Zeitbilder 7, Schülerbuch

Diese „Nordatlantische Allianz“ (NATO) vereinigte die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Dänemark, Norwegen, Island, Portugal, Belgien, Luxemburg und die Niederlande. Die Zahl der Mitglieder wurde bald erhöht. 1952 traten Griechenland und die Türkei bei. Eine entscheidende Frage war schließlich, ob die BRD aufgenommen werden sollte. Die USA vertraten die Position, dass Westeuropa nur gemeinsam mit einer wiederbewaffneten Bundesrepublik Deutschland verteidigt werden könnte. 1955 wurde die BRD trotz Widerständen im eigenen Land und vor allem auch in Westeuropa in die NATO aufgenommen. Auf den Beitritt der BRD zur NATO (1955) reagierte die Sowjetunion mit der Gründung des Warschauer Paktes als militärisches Gegenbündnis. In ihm schlossen die Volksdemokratien (Albanien, Bulgarien, DDR, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei und Ungarn) unter sowjetischer Führung ein Verteidigungsbündnis zur Aufrechterhaltung ihrer Interessen in Europa. Im Warschauer Pakt wurde festgelegt, dass sowjetische Truppen als Verbündete in den Unterzeichnerländern stationiert bleiben sollten. Mit dem Ende des Kalten Krieges und der kommunistischen Herrschaft über Osteuropa war auch das Ende des Warschauer Paktes gekommen: Er wurde 1991 formell aufgelöst. Die meisten Staaten Osteuropas traten danach der NATO bei. „Roll back“ und „friedliche Koexistenz“ Mit Beginn der 1950er Jahre verhärteten sich die Gegensätze zwischen den Blöcken. Die Angst vor einer kommunistischen Expansion ermöglichte es dem US-Präsidenten Eisenhower und seinem Außenminister Dulles, die Politik des „Roll back“durchzusetzen. Ihr Ziel war es, die kommunistische Macht unter der Androhung eines Atombombeneinsatzes zurückzudrängen. Rund um die UdSSR und das 1949 kommunistisch gewordene China errichteten die USA einen Gürtel von Stützpunkten mit (Atom-)Raketen. Die Wirtschaftshilfe an befreundete Staaten wurde durch Militärhilfe ergänzt oder durch eine solche ersetzt. Für den Pazifik, für den südostasiatischen Raum und für den Mittleren Osten wurden Militärbündnisse gegründet. Sie standen wie die NATO unter der Führung der USA. Dabei verstellte der einseitige Blick auf die vermutete kommunistische Gefahr den USA oft die Erkenntnis, mit welcher Art von Partnern sie sich einließen: Auch diktatorisch regierte Staaten und korrupte Regierungen, die unwillig waren, demokratische Verfassungen und soziale Gerechtigkeit in ihrem Machtbereich zu entwickeln, wurden unterstützt (u.a. in Südkorea, in Südvietnam und auch in vielen Staaten Lateinamerikas, wie z. B. in Kuba). In diese Zeit des erklärten Kalten Krieges fiel 1953 der Tod Stalins. Da viele Menschen im Westen die sowjetische Politik mit seiner Person identifizierten, hofften sie nun auf eine Lockerung der Fronten. In der UdSSR setzte sich nach internen Machtkämpfen Nikita Chruschtschow als neuer Partei- und Regierungschef durch. Er verkündete 1956 die These der „friedlichen Koexistenz“von Staaten mit unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung: NATO (1949) und Warschauer Pakt (1955) Mit der ersten Krise in Berlin (1948) und der kommunistischen Machtergreifung in der Tschechoslowakei (1948) setzte in Westeuropa und in den USA endgültig auch ein militärisches Umdenken ein. Auf Betreiben der britischen Regierung trafen Vertreter der USA, Kanadas und Großbritanniens in Washington zusammen, um einen europäisch-atlantischen Verteidigungspakt zu planen. Am 9. April 1949 wurde der NATO-Vertrag unterzeichnet. Die NATO entsprach in ihrer Gründungsphase ganz massiv den Sicherheitsinteressen der westeuropäischen Staaten: L (…) Die Franzosen waren (…) verwundbar wie eh und je – sie hatten Angst vor den Deutschen und nun auch vor den Russen. – Vor allem für Paris war die NATO also doppelt attraktiv (…). Die Briten betrachteten die NATO als großen Schritt in ihrem Bemühen, die USA zu einem dauerhaften militärischen Engagement in Europa zu bringen. Und die US-Regierung präsentierte (…) die NATO als Schutz vor einem sowjetischen Angriff im Nordatlantik. Der erste Generalsekretär der NATO meinte 1952: Zweck des Bündnisses sei es, „die Amerikaner drinnen, die Russen draußen und die Deutschen unten zu halten“. (Judt, Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart, 2012, S. 178) Propagandaplakat „Vereinte Abwehr“ des Komitees „Sichert Heimat und Freiheit“, 1950er Jahre. Das Plakat wirbt mit dem Symbol der „helfenden Hand“ für die Einbeziehung der Bundesrepublik Deutschland in den Schutzdamm gegen die „rote Flut“. 2. Verfestigung, Lockerung und Auflösung der Blöcke 92 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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