Zeitbilder 7, Schülerbuch

Zeitbilder 7 Staudinger Ebenhoch Scheucher Scheipl Auch mit E-Book+ erhältlich

Zeitbilder 7, Schülerbuch und E-Book Schulbuchnummer: 190257 Zeitbilder 7, Schülerbuch und E-BOOK+ Schulbuchnummer: 205291 Mit Bescheid des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung vom 16. Oktober 2018, GZ BMB-5.018/0092-IT/3/2017, gemäß § 14 Absatz 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 472/86, und gemäß dem Lehrplan 2017 als für den Unterrichtsgebrauch an allgemein bildenden höheren Schulen für die 7. Klasse im Unterrichtsgegenstand Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung geeignet erklärt. Mit Bescheid des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung vom 20. April 2021, GZ 2020-0.673.836, gemäß § 14 Absatz 2 und 5 des Schulunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 472/86, und gemäß den derzeit geltenden Lehrplänen als für den Unterrichtsgebrauch für die 7. Klasse an allgemein bildenden höheren Schulen – Oberstufe im Unterrichtsgegenstand Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung (Lehrplan 2018) geeignet erklärt. Dieses Werk wurde auf der Grundlage eines zielorientierten Lehrplans verfasst. Konkretisierung, Gewichtung und Umsetzung der Inhalte erfolgen durch die Lehrerinnen und Lehrer. Liebe Schülerin, lieber Schüler, Sie bekommen dieses Schulbuch von der Republik Österreich für Ihre Ausbildung. Bücher helfen nicht nur beim Lernen, sondern sind auch Freunde fürs Leben. Kopierverbot Wir weisen darauf hin, dass das Kopieren zum Schulgebrauch aus diesem Buch verboten ist – § 42 Abs. 6 Urheberrechtsgesetz: „Die Befugnis zur Vervielfältigung zum eigenen Schulgebrauch gilt nicht für Werke, die ihrer Beschaffenheit und Bezeichnung nach zum Schul- oder Unterrichtsgebrauch bestimmt sind.“ Umschlagbild: AFP / picturedesk.com 1. Auflage (Druck 0005) © Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG, Wien 2019 www.oebv.at Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. Bildrechte: © Bildrecht GmbH, Wien 2019 Redaktion: Mag. Gudrun Magele, Maria Rojach; Mag. Brigitte Messner, Wien; Mag. Elisabeth Puntigam-Gröller, Wien Herstellung: MMag. Andrea Maria Fellner, Wien Layout: Jens-Peter Becker, normaldesign GbR, Schwäbisch Gmünd Satz: Da-Tex Gerd Blumenstein, Leipzig Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Horn ISBN 978-3-209-08848-2 (Zeitbilder OS SB 7 + E-Book) ISBN 978-3-209-11045-9 (Zeitbilder OS SB 7 + E-BOOK+) Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Eduard Staudinger Ulrike Ebenhoch Alois Scheucher Josef Scheipl Zeitbilder OS SB 7 Geschichte und Sozialkunde Politische Bildung Vom Ende des Ersten Weltkrieges bis in die Gegenwart www.oebv.at Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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Wie arbeite ich mit diesem Buch? Am Anfang des Schulbuchs findest du Informationen zur Kompetenzorientierung in den Zeitbilder-Bänden. Da die Aufgabenstellungen mit Operatoren formuliert wurden, werden die wichtigsten Operatoren in einer Übersicht präsentiert. Die Zeitbilder-Autorinnen und -Autoren haben sich bezüglich der Bedeutung der Operatoren am Leitfaden des BM:UKK orientiert (vgl.: Die kompetenzorientierte Reifeprüfung aus Geschichte und Sozialkunde/ Politische Bildung. Richtlinien und Beispiele für Themenpool und Prüfungsaufgaben, 2010/2011, S. 14– 18). Alle sechs Großkapitel starten mit Auftaktdoppelseiten. Großformatige Bilder, übersichtliche Zeitleisten sowie Einleitungstexte helfen dir beim Einstieg in das Kapitel. Sie wollen deine Neugier und dein Interesse wecken. Die Kompetenzboxen zeigen auf, welche Teilkompetenzen du mit Hilfe der Kompetenztrainingskapitel besonders intensiv entwickelst und trainierst. Gibt es im Großkapitel Hinweise zu fachspezifischen Methoden und Arbeitstechniken, so werden sie ebenfalls in den Kompetenzboxen genannt. Der Online-Code verweist auf Zeitbilder-Online. Über die Internetseite www.oebv.at findest du Links und vielfältige Materialien zu Themen, die dich vielleicht interessieren könnten, sowie zahlreiche Karten aus dem Schülerband. Jedes Großkapitel umfasst mehrere Einzelthemen. Sie werden in überschaubaren Kapiteln angeboten. Der Darstellungstext ist übersichtlich strukturiert (im Allgemeinen zwei oder vier Seiten). Vielfältige Materialien (Textquellen, Bilder, Karten, Illustrationen) helfen bei der inhaltlichen Auseinandersetzung. Fragen und Arbeitsaufträge regen dich an, die jeweiligen Themen selbstständig zu bearbeiten. In den Kompetenztrainingskapiteln zum Bereich Historische Kompetenzen entwickelst und trainierst du mit Hilfe von