Zeitbilder 7, Schülerbuch

Auf die viel diskutierte Frage, ob Ehe und Familie einer ausklingenden Epoche angehören, lässt sich mit einem klaren JEIN antworten. (Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, 1986, 163 ff.) Statistiken zeigen: Abnahme der Ehe als Grundlage für das Zusammenleben in Familien …: Verheiratete Eltern mit Kindern, das war bis in die Mitte der 1980er Jahre noch das vorherrschende Familienbild. Doch seit jener Zeit verfünffachte sich die Anzahl der Lebensgemeinschaften ohne Trauschein auf 368 000. Von ihnen lebten 156 000 (42 %) mit Kind(ern) zusammen. Der Anteil der Alleinerziehenden an Familien mit Kindern betrug 21 % (300 000). Die Zahl der alleinerziehenden Väter bildet dabei mit 48 000 (3,4 % aller Familien mit Kindern) weiterhin eine relativ kleine Gruppe. (Statistik Austria, Mikrozensus Arbeitskräfteerhebung – MZ-AKE, 2014) … stattdessen: Forderung nach Einführung einer „Ehe für alle“: In den letzten Jahren fordern auch gleichgeschlechtliche Paare nachdrücklich, mit heterosexuellen Paaren in Bezug auf Ehe und Familie rechtlich gleichgestellt zu werden. In Österreich ist dies seit 2010 mit der „eingetragenen Partnerschaft“ zunächst einmal weitgehend der Fall („Regenbogenfamilien“). Im Dezember 2017 gab der Verfassungsgerichtshof allerdings den Weg frei für eine gesetzliche Regelung einer „Ehe für alle“ ab 1. Jänner 2019 mit einer völligen rechtlichen Gleichstellung von homosexuellen mit heterosexuellen Paaren. Kardinal Schönborn kritisierte diese Entscheidung: „Es ist beunruhigend, dass sogar Verfassungsrichter den Blick verloren haben für die besondere Natur der Ehe als Verbindung von Mann und Frau.“ Andererseits wird argumentiert: „Vielen wird etwas gegeben, niemandem wird etwas genommen.“ (Autorentext) Fragen und Arbeitsaufträge 1. Arbeite anhand der ersten drei Quellenstellen (M1) die zentralen Aussagen zu „Familienleitbildern“ aus der Vergangenheit heraus. 2. Erläutere mit Hilfe der Materialien M2 bis M5, welche Veränderungen die Familienformen seit Beginn der 1950er Jahre durchlaufen haben. Gehe auf die unterschiedlichen „Orientierungsmuster“ ein. 3. Arbeite zunächst unter Bezugnahme auf die letzten beiden Quellenstellen mögliche „Familienperspektiven“ heraus. Beziehe dazu auch die Ergebnisse von Aufgabe 1 und 2 mit ein. Verfasse dann anhand der Ergebnisse einen Essay über deine Sichtweise zu dieser Thematik. M4 M5 Die vorliegenden Materialien dienen der Weiterentwicklung der Historischen Orientierungskompetenz. Den Ausgangspunkt bilden grundsätzliche und für unveränderlich gehaltene Aussagen zur Familie, die mit Darstellungen von sich im Laufe der Zeit wandelnden Familienformen kontrastiert werden, um eventuelle Orientierungsmuster für zukünftige Entwicklungen zu erkennen. Vorstellungen davon, was eine Familie sein kann oder sein soll: Die Familie ist Quelle und Ursprung der gesamten menschlichen Gesellschaft. Der ergiebigste Quell des Guten und des Gemeinwohls. (Papst Leo XIII, Rerum novarum, 1891) Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat. (Vereinte Nationen, Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. 12. 1948; Art. 16/3) Der bourgeoise Familienkern ist in unserem Jahrhundert zur endgültigen perfektionierten Form der Nichtbegegnungen geworden. Die Familie wird schwachsinnig. (Cooper, Der Tod der Familie, 1972, S. 7) Die Familiensoziologin Rosemarie Nave-Herz charakterisiert die idealtypische Familienform der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre: Nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er Jahre waren die Kennzeichen von Familie bestimmt durch das Zusammenleben des verheirateten Elternpaares und Kind(ern) und durch eine Aufgabentrennung zwischen den Ehepartnern. D. h., der Ehemann und Vater hatte für die ökonomische Sicherheit zu sorgen, die Ehefrau und Mutter war für den Haushalt und v. a. für die Pflege und Erziehung der Kinder verantwortlich. (Nave-Herz, Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland, 1994, S. 4) Der Soziologe Ulrich Beck charakterisiert den Wandel der Familienformen seit den 1970er Jahren pointiert: Noch in den Sechzigerjahren besaßen Familie, Ehe und Beruf als Bündelung von Lebensplänen weitgehend Verbindlichkeit. Inzwischen sind Wahlmöglichkeiten – und Zwänge aufgebrochen. Es ist nicht mehr klar, ob man heiratet, wann man heiratet, ob man zusammenlebt und nicht heiratet, heiratet und nicht zusammenlebt, ob man das Kind innerhalb oder außerhalb der Familie empfängt oder aufzieht, mit dem, mit dem man zusammenlebt oder mit dem, den man liebt, der aber mit einer anderen zusammenlebt, vor oder nach einer Karriere oder mittendrin (…). M1 M2 M3 2a. Familienbilder 142 Kompetenztraining Historische Orientierungskompetenz Darstellungen der Vergangenheit hinsichtlich angebotener Orientierungsmuster für die Gegenwart und Zukunft befragen Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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