Zeitbilder 7, Schülerbuch

lich“ galten. Sie mussten nämlich, z. B. in der Rüstungsindustrie, die kämpfenden oder gefallenen Männer ersetzen. Ab 1918 führten viele Staaten, z.B. die USA, das Deutsche Reich und Österreich (1918), das Frauenwahlrecht ein. Frauen wurden nun als neuer politischer „Machtfaktor“ erkannt. Politische Parteien wandten sich daher verstärkt Frauenbelangen zu. Frauen rückten auch in der Werbung in den Vordergrund. Dies hing auch damit zusammen, dass eine kleine Schicht von Frauen über neue Möglichkeiten verfügte: Junge Frauen mit einer guten Ausbildung fanden nun vermehrt Arbeit als Sekretärinnen, Stenotypistinnen und Telefonistinnen. Diese vorwiegend in den Städten lebenden Frauen stellten den neuen Frauentypus dar: berufstätig, selbstbewusst, wirtschaftlich unabhängig. Auch das Verhalten mancher Frauen in der Öffentlichkeit änderte sich: Kurze Haare („Bubikopf“), kürzere Röcke, Rauchen und Trinken in der Öffentlichkeit und die Ausübung von Sport schockierten viele Zeitgenossen und Zeitgenossinnen. Bäuerinnen und Arbeiterinnen mussten jedoch weiterhin schwere körperliche Arbeit verrichten. Von einer wirklichen Gleichstellung war auch beim neuen „Typ“ der berufstätigen Städterin keine Rede: Berufliche Aufstiegschancen boten sich kaum, ihr Lohn lag weit unter dem ihrer männlichen Kollegen. Tamara de Lempicka, Selbstbildnis. Ölgemälde (Ausschnitt), 1929. Beschreibe das Selbstbildnis. Erkläre, warum sich die Künstlerin wohl in einem Auto dargestellt hat. Moderne Massenkommunikationsmittel gewannen schnell an Bedeutung: Die Anzahl der Radios in deutschen Haushalten steigerte sich von 1500 Geräten im Jahr 1924 auf 2,2 Millionen vier Jahre später. Schallplatten, Kino, Illustrierte, Boulevardzeitungen erreichten und beeinflussten Millionen Menschen. Die ungezwungenere Lebensweise und die neuen Unterhaltungs- und Konsummöglichkeiten konnten nun mehr Menschen nutzen. Für die meisten aber blieb das Leben ein harter Kampf ums Überleben. Die ländlichen Gebiete wurden von der „Amerikanisierung“ des Alltags ohnehin kaum betroffen. Der deutsche Schriftsteller Leonhard Frank schreibt in seinen Lebenserinnerungen über das Berlin der 1920er Jahre: QRiesige Summen amerikanischen Privatkapitals wurden ins Land gepumpt (…). Ein neues Deutschland hatte sich herausgeschält. Eine Art Märchen vom Aschenbrödel war für eine ganze Nation Wirklichkeit geworden. Diese Zeit war ein Beweis dafür, dass Wirtschaftskraft und -aufstieg auch das geistige und künstlerische Schaffen befruchten. Selbst der junge Maler hungerte nicht mehr, er malte nicht nur, er verkaufte. Mäzene besonnten sein Leben. Die Bücherproduktion war größer als je. Die neue expressionistische Richtung, in Deutschland entstanden, beeinflusste die europäische Dichtung. Theater, Oper und Konzertsäle waren überfüllt. Europäische Künstler aus Paris, London, Rom, die nach Berlin kamen, waren begeistert und wollten nicht mehr fort. Die Luft in Berlin war elektrisch geladen. (Frank, Links, wo das Herz ist, 1963, S. 113 f.) Diskutiert darüber, in welchem Umfang und in welchen Bereichen unser Leben heute amerikanisiert ist. Neue Ausdrucksformen in der Kunst Auf kulturellem Gebiet, besonders in der Malerei, war die Weimarer Republik tonangebend für Europa. Von dort aus verbreiteten sich neue Stilrichtungen, die sich teilweise experimenteller Ausdrucksformen bedienten. Thematisiert wurden die leidvolle Erfahrung des Ersten Weltkrieges, die gesellschaftlichen Veränderungen und die politischen Spannungen der Nachkriegsjahre. Wichtige Stilrichtungen während der Zwanzigerjahre waren der Expressionismus, der schon vor dem Ersten Weltkrieg entstanden war, die „Antikunst“ der Dadaisten, der Surrealismus und die wegen ihrer direkten und realistischen Darstellungsart als „Neue Sachlichkeit“ bezeichnete Kunstrichtung. Neue Möglichkeiten für Frauen In der Zwischenkriegszeit gab es wichtige Entwicklungen für die Emanzipation der Frauen: Jahrzehntelang hatten vor allem Frauenorganisationen um das Frauenwahlrecht gekämpft. Während des Krieges arbeiteten Frauen auch in Berufen, die bis dahin als „typisch männDie Zwischenkriegszeit – Umbrüche und Krisen 19 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

RkJQdWJsaXNoZXIy ODE3MDE=