verschiedenen Materialien, z. B. Texten, Abbildungen oder Fotografien, die in diesem Schuljahr besonders wichtigen Historischen Teilkompetenzen. In einigen dieser Kapitel findest du auch Informationen zu fachspezifischen Methoden und Arbeitstechniken und lernst z. B. politische Reden zu analysieren. In den Kompetenztrainingskapiteln zum Bereich Politische Kompetenzen entwickelst und trainierst du mit Hilfe von verschiedenen Materialien, z. B. Texten, Abbildungen oder Fotografien, die in diesem Schuljahr besonders wichtigen Politischen Teilkompetenzen. In einigen dieser Kapitel findest du auch Informationen zu Methoden und Arbeitstechniken und lernst z.B. Wahlplakate zu beschreiben, zu untersuchen und zu interpretieren oder politische Reden zu untersuchen. Du findest auch noch zusätzliche Kapitel zur Politischen Bildung, mit deren Hilfe du dein Sachwissen und deine Politischen Kompetenzen weiterentwickeln kannst. Das Basiswissen fasst am Ende jedes Großkapitels die wichtigsten Inhalte zusammen. Grundbegriffe erleichtern das Erlernen von Fachvokabular zu Geschichte und Politik. Ein Längsschnitt behandelt die Jugend in Österreich, ein zweiter die Entwicklung der Menschenrechte. Die Semester-Checks ermöglichen es dir, rasch festzustellen, welche Teilkompetenzen du im Laufe des Jahres/Semesters besonders intensiv trainiert hast und wo du die entsprechenden Kompetenztrainingskapitel findest. Außerdem erhältst du einen Überblick über die wichtigsten im Kapitel behandelten Themenbereiche. 3 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Inhaltsverzeichnis Kompetenzorientierung in den Zeitbilder-Bänden 7 Die Zwischenkriegszeit – Umbrüche und Krisen 8 1. Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg 10 2. Vom zaristischen Russland zur Sowjetunion 14 3. Kompetenztraining Politikbezogene Methodenkompetenz: „Wenn Fotos lügen …“ 16 4. „Goldene“ Zwanzigerjahre? 18 5. Die USA – die neue Weltmacht 22 6. Die Weltwirtschaftskrise und ihre Auswirkungen 24 7. Diktatorische Systeme in Europa 26 7.1 Faschismus in Italien 26 7.2 Der Spanische Bürgerkrieg 27 7.3 Stalinismus – Gewaltherrschaft in der Sowjetunion 28 8. Kompetenztraining Historische Sachkompetenz Begriffe und Konzepte: „Faschismus“ und „Totalitarismus“ 30 Basiswissen Die Zwischenkriegszeit – Umbrüche und Krisen 34 Österreich I – die Erste Republik 36 1. „Rest-Trauma“ und Kampf ums Staatsgebiet 38 2. Parteien – Verfassung – Sozialgesetzgebung – Wirtschaftskrisen 40 3. Kompetenztraining Politische Urteilskompetenz: Wahlplakate spiegeln Interessen und Ideologien 42 4. Die Radikalisierung der Innenpolitik 44 5. Kompetenztraining Historische Methodenkompetenz: Im Fokus: Justizpalastbrand 1927 46 6. Das Ende der Demokratie 48 7. Austrofaschistischer Ständestaat und sieben Jahre NS-Herrschaft 50 Basiswissen Österreich I – die Erste Republik 52 Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg 54 1. Die Nationalsozialisten errichten eine Diktatur 56 2. Nationalsozialistische Weltanschauung 58 3. Die Gesellschaft unter dem Hakenkreuz 60 4. Kompetenztraining Historische Methodenkompetenz: Politische Reden im Nationalsozialismus: Beispiel „Sportpalastrede“ 62 5. NS-Ideologie im Spielfilm: „Napola – Elite für den Führer“ 64 6. Vorstufen des Zweiten Weltkrieges 66 6.1 Die Expansionspolitik Japans 66 6.2 Die Expansionspolitik Italiens 66 6.3 Die aggressive Außenpolitik des Deutschen Reiches 66 Kompetenzmodul 5 5. Semester 4 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

7. Der Zweite Weltkrieg 68 8. Vom Antisemitismus zum Holocaust/zur Shoa 72 9. Kompetenztraining Politische Urteilskompetenz: Antisemitische Vorausurteile und Vorurteile 76 10. Freiheits- und Widerstandsbewegungen 78 11. Kompetenztraining Historische Methodenkompetenz: Über Täter und Opfer der NS-Herrschaft 82 12. Kompetenztraining Historische Fragekompetenz: Erinnerungskulturen im Umgang mit der NS-Herrschaft und dem Holocaust 84 Basiswissen Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg 86 Das bipolare Weltsystem und sein Zusammenbruch 88 1. Der Beginn des Kalten Krieges 90 2. Verfestigung, Lockerung und Auflösung der Blöcke 92 3. Kriege und Krisen im Zeitalter des Ost-West-Konflikts 94 4. Von der Sowjetunion zur GUS 96 5. Von der Volksdemokratie zu „Wir sind das Volk“ 98 6. Jugoslawien: Sieben neue Staaten 100 7. Kompetenztraining Politische Urteilskompetenz: Der Kalte Krieg 102 8. Kompetenztraining Politikbezogene Methodenkompetenz: Erinnerungen, Erzählungen und politische Diskussionen 104 Basiswissen Das bipolare Weltsystem und sein Zusammenbruch 106 Politische Bildung Zivilcourage: Sich einmischen statt wegschauen! 