenzabschnitte mit eigenen Truppen. Weite Gebiete im Norden und Nord-Osten werden von den Kurden dominiert, welche die USA im Kampf gegen den IS unterstützten. Präsident Assad stellt den Kurden, um sie für sich und den Gesamtstaat zu gewinnen, eine regionale Autonomie in Aussicht. Doch vielen Arabern in Syrien ist dieser kurdische Einfluss zu groß. Darüber hinaus sind in Syrien nach wie vor verschiedene Gruppierungen terroristisch aktiv, die auf irgendeine Art mit Al-Qaida verbunden sind. Seit 2018 formiert sich u. a. eine neue Gruppierung unter der Bezeichnung „Wächter des Glaubens“. Sie spalteten sich wiederum von anderen Rebellengruppen ab. Die Vielfalt an ethnischen und religiösen Bevölkerungsgruppen erschwert es indirekt, stabile politische Verhältnisse in den Staaten dieser Region zu schaffen. Der Journalist Wolfgang Machreich stellt dazu fest: L Studien zeigen, dass nicht ethnische Vielfalt an sich, sondern eher die ethnische Dominanz einer Gruppe in Konkurrenz zu anderen, kleineren Ethnien, konfliktträchtig ist. (Machreich, Das Maschinengewehr am Rücksitz. In: Die Furche, Nr. 21, 24. Mai 2018, S. 3) Die Konflikte, die der heutigen Situation zu Grunde liegen, sind letzten Endes auch ein Ergebnis von politischen Entscheidungen, die während und nach dem Ersten Weltkrieg im Zuge der Auflösung des Osmanischen Reiches gefällt wurden. Fragen und Arbeitsaufträge 1. Arbeite anhand der Karten und Literaturstellen heraus, wie nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches neue politische Einheiten im Nahen und Mittleren Osten geschaffen wurden. Beurteile die Rolle Großbritanniens und Frankreichs bei diesen Prozessen. 2. Analysiert zu dritt eine der Konfliktkonstellationen. Bezieht dabei, wenn nötig, Informationen zum Thema „Naher Osten“ aus anderen Kapiteln ein. Präsentiert eure Ergebnisse in der Klasse, verwendet dazu auch ein Plakat oder eine Präsentation. die das Regime von Assad unterstützten. Ein zentrales Motiv der türkischen Politik war und ist in diesem Zusammenhang die – völkerrechtswidrige – Vertreibung der Kurden aus den Grenzgebieten Syriens und des Iraks zur Türkei. Auch der Iran und Saudi-Arabien streben eine Vormachtstellung im Nahen und Mittleren Osten an. Der Iran übt Einfluss im Irak, in Syrien, im Libanon und im Jemen aus; Saudi-Arabien ist um Einflussnahme im Jemen, in Syrien, im Libanon und in den Emiraten bemüht. Eine Schlüsselrolle kommt auch Israel zu. Es sieht sich vom Iran bedroht und erachtet gegenwärtig eine Zusammenarbeit mit arabischen Staaten als Gegengewicht. Grundbedingung dafür ist die Anerkennung des Existenzrechts Israels (s. S. 112 f.). Innere Revolutionen gegen autokratische Regierungen wie der so genannte „Arabische Frühling“ im Jahr 2011 führten bislang nicht zu den erhofften demokratischen Verhältnissen. Von außen angestoßene militärische Eingriffe zum Sturz autokratischer Regime wie 2003 im Irak und 2011 in Libyen vergrößerten letztlich die Probleme: Libyen wurde zu einem „failed state“ (= gescheiterter Staat) und im Irak scheiterten alle Versuche einer inneren Befriedung. Dort kam es zu Kämpfen um die Macht zwischen Sunniten und Schiiten, zu massiven Terroranschlägen sowie zur vorübergehenden Errichtung des „Islamischen Staates im Irak und der Levante“ (ISIL) durch die Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die Lage in Syrien war nach der Rebellion gegen das diktatorische Regime von Präsident Assad im Jänner 2011 besonders verworren. Bis zum Jahr 2018 gelang es der syrischen Armee mit massiver Unterstützung durch die russischen Luftstreitkräfte, den Aufstand im Wesentlichen niederzuschlagen. Russland kehrt damit als einflussreiche politische Kraft in die Region des Nahen Ostens zurück. Dort hatte es nach dem Ende des Kalten Krieges die politische Vormachtstellung den USA überlassen müssen. Syrien als Gesamtstaat kann jedoch nach wie vor nicht als befriedet und als in seiner staatlichen Einheit gesichert gelten. Im Norden kontrolliert hung recht zu geben. Die sowjetische Politik im Iran und in Griechenland, ihre Drohungen gegenüber der Türkei auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam, die unerwartete Unterstützung der UN-Teilungsresolution für Palästina im November 1947, die Waffenlieferungen an die jüdische Seite im Krieg mit den Arabern und schließlich Moskaus Interesse an einer Treuhandschaft über Libyen alarmierten aber die Westalliierten und unterstrichen die Dringlichkeit eines Verteidigungssystems im Nahen Osten. (Mejcher, Sinai, 5. Juni 1967, 1990, S. 105 f.) Eines der Ziele der Eindämmungspolitik gerade in dieser Region bestand in der Sicherung des Zugangs zu den Erdölvorkommen. Besonders deutlich zeigte sich das im Iran. Dort verstaatlichte die Regierung die von den Briten betriebene Erdölindustrie (Anglo-Persian Oil Company). Ein von den Geheimdiensten der USA und Großbritanniens geförderter Putsch stürzte 1953 die demokratisch gewählte Regierung. Der entmachtete Schah wurde neuerlich auf den Thron gebracht. Er war somit ein wesentlicher Verbündeter des Westens und regierte autokratisch, bis er durch die islamische Revolution im Jahr 1979 unter Ayatollah Khomeini gestürzt wurde. Naher und Mittlerer Osten: Eine Krisenregion In den letzten Jahrzehnten ist der Nahe und Mittlere Osten immer wieder als Krisenregion hervorgetreten. Die Konfliktsituationen und Bündnisbildungen sind fast unüberschaubar geworden. Die Folgen der Kriege in Afghanistan 2001 und im Irak 2003 (s. S. 114 f.) sowie der Eingriff äußerer Mächte in Libyen und Syrien 2011 (s. S. 116 f.) öffneten rivalisierenden Regionalmächten Raum für politische Interventionen. Folgende vier Konstellationen sind besonders bestimmend: Ab 2012 unterstützte die türkische Regierung aufständische Gruppen in Syrien gegen das Regime von Präsident Assad. Im Jahr 2015 jedoch erfolgte eine Annäherung an Russland und in weiterer Folge an den Iran, Die Konfliktregion Naher und Mittlerer Osten im 20. und 21. Jahrhundert 125 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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