Zeitbilder 7, Schülerbuch

• 1990 erklärten 32 europäische Staaten sowie die USA und Kanada das „Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas“ mit der Unterzeichnung der „Charta für ein neues Europa“ für beendet. Von der Sowjetunion zur GUS und zum Ende der Volksdemokratien • In der im Zweiten Weltkrieg siegreichen Sowjetunion blieb Stalins Diktatur noch bis zu dessen Tod im Jahr 1953 erhalten. Der 20. Parteitag im Jahr 1956 brachte erstmals genauere Informationen über die Verbrechen der Gewaltherrschaft Stalins. • Chruschtschow bemühte sich um Reformen in Partei, Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Nach seinem Sturz wurden die Reformen gestoppt. • Die Planwirtschaft vernachlässigte die Konsumgüterproduktion zugunsten der Militärausgaben. • Ab 1985 versuchte der neue Generalsekretär Gorbatschow, die Wirtschaft zu reformieren (Perestroika) und die Gesellschaft offener zu gestalten (Glasnost). • Versorgungsprobleme führten im Gefolge eines erfolglosen Putsches gegen Gorbatschow im Jahr 1991 zum Zerfall der Sowjetunion. • Die Reformen Gorbatschows ermutigten Menschen in den europäischen Volksdemokratien zum Widerstand gegen die dort herrschenden kommunistischen Regime. Die kommunistische Herrschaft brach nach und nach zusammen. Ein Demokratisierungsprozess setzte in den Ländern des ehemaligen Ostblocks ein (DDR, Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien). • 1991 schlossen sich die ehemaligen sowjetischen Teilrepubliken Russland, Ukraine und Weißrussland zur Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) zusammen. Unmittelbar nach dem Zerfall der UdSSR traten Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan bei, 1993 auch Georgien. Turkmenistan ist seit 2005 nur noch assoziiertes Mitglied. Georgien erklärte 2008 seinen Austritt aus der GUS, 2009 wurde der Austritt rechtswirksam. Die Ukraine verließ die GUS im Jahr 2019. Jugoslawien: Sieben neue Staaten • Im Juni 1991 erklärten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit. Kriegerische Auseinandersetzungen folgten. Auch Mazedonien wurde 1991 unabhängig. • Zwischen 1992 und 1995 wurde in Bosnien-Herzegowina Krieg geführt, durch den „ethnisch weitgehend homogene“ Gebiete geschaffen wurden. Die aus dem Abkommen von Dayton hervorgegangene Republik Bosnien und Herzegowina besteht heute aus der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republik Srpska. • 2006 erklärte sich Montenegro nach einer Volksabstimmung für unabhängig. • 2008 erklärte der Kosovo einseitig seine Unabhängigkeit von Serbien. Diese Unabhängigkeit ist völkerrechtlich noch immer umstritten. Die UNO sorgt durch KFOR-Truppen für Aufbau und Erhaltung eines sicheren Umfelds im Kosovo, einschließlich öffentlicher Sicherheit und Ordnung. • Im Februar 2019 trat der neue Name „Nordmazedonien“ der bisherigen Republik Mazedonien in Kraft. Das Balkan-Land heißt seither offiziell „Republik Nordmazedonien“. Der Kalte Krieg • Nach dem gemeinsamen Sieg über das nationalsozialistische Deutsche Reich entwickelte sich rasch eine scharfe Rivalität zwischen den „Supermächten“ UdSSR und USA (Bipolarität). • Die UdSSR verfolgte in den von ihr besetzten Ländern eine Politik der „Sowjetisierung“ mit der Errichtung von Volksdemokratien. Diese bestanden bis zum Wendejahr 1989. • Die USA unter Präsident Truman versuchten mit Wirtschaftshilfe (Marshallplan) und Militärbündnissen (NATO u. a.) das Vordringen des Kommunismus einzudämmen (Containment-­ Politik). • COMECON und Warschauer Pakt auf sowjetischer Seite verfestigten die Blockbildung. Ständige Auf- und Nachrüstung sollte das (atomare) „Gleichgewicht des Schreckens“ aufrechterhalten. • In der Zeit des Kalten Krieges kam es zu keiner direkten militärischen Konfrontation zwischen den Supermächten. Die militärischen Konflikte um Einflussgebiete wurden als Stellvertreterkriege geführt. Dabei wurde besonders Deutschland zu einem zentralen Austragungsort des Kalten Krieges. • Zwischen 1950 und 1962 kam es im Zuge des Ost-West-Konfliktes zu mehreren großen Krisen: Koreakrieg 1950–1953, Suezkrise 1956, Berlinkrise 1958–1961, Bau der Berliner Mauer 1961, Kubakrise 1962. • Zwischen 1973 und 1975 fand die „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE), eine Folge von mehreren blockübergreifenden Konferenzen europäischer Staaten, statt. Sie endete mit der „Schlussakte von Helsinki“ 1975. Als ihre Nachfolgeeinrichtung wurde 1995 die „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE) gegründet. • Die Ereignisse von 1989 in Europa führten zur Auflösung der Volksdemokratien, zum „Fall der Berliner Mauer“ und zum Zerfall der Sowjetunion. Das bipolare Weltsystem und sein Zusammenbruch Schlagzeilen von Westberliner Zeitungen am 23. Oktober 1962 über die Verhängung der Seeblockade gegen Kuba durch die amerikanische Flotte. Foto, 1962. Basiswissen 106 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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