108 Politische Bildung Internationale Sicherheitspolitik im Wandel 110 Entkolonialisierung und Nord-Süd-Konflikt 112 1. Das Ende kolonialer Herrschaft 114 1.1 Unabhängigkeitsbewegungen in Asien 114 1.2 Fallbeispiel Vietnam 116 1.3 Südostasien: Die Fallbeispiele Indonesien und Ost-Timor/Timor-Leste 118 1.4 Afrika – späte Unabhängigkeiten 120 1.5 Afrika – politische Unabhängigkeit allein genügt nicht 122 2. Der Nord-Süd-Konflikt 124 2.1 „Dritte“, „Vierte“, „Fünfte“ Welt – unscharfe Begriffe 124 2.2 Ernüchternde Entwicklungspolitik 125 2.3 Die Industrieländer denken nur an sich 126 2.4 Der ungleiche Tausch – die „Terms of Trade“ in den 1980er Jahren 126 2.5 Welten der Ungleichheit 127 Kompetenzmodul 6 6. Semester 5 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

3. Kompetenztraining Politische Handlungskompetenz: Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Afrika 128 4. Kritischer Vergleich von Geschichtsschulbuchdarstellungen zum Thema „Die Entkolonialisierung Afrikas“ 130 5. Kompetenztraining Historische Sachkompetenz: Das Ende kolonialer Herrschaft in Asien und Afrika 134 Basiswissen Entkolonialisierung und Nord-Süd-Konflikt 136 Politische und soziale Welten nach 1945 138 1. Frauenemanzipation und Gleichstellungspolitik in Österreich 140 2a. Kompetenztraining Historische Orientierungskompetenz: Familienbilder 142 2b. Kompetenztraining Historische Orientierungskompetenz: Feminismus 143 3. Die Umweltbewegungen 144 4. Globalisierung und Gesellschaft 146 5. Die Bevölkerung in der globalisierten Welt 150 6. Politik gegen weltweite Armut – die UN-Agenda 2030 152 7. Kompetenztraining Politische Handlungskompetenz: Armutsbekämpfung im reichen Österreich 154 8. Migration und Integration: Das Beispiel Österreich 156 Längsschnitt Jugend in Österreich 160 9. Kompetenztraining Historische Methodenkompetenz: Jugend 164 10. Politik in Theorie und Alltag 166 11. Ohne Menschenrechte keine Demokratie 168 Längsschnitt Die Menschenrechte und ihre Entwicklung 170 Basiswissen Politische und soziale Welten nach 1945 174 Politische Bildung Die Sorge der Generationen füreinander – der „Generationenvertrag“ 176 Politische Bildung Datenschutz im Netz 178 Semester-Check: Kompetenzen trainieren (Kompetenzmodul 5) 180 Semester-Check: Kompetenzen trainieren (Kompetenzmodul 6) 182 Quellen- und Literaturverzeichnis 184 Bildnachweis 190 6 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Kompetenzorientierung in den Zeitbilder-Bänden Die Zeitbilder-Bände unterstützen Schülerinnen und Schüler darin, Wissen und Kompetenzen im Fach Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung zu erwerben. In Zeitbilder 7 finden sie 16 meist als Doppelseiten konzipierte Kapitel zum Trainieren und Erweitern der im Lehrplan vorgegebenen historischen und politischen Teilkompetenzen. Diese stehen immer wieder auch in Verbindung mit Hinweisen und Anleitungen zur Methodenschulung. Außerdem werden vier Kapitel zur allgemeinen Vertiefung der Politischen Bildung angeboten. Die Aufgabenstellungen im Schulbuch wurden mit so genannten Operatoren formuliert. Das sind Verben, die zu bestimmten Handlungen auffordern, wie beispielsweise beschreiben, analysieren oder interpretieren. Die Operatoren lassen sich bestimmten Anforderungsbereichen zuordnen. Beschreiben gehört in den Anforderungsbereich I, hier steht die Wiedergabe von Sachverhalten im Mittelpunkt. Analysieren lässt sich dem Anforderungsbereich II zuordnen. Schülerinnen und Schüler sollen Inhalte selbstständig erklären, bearbeiten und auf unbekannte Zusammenhänge anwenden. Interpretieren gehört in den Anforderungsbereich III; Schülerinnen und Schüler sollen in der Lage sein, zu selbstständigen Begründungen und Bewertungen zu gelangen. Das Zeitbilder-Team hat sich bezüglich der Bedeutung der Operatoren am Leitfaden des BM:UKK orientiert (vgl.: Die kompetenzorientierte Reifeprüfung aus Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung. Richtlinien und Beispiele für Themenpool und Prüfungsaufgaben, 2010/2011, S. 14–18): Operatoren des Anforderungsbereiches I Operator Bedeutung des Operators Beispiel aus Zeitbilder 7 herausarbeiten Zusammenhänge aus dem zur Verfügung gestellten Material erkennen und wiedergeben Arbeite heraus, was Lenin unter der „Diktatur des Proletariats“ verstand. beschreiben Wichtige Sachverhalte aus (Vor-)Wissen oder aus dem zur Verfügung gestellten Material systematisch und logisch wiedergeben Beschreibe, wie das Foto M3 manipuliert ist. zusammenfassen Sachverhalte auf das Wesentliche reduzieren und geordnet darlegen Fasse auf der Basis von M4 Hannah Arendts Totalitarismus-Theorie und das