Zeitbilder 8, Schülerbuch

land und im von Israel annektierten Ost-Jerusalem. Ein Teil der Siedlungen wurde mit ausdrücklicher Genehmigung der Regierung errichtet, doch auch die wilden Siedlungen werden von der Regierung weitgehend geduldet. Die Uno betrachtet dagegen sämtliche Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten als illegal. International wird der israelische Siedlungsbau zudem als eines der größten Hindernisse für einen dauerhaften Frieden im Nahost-Konflikt angesehen, weil die Wohnungen auf Land errichtet wurden, das die Palästinenser für ihren Staat beanspruchen. (Israel genehmigt erste Siedlungen im Westjordanland seit 1992. Online auf: http://www.spiegel.de/politik/ausland/westjordanland-israelgenehmigt-erste-siedlung-seit-1992-a-1141 240.html, 11. 1. 2018) Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal zum Konflikt zwischen Israel und der arabischen Welt, 2012: Frage: Sie sind nach Israel gereist. Warum? Sansal: Ganz einfach, weil ich eingeladen worden bin. Das war für mich eine außerordentliche Gelegenheit. Ich finde es völlig normal, dass sich arabische und israelische Schriftsteller treffen. Sie machen das ständig, nicht in den arabischen Ländern und auch nicht in Israel, aber in den USA, in Frankreich, in Deutschland. Warum also nicht in Israel? Es muss immer jemand den ersten Schritt tun. Ich hoffe, dass dies weitere Besuche von Arabern in Israel und von Israelis in der arabischen Welt zur Folge hat. Damit können wir vielleicht etwas zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern beitragen. (…) Die Kritik (an meinem Besuch) kam vor allem von Seiten der Islamisten und von Intellektuellen, die sich stark für die Palästinenser engagieren. Für diese Leute bin ich ein Verräter, ein Söldner, was weiß ich. Doch wer etwas zum Frieden und zur Begegnung zwischen Völkern und Menschen beitragen will, darf sich nicht mit kleinen häuslichen Problemen der einen oder anderen Seite aufhalten. Wenn wir immer nur Angst haben und nichts tun, wird alles bleiben, wie es ist. (…) Frage: Was ist die Lösung? Eine Wohngemeinschaft im gleichen Haus? Zwei Häuser? Sansal: Ich glaube, die einzige Lösung sind zwei Häuser, in einem Haus zusammenleben, ist nicht mehr möglich. (Islamismus ist eine echte faschistische Ideologie. In: Der Standard, 10. 7. 2012, S. 5) M5 Der ägyptische Schriftsteller Alaa al-Aswani über das Verhältnis zwischen Westen und arabischer Welt: (…) eine Welle des Hasses gegen Araber und Muslime überspült zurzeit den gesamten Westen. Gleichzeitig wird der Begriff „Westen“ in der Arabischen Welt häufig verallgemeinert. Westliche Politik, die die schlimmsten Diktaturen unterstützte und zur Besetzung und Zerstörung des Iraks führte, wo, unter dem Vorwand der Errichtung von Demokratie, eine Million Menschen umkamen, trug dazu bei, dass man in der Arabischen Welt glaubt, dass der Westen den Arabern und Muslimen feindselig gegenübersteht. Niemand wird hier erwähnen, dass der Westen mehr ist als die Summe seiner Regierungen und dass die westliche Zivilisation auch für anderes steht als für die staatliche Politik. Niemand wird erwähnen, dass jener Westen, der George W. Bush und Tony Blair hervorgebracht hat, derselbe Westen ist, dem die Welt auch Shakespeare, Voltaire und Rousseau verdankt; dass der Westen, der den Kolonialismus in die Arabische Welt getragen hat, derselbe Westen ist, in dem die Vorstellungen von Demokratie und Menschenrechten entwickelt wurden. Niemand wird erwähnen, dass die Demonstrationen gegen die Invasion des Iraks in westlichen Hauptstädten um vieles größer waren als in der islamischen Welt. Aber eben, ein Stereotyp hat endgültig und klar zu sein. Erstaunlich dabei ist, dass die Extremisten auf beiden Seiten derselben Logik folgen. Wenn weiße Rassisten die Araber für weniger fähige und weniger intelligente Geschöpfe halten, für gewalttätiger und blutrünstiger, so denken viele muslimische Extremisten, dass alle Menschen im Westen den Islam hassen und sich auf die eine oder andere Weise gegen ihn verschworen haben. Das Problem ist ein wechselseitiges. (…) Wir haben die Pflicht, einander in die Augen zu sehen und miteinander zuerst als Menschen zu kommunizieren. Dann wird uns klar werden, dass wir zwar verschiedene Religionen oder Hautfarben haben mögen, dass wir aber zunächst alle Menschen sind, mit den gleichen Gefühlen und Ideen. (…) (al-Aswani, Im Land Ägypten, 2011, S. 9 f.) Fragen und Arbeitsaufträge 1. Stelle ausgehend von der Quelle M1 und der Karte M3 dar, welche Lösung die UN-Resolution 181 hinsichtlich der Teilung Palästinas vorsieht. 2. Untersuche die Textstellen M2, M4 und M5 darauf hin, welche Probleme zwischen Israelis und Palästinensern gegenwärtig bestehen. 3. Arbeite in M2, M4 und M5 die unterschiedlichen Orientierungsangebote und Sichtweisen heraus. Suche dabei die jeweiligen Absichten und Vorstellungen der hier zitierten Autorinnen und Autoren zu ergründen. 4. Arbeite heraus, wie al-Aswani (M6) die Sicht der arabischen Welt und des Westens aufeinander beschreibt. Erkläre und beurteile das Orientierungsangebot des Autors. M6 Internationale Politik der Gegenwart 121 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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