Zeitbilder 7, Schülerbuch

Mädchenbildung gilt als die beste Investition der Welt, weil dadurch die wirtschaftlichen Chancen von Frauen und Mädchen verbessert und die Produktivität und das Wirtschaftswachstum einer Nation gesteigert werden. Das wiederum führt zu neuen Generationen gesünderer und gebildeterer Kinder. Die Politikschwerpunkte in puncto Mädchenbildung konzentrieren sich bislang auf den gleichberechtigten Zugang zu Grundbildung – und das mit großem Erfolg: Weltweit hat der Schulbesuch von Mädchen in den vergangenen 20 Jahren um 80 Prozent zugenommen. (WBB 2016, Kurzfassung, S. 9, 22, 32. Online auf: https://www.dsw.org/ wp-content/uploads/2016/10/SWOP-2016-web-final.pdf, 13. 9. 2017) Gleichstellung der Geschlechter – Stärkung von Frauen „Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen“ ist in der UN-Agenda 2030 als eigenständiges Ziel (Nr. 5) verankert. Frauen sollen z. B. gleiche Rechte auf wirtschaftliche Ressourcen sowie Zugang zu Grundeigentum und Verfügungsgewalt über Grund und Boden erhalten. Ein großer Teil der Arbeit, den Frauen vor allem innerhalb des Hauses bzw. der Familie leisten, fließt nicht in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (BIP) ein, z. B. Erziehung der Kinder, Pflege von kranken Familienangehörigen etc. Diese „Unsichtbarkeit“ trägt zur systematischen Ungleichbehandlung von Frauen bei. Daher ist ein weiteres Ziel, alle wirtschaftlichen Leistungen von Frauen anzuerkennen. Eine besondere Form der wirtschaftlichen Förderung von Frauen entwickelte der Ökonom Muhammed Yunus aus Bangladesch bereits in den 1970er Jahren: Die von ihm (1974) gegründete GRAMEEN- (auf Bengali = Dorf) Bank, die Kleinstkredite „zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung von unten” vergibt, unterstützt zu 95 Prozent Frauen. Die Kredite sollen diesen Frauen den Weg zu einer wirtschaftlichen Besserstellung z. B. als Kleinunternehmerinnen und dadurch auch zu mehr Selbstbestimmung ermöglichen. Fragen und Arbeitsaufträge 1. Arbeite anhand der Literaturstelle und des Autorentextes zur Weltbank und zum MPI die Kriterien heraus, nach welchen Armut definiert werden kann. Vergleiche diese Kriterien und überlege deren Sinnhaftig-keit. 2. Analysiere die Grafik zum Thema „Anzahl unterernährter Menschen nach Weltregion“. 3. Arbeite die wesentlichen Zielstellungen der einschlägigen UNO-Weltkonferenzen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Armutsbekämpfung heraus. 4. Bildet drei Gruppen. Wählt jeweils einen der drei zentralen Bereiche zur Armutsbekämpfung aus. Arbeitet die jeweiligen grundlegenden Einsichten heraus. Teilt diese einander mit und nehmt dazu gemeinsam Stellung. Entscheidung darüber haben, ob, wann und wie oft sie hiervon Gebrauch machen wollen. Darin eingeschlossen ist das Recht von Männern und Frauen, informiert zu werden und Zugang zu sicheren, wirksamen, erschwinglichen und akzeptablen Familienplanungsmethoden ihrer Wahl zu haben. (Internationale Konferenz für Bevölkerungsentwicklung 1994 in Kairo, Aktionsprogramm, Abs. 7.2.; gekürzt. Zit. nach: WBB 2004, S. 46) Der Zugang zu Informationen über Familienplanung ist für arme Frauen beschwerlicher und oft beschämender als für wohlhabende. Darüber hinaus stehen häufig kulturelle Traditionen, Religionen oder auch ein eingeschränktes Selbstbestimmungsrecht der Frauen einer Familienplanung entgegen. Eine neue Sichtweise zeigt der UN-Weltbevölkerungsbericht 2016 (WBB 2016) auf. Er stellt 10-jährige Mädchen in das Zentrum der Darstellungen. Diese Mädchen werden im Jahr 2030 25 Jahre alt sein. Ihr Lebenslauf wird dann der wahre Prüfstein für Erfolg oder Scheitern der UN-Agenda 2030 sein. Zentrale Bereiche darin sind Folgende: QObwohl die sexuelle und reproduktive Gesundheit ein wichtiger Faktor für das Wohlergehen von Mädchen ist, haben viele von ihnen kein sicheres Forum, wo sie Fragen zu diesen Themen stellen können. Denn vielerorts werden solche Themen immer noch als Tabu betrachtet. Kommunale Bildungsprogramme zu lebenspraktischen Fähigkeiten – speziell für Mädchen im Schulalter mit Schwerpunkt auf sexuelle Gesundheit und Beziehungen – sorgen in Entwicklungsländern für eine sinkende Zahl an Teenagerschwangerschaften. Außerdem stärken sie die persönliche Verhandlungsmacht von Mädchen in ihren Beziehungen mit männlichen Sexualpartnern. Programme zur umfassenden Sexualaufklärung sprechen im Allgemeinen Heranwachsende im Alter von zwölf bis 14 Jahren an, doch besteht auch ein großes Potenzial, diese auf zehnjährige Mädchen auszudehnen. (WBB 2016, Kurzfassung, S. 29. Online auf: https://www.dsw.org/ wp-content/uploads/2016/10/SWOP-2016-web-final.pdf, 13. 9. 2017) Bildung der Armen QDie Länder können die Armut nicht beseitigen, wie es das Nachhaltigkeitsziel 1 verlangt, solange ein Mädchen über große Entfernungen Wasser für den Haushaltsbedarf schleppen muss, statt zur Schule zu gehen. (…) Manchmal sehen Eltern wenig Sinn darin, ihre Kinder zur Schule zu schicken, wenn etwa die Bildung von schlechter Qualität ist, keine sanitären Anlagen vorhanden sind (insbesondere für menstruierende Mädchen) oder wenn sie in der Schule oder auf dem Schulweg von Gewalt – einschließlich sexueller Gewalt – bedroht sind. (…) Politische und soziale Welten nach 1945 153 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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