Totalitarismuskonzept nach Friedrich und Brzezinski zusammen. Auch: (be)nennen, ermitteln, feststellen, skizzieren, schildern, aufzeigen, auflisten, lokalisieren, definieren, wiedergeben Operatoren des Anforderungsbereiches II Operator Bedeutung des Operators Beispiel aus Zeitbilder 7 analysieren Sachverhalte oder Materialien systematisch untersuchen und auswerten Analysiere das Schema M3 in Hinblick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Systeme. erklären Sachverhalte und Materialien durch eigenes Wissen in einen Zusammenhang einordnen und begründen Erkläre in knapper Form die politische und wirtschaftliche Situation des neu entstandenen österreichischen Kleinstaates. vergleichen Sachverhalte oder Materialien gegenüberstellen, um so Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten Vergleiche die Wahlplakate der Ersten Republik mit Wahlplakaten der letzten bzw. der kommenden Nationalratswahlen. Auch: erläutern, auswerten, einordnen/zuordnen, untersuchen, begründen, charakterisieren Operatoren des Anforderungsbereiches III Operator Bedeutung des Operators Beispiel aus Zeitbilder 7 rekonstruieren/ erzählen/ darstellen Die Vergangenheit in einer selbstständigen Erzählung kritisch darstellen mit Hilfe von Quellen, Darstellungen und eigenem Wissen Rekonstruiere mit Hilfe der Geschichtskarte den Verlauf des Zweiten Weltkrieges bis zur deutschen Kapitulation am 9. Mai 1945. beurteilen Den Stellenwert von Aussagen, Behauptungen und Urteilen bestimmen, um so zu einem begründeten Urteil zu gelangen Beurteile die Karikatur daraufhin, was die UNO (strenge Lehrerin) im Blick hat und worauf sie nicht achtet. interpretieren Aus Material Sinnzusammenhänge methodisch herausarbeiten und begründet Stellung nehmen Interpretiere die Aussage des Motivs auf einem T-Shirt der österreichischen NGO ZARA. Auch: bewerten, erörtern, dekonstruieren, darstellen, Stellung nehmen, diskutieren, überprüfen, gestalten, verfassen 7 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Der Erste Weltkrieg erschütterte Europa in seinen Grundfesten. Er hinterließ eine „zerbrochene“ Welt. Die Besiegten waren enttäuscht und verbittert über die Friedensschlüsse. Dies bestimmte das politische, geistige und soziale Klima der Zwischenkriegszeit. Inflation, Arbeitslosigkeit und politische Instabilität führten in vielen Staaten zur Errichtung von vorwiegend rechtsgerichteten Diktaturen. Ein erster Rückschlag für die Demokratie in Europa war die Machtergreifung Mussolinis in Italien. Auch in Spanien gelangten die Faschisten unter Franco nach mehrjährigem Bürgerkrieg an die Macht. In Russland machte Stalin die neu errichtete Sowjetunion zu einer kommunistischen Diktatur. Die Massenarbeitslosigkeit infolge der Weltwirtschaftskrise gab extremistischen Gruppierungen weiteren Auftrieb. Im Deutschen Reich konnten die Nationalsozialisten die triste wirtschaftliche Lage für ihren Machtaufstieg nutzen. Den USA gelang der Aufstieg zur führenden Weltmacht. Der „American Way of Life“ beeinflusste das Leben in den europäischen Großstädten. 1924 Tod Lenins, Stalin wird Nachfolger 1922 Gründung der „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ (UdSSR); Mussolinis „Marsch auf Rom“ 1919 Vertrag von Versailles/ Vertrag von SaintGermain; Völkerbund 1918 – 1922 Bürgerkrieg in Russland zwischen „Roten“ und „Weißen“ 1917 Februar- und Oktoberrevolution in Russland Die Zwischenkriegszeit – Umbrüche und Krisen 8 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

In diesem Kapitel trainiert und erweitert ihr vor allem folgende Kompetenzen: Politikbezogene Methodenkompetenz • Medial vermittelte Informationen kritisch hinterfragen Historische Sachkompetenz • Unterschiedliche Verwendung von Begriffen/Konzepten in Alltags- und Fachsprache erkennen sowie deren Herkunft und Bedeutungswandel beachten 1936 – 1939 Spanischer Bürgerkrieg, Sieg der Faschisten unter Franco Ab 1934 Sowjetunion: Schauprozesse, stalinistische „Säuberungen“, Deportationen, Ermordungen 1933 Roosevelt wird amerikanischer Präsident, neue Wirtschaftspolitik „New Deal“ 1929 Börsensturz, die Weltwirtschaftskrise beginnt 1924/25 Zerschlagung des parlamentarischen Systems in Italien, Mussolini diktatorischer Regierungschef George Grosz (1893–1959), „Drinnen und Draußen“. Gemälde, Öl auf Leinwand, 1926. Online-Ergänzungen f8yv36 9 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

1. Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg Der Erste Weltkrieg veränderte die politische Landkarte Europa. Vergleiche Europas Staatenwelt vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Benenne, welche Staaten neu entstanden sind. Am 11. November 1918 unterzeichneten deutsche Politiker und Offiziere den Waffenstillstandsvertrag. Damit war der Erste Weltkrieg beendet. Zwei Tage zuvor war in Berlin die Republik ausgerufen worden. In Wien verzichtete Kaiser Karl auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften, auch Österreich wurde Republik. Die Verluste, die der Erste Weltkrieg verursachte, waren hoch: 10 Millionen Soldaten wurden getötet, über 20 Millionen verwundet. Enorm waren auch die Opfer unter der Zivilbevölkerung. Sachwerte waren in katastrophalem Ausmaß zerstört worden. Wilsons 14 Punkte Zu Beginn des Jahres 1918 legte Woodrow Wilson, der Präsident der USA, ein „14-Punkte-Programm“ vor. Es sollte als Grundlage für den künftigen Frieden dienen, einem „Frieden ohne Sieger“. Der Plan sah keine Kriegsentschädigungen vor. Zentrale Forderungen waren: –– das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“, ––die Gründung einer internationalen Friedensorganisation („Völkerbund“), ––öffentliche Friedensverträge und Abschaffung der Geheimdiplomatie, –– Freiheit der Schifffahrt auf den Meeren, –– Neuordnung der Kolonialfragen, –– Rüstungsbeschränkungen. Vor allem die neuen demokratischen Regierungen Österreichs und des Deutschen Reiches hofften auf die 14 Punkte Wilsons. Besonders die Umsetzung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker sollte zur Richtlinie für die Neugestaltung Europas werden. Die Friedensregelung Im Jänner 1919 eröffneten die Siegerstaaten die Friedenskonferenz von Paris. Die Vertreter der Mittelmächte blieben von den monatelangen Verhandlungen ausgeschlossen. Alle Fragen wurden von den Siegerstaaten Frankreich, Großbritannien, Italien und USA allein entschieden. Sie hatten neben gemeinsamen auch völlig unterschiedliche Vorstellungen von der Friedensregelung. Das Hauptanliegen des amerikanischen Präsidenten Wilson war die Schaffung des Völkerbundes. Das von Wilson vorgeschlagene „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ wurde vielfach nicht umgesetzt. Frankreich setzte die wirtschaftliche Schwächung und Entmilitarisierung des Deutschen Reiches sowie Entschädigungszahlungen („Reparationen“) für die Kriegsschäden durch. Großbritannien versuchte, die französische Haltung zu mildern und Volksabstimmungen dort durchzusetzen, wo Gebietsabtretungen vorgesehen waren. Italien trachtete danach, Gebiete von Österreich und Jugoslawien zu gewinnen. Die wichtigsten Bestimmungen der Friedensverträge waren folgende: 10 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Der Völkerbund 1920 nahm der Völkerbund seine Tätigkeit auf. Damit wurde erstmals in der Geschichte eine globale Friedensordnung umgesetzt. Der amerikanische Präsident Wilson erwartete sich davon einen dauerhaften Frieden („Make the world safe for democracy“) und die Entstehung bzw. Stärkung von Demokratien weltweit. In den Satzungen hieß es u.a. (zusammengefasst): Art. 8: Nationale Abrüstung bis zu einem Minimum, das mit der nationalen Sicherheit (…) vereinbar ist. (…) Art. 10: Gegenseitige Anerkennung der territorialen Integrität [Unversehrtheit der Grenzen, Anm. d. A.] und der politischen Unabhängigkeit der Mitglieder. (…) Art. 12: Ein Streit zwischen Mitgliedern, der den Frieden gefährdet, ist einem Schiedsgericht vorzulegen. Art. 13: Die Mitglieder haben die (…) Entscheidungen (…) anzuerkennen. (…) Art. 16: Ein Mitglied, das Krieg beginnt, befindet sich im Krieg mit allen Mitgliedern des Völkerbundes. Diese brechen sogleich alle Handels- und Finanzbeziehungen mit ihm ab. (…) Art. 23: Weitere Aufgaben: (…) Sorge für gute Arbeitsbedingungen, Überwachung des Rauschgift- und Waffenhandels, Garantie des freien Handels, Maßnahmen gegen Krankheiten. (…) Art. 25: Das Rote Kreuz und ähnliche Organisationen sind zu unterstützen. (Nach: Die Pariser Völkerbundakte vom 14. Februar 1919 Art. 8, 10, 12, 13, 16, 23, 25) Erörtere, inwiefern sich mit solchen Bestimmungen kriegerische Konflikte vermeiden lassen könnten. Große Erfolge bei der weltweiten Friedenssicherung und Abrüstung konnte der Völkerbund nicht erzielen, jedoch wirkte er bei der Betreuung von Flüchtlingen, der Bekämpfung des Hungers und der Lösung einiger lokaler Konflikte in den 1920er Jahren mit. Ein Grund für die Schwäche des Völkerbunds lag darin, dass wichtige Nationen nicht oder nur zeitweise Mitglieder waren. Die USA traten dem Völkerbund gar nicht bei. Der Senat lehnte nämlich eine Mitgliedschaft wegen der neuen isolationistisch ausgerichteten Außenpolitik ab. Erst spät oder nur zeitweilig Mitglied waren das Deutsche Reich (1926 – 1933), die Sowjetunion(1934 – 1939) und Italien (bis 1937). Letztlich blieb der Völkerbund gegen die aggressiven Diktaturen im Deutschen Reich, in Japan und in Italien machtlos. Endgültig scheiterte er mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. 1946 wurde er offiziell aufgelöst. Schon 1945 waren die „Vereinten Nationen“ (UN) gegründet worden. Vertrag von Versailles mit dem Deutschen Reich: –– Abtretung von Elsass-Lothringen an Frankreich sowie von Posen, Westpreußen und Oberschlesien an Polen –– Entmilitarisierung des Rheinlandes –– Völkerbundverwaltung im Saarland ––Abtretung der Kolonien an den Völkerbund zur Verwaltung –– Abrüstung auf ein Berufsheer von 100000 Soldaten ––Wiedergutmachung der Kriegsschäden (Reparationen) Vertrag von Saint-Germain mit Österreich: –– Anerkennung der „Nachfolgestaaten“ –– Abtretung deutschsprachiger Gebiete im Sudetenland sowie in Böhmen und Mähren, Südtirols, von Teilen der Untersteiermark, des Mießtals, des Seelands und des Kanaltals –– Verbot des Anschlusses an das Deutsche Reich –– Abrüstung auf ein Berufsheer von 30000 Soldaten Vertrag von Trianon mit Ungarn: –– Abtretung von fast 70 Prozent des Königreichs Ungarn an die Nachbar- und Nachfolgestaaten (siehe Karte) Vertrag von Sèvres mit der Türkei (trat nicht in Kraft): –– Verlust aller arabischen Gebiete –– Abtretung der ägäischen Inseln an Griechenland Vergleiche die hier genannten Bestimmungen der Friedensverträge mit den hier angeführten Vorstellungen von Präsident Wilson. Erkläre, an welchen Bestimmungen des Versailler Vertrages die französischen Interessen erkennbar sind. Nimm Stellung dazu, welche Punkte das Deutsche Reich und Österreich vermutlich als besondere Härten empfanden. Erkläre, warum die Verlierer die Regelungen auch als „Diktatfrieden“ bezeichneten. Reaktion auf die Friedensverträge In Österreich und im Deutschen Reich lösten die Bestimmungen der Verträge Verbitterung und anhaltende Proteste aus. Die hohen Reparationszahlungen und die Tatsache, dass dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die alleinige Schuld am Ausbruch des Krieges gegeben wurde, wurden entschieden abgelehnt. Die Revision ( = Zurücknahme) der harten Bedingungen des Versailler Vertrages war im Deutschen Reich eine wesentliche politische Forderung. Adolf Hitler erhob die Revision des „Schanddiktates“, wie er den Versailler Vertrag nannte, zu einem seiner wichtigsten Programmpunkte. Der amerikanische Politiker John Foster Dulles, der den Paragraphen der Alleinschuld des Deutschen Reiches entworfen hatte, meinte später: QEs war in allererster Linie die heftige Reaktion des deutschen Volkes auf diesen Artikel des Vertrages, die den Grundstein für Hitler-Deutschland gelegt hat (…). (Zit. nach: Craig, Geschichte Europas 1815–1980, 1996, S. 96) Die Zwischenkriegszeit – Umbrüche und Krisen 11 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

und beschwört damit Konflikte herauf, welche die Region noch hundert Jahre später plagen werden. (Zand, Hundert Jahre Krieg, 27. 1. 2014. Online auf: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-124 719 307.html, 19. 9. 2017) 1917 erklärte der britische Außenminister Balfour, dass seine Regierung die „Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ begrüße. Noch war nicht von einem jüdischen Staat die Rede, aber von da an wurde das arabisch-jüdische Zusammenleben zu einer bedeutenden politischen Frage. Im Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reiches lebten Minderheiten, deren Hoffnungen auf einen eigenen Staat sich 1918 nicht erfüllten. Dies galt für die Kurden und für die Armenier. An den Armeniern wurde während des Krieges ein Genozid verübt. Die britische Historikerin Margaret MacMillan antwortete 2015 auf die Frage: „Welches waren die größten Fehler der vier (Siegermächte), aus denen wir heute mit Blick auf Konflikte wie mit Russland oder im Nahen Osten lernen sollten?“ L Sie haben nicht alle Beteiligten an den Tisch geholt, haben die Verträge ohne die Deutschen gemacht und ohne die Russen. Sie hätten mehr tun müssen, um alle zu versammeln. Und sie hätten stärker auf die betroffenen Bevölkerungen hören müssen – insbesondere im Nahen Osten, wo die Siegermächte Grenzen ohne Rücksicht auf die Einheimischen zogen. Die Spätfolgen dieser Politik sind dort bis heute zu besichtigen. (MacMillan, Den Versailler Vertrag trifft keine Schuld. Online auf: http://www.zeit.de/2015/46/margaretmacmillan-versailler-vertrag-woodrow-wilson/komplettansicht, 19. 9. 2017) Neue politische Entwicklungen in Europa Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden neue internationale Machtverhältnisse. Europa verlor seine Vormachtstellung. Die USA stiegen zur führenden Industrienation und zum größten Kreditgeber der Welt auf. Das Deutsche Reich und die Sowjetunion waren nach Kriegsende international isoliert: das Deutsche Reich als Kriegsverlierer, die Sowjetunion wegen der kommunistischen Machtübernahme. Dies führte trotz aller ideologischer Gegensätze zu einer Annäherung der beiden Staaten. 1922 schlossen sie im italienischen Rapallo einen Handelsvertrag ab, der wenige Jahre später zu einem Freundschaftsvertrag erweitert wurde. Eine wesentliche Rolle spielte dabei das gemeinsame Interesse an der Zerschlagung Polens. Frankreich reagierte auf die deutsch-sowjetische Annäherung mit einem Bündnis mit der Tschechoslowakei und Rumänien („Kleine Entente“), um seine Stellung in Europa zu festigen. Folgen im Nahen Osten Der Zerfall des Osmanischen Reiches führte zu großen Veränderungen im Nahen Osten. 1916 schlossen Großbritannien und Frankreich ein geheimes Abkommen („Sykes-Picot-Abkommen“). Darin einigten sie sich darauf, wie sie das Osmanische Reich nach dem Sieg aufteilen wollten. Die Grenzziehung erfolgte dabei willkürlich, mit „Lineal und Zirkel“. Dies geschah, obwohl Großbritannien den Arabern, die bei der Neuordnung des Nahen Ostens auf das nationale Selbstbestimmungsrecht pochten, die Unabhängigkeit versprochen hatte. Gemäß dem Sykes-Picot-Abkommen erhielt Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg vom Völkerbund ein Mandat (= das Recht auf Verwaltung) für das Gebiet, in dem heute Syrien und der Libanon liegen. Den Briten wurden der Irak, Jordanien und Palästina zugesprochen. Der Journalist Bernhard Zand beschreibt das SykesPicot-Abkommen und seine Folgen so: L Am Anfang der hundert Jahre Krieg im Nahen Osten aber steht der mutwillige Beschluss zweier europäischer Kolonialmächte, diesen Teil der Welt nach ihren Bedürfnissen zu ordnen und buchstäblich eine Linie in den Wüstensand zu ziehen. (…) Das Sykes-Picot-Abkommen ist ein ungeniert imperialistisches Dokument. Es nimmt keine Rücksicht auf die Wünsche der betroffenen Bevölkerung, setzt sich willkürlich über die ethnischen und konfessionellen Grenzen der arabischen und kurdischen Welt hinweg Naher Osten 1916 und heute. Bis 1948 entstanden im Nahen Osten neue Staaten. Sie gehen auf die Aufteilung in ein französisches und ein britisches Mandatsgebiet zurück. 12 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Daneben gelang es den deutschen Regierungen, die Summe der Reparationen durch Verhandlungen bis zu einer Schlusszahlung von 3 Milliarden Goldmark im Jahr 1932 zu senken. Großbritannien – Risse im Empire Großbritanniens Stellung als Großmacht blieb nach 1918 erhalten. Es gab aber wirtschaftliche Probleme. Die hohe Arbeitslosigkeit führte zu großen Streikbewegungen und Hungermärschen aus den Industriezentren nach London. Trotzdem fanden politische Extremisten keinen besonderen Rückhalt in der Gesellschaft, die Demokratie geriet nie ernsthaft in Gefahr. Die Labour Party stellte 1924 erstmals den Premierminister. In Irland traten die Abgeordneten der irischen Nationalbewegung „Sinn Fein“ im Dezember 1918 zu einem eigenen Parlament in Dublin zusammen und bildeten eine Regierung. Es folgte ein Krieg zwischen den irischen Nationalisten und englischen Truppen. 1921 erlangte der katholische Süden Irlands seine Unabhängigkeit und wurde Republik. Der mehrheitlich protestantische Norden (die Provinz Ulster) verblieb jedoch bei Großbritannien. Veränderungen vollzogen sich aber auch im Empire. 1926 wurde eine britische Nationengemeinschaft, der „British Commonwealth of Nations“, gegründet. Seine Mitglieder waren souveräne Staaten mit eigener Regierung und Außenpolitik sowie mit einem eigenen Parlament. Sie anerkannten jedoch die britische Königin oder den britischen König als gemeinsames Oberhaupt. Die besonderen Krisenherde des Empire lagen in Ägypten und Indien, wo unter dem Einfluss Mahatma Ghandis der nationale Widerstand wuchs. Fragen und Arbeitsaufträge 1. Nenne je zwei territoriale, politische und wirtschaftliche Folgen des Ersten Weltkrieges. 2. Erstellt in Kleingruppen eine Zusammenfassung zum Thema: „Die wichtigsten Bestimmungen der Friedensverträge von Versailles und Saint-Germain und das 14-Punkte-Programm von Präsident Wilson“. 3. Erkläre, warum der Vertrag von Versailles bei vielen Menschen im Deutschen Reich auf große Ablehnung stieß. 4. Erläutere die Bedeutung von Inflation und Reparationen für die Weimarer Republik. 5. Vergleiche die beiden Karten auf S. 12: Beschreibe, welche neuen Staaten aus den ehemaligen französischen und britischen Mandatsgebieten entstanden. 6. Erkläre, auch mit Hilfe der Textquellen, welche politischen Entscheidungen die Siegermächte während und nach dem Ersten Weltkrieg im Nahen Osten getroffen haben. 7. Zähle auf, welche Konflikte und Krisen es gegenwärtig in Ländern des Nahen Ostens gibt. Untersuche, ob die Ursachen dafür (auch) mit den damaligen politischen Entscheidungen zu tun haben könnten. Inflation, Reparationen und politische Unruhen Einige Länder Europas litten von 1918 bis 1923 unter einer sehr hohen Inflation. Zur Finanzierung des Staatshaushaltes wurde besonders in Österreich und im Deutschen Reich immer mehr Geld gedruckt. Dieses verlor rasend schnell an Wert („Hyperinflation“). Dazu kam in diesen Jahren eine hohe Arbeitslosigkeit. Besonders viele heimkehrende Soldaten waren davon betroffen. Die wirtschaftliche Krise führte im Deutschen Reich, wo 1918 eine Republik ausgerufen worden war (nach dem Tagungsort der Nationalversammlung „Weimarer Republik“ genannt), zur Radikalisierung in der Politik. Vor allem extremistische rechte Gruppen verübten Staatsstreiche und politische Morde – auch an Regierungsmitgliedern. Eine große innenpolitische Belastung für die Weimarer Republik stellten die hohen Reparationszahlungen dar, zu denen das Deutsche Reich laut Versailler Vertrag verpflichtet wurde. Als es 1923mit seinen Reparationen in Verzug geriet, besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. In dem Monate dauernden „Ruhrkampf“ wurden Gewalttaten auf deutscher und französischer Seite verübt. Eine vorläufige Aussöhnung zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich brachte erst 1925 der „Locarno-­ Pakt“: Das Deutsche Reich gab seine Ansprüche auf Elsass-Lothringen auf, Frankreich räumte das Ruhrgebiet. Inflation 1923: An der Theaterkasse des Schlossparktheaters in Berlin-Steglitz sind die Preise in Form von Naturalien angeschrieben. Foto, spätere Kolorierung, 1923. Die Zwischenkriegszeit – Umbrüche und Krisen 13 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Großbürgern gebildete „Provisorische Regierung“ die Staatsgeschäfte. Zar Nikolaus II. musste abdanken. Jetzt tauchten auch die verbotenen Petersburger Arbeiterräte (russ. Sowjets = Räte) aus dem Untergrund auf. Sie setzten sich aus Menschewiki, Bolschewiki und Sozialrevolutionären zusammen. Lenin und etwa 30 Revolutionäre wurden im April 1917 mit deutscher Hilfe aus ihrem Exil in der Schweiz nach Petersburg gebracht. Die deutsche Regierung erhoffte sich nämlich von Lenins Rückkehr den Sturz der bürgerlichen Regierung und die von ihm angekündigte sofortige Beendigung des Krieges. Lenin beabsichtigte, die parlamentarische Republik durch eine Republik der Sowjets zu ersetzen. Die neue Gesellschaftsordnung wollte er mit der „Diktatur des Proletariats“ durchsetzen. Lenin schrieb: QDer Übergang von der kapitalistischen zur kommunistischen Gesellschaft ist unmöglich ohne „politische Übergangsperiode“, und der Staat dieser Periode kann nur die revolutionäre Diktatur des Proletariats sein. Zugleich mit der gewaltigen Erweiterung des Demokratismus (…) bringt die Diktatur des Proletariats eine Reihe von Freiheitsbeschränkungen für die Unterdrücker, die Ausbeuter, die Kapitalisten. Diese müssen wir niederhalten, ihr Widerstand muss mit Gewalt gebrochen werden (…). (Lenin, Staat und Revolution, Kap. V. In: Lenin, Werke, Bd. 25, 1988, S. 393) Arbeite heraus, was Lenin unter der „Diktatur des Proletariats“ verstand. Beurteile die Mittel, die Lenin zur Errichtung dieser Diktatur für notwendig hält. Die Oktoberrevolution Die Bolschewiki drängten auf ein sofortiges Ende des Krieges. Die „Provisorische Regierung“ aber setzte ihn fort. Dies endete in einem militärischen Debakel, auch die katastrophale Versorgungslage verbesserte sich nicht. Innerhalb des Petersburger Sowjet wurden die Bolschewiki immer stärker und stellten mit Leo Trotzki den Vorsitzenden. Auch im Revolutionären Militärkomitee erlangten die Bolschewiken die Mehrheit. Am 25. Oktober 1917 (nach dem Gregorianischen Kalender der 7. November) besetzten die von Trotzki geführten Petersburger Truppen zusammen mit den Roten Garden (= bewaffnete Arbeiterverbände) die strategisch wichtigsten Punkte der Stadt. Sie stürmten ohne nennenswerten Widerstand das Winterpalais, den Sitz der Regierung. Diese wurde entmachtet. Nach diesem Staatsstreich bildete Lenin eine neue Regierung. In den so genannten „Umsturzdekreten“ verkündete er: sofortiger Austritt Russlands aus dem Krieg, Enteignung aller Gutsbesitzer und Verteilung des Landes an die Bauern, Enteignung der Fabriksbesitzer, Verstaatlichung von Industrie, Handel und Banken, Trennung von Kirche und Staat, Gleichberechtigung der Frauen und die Einführung der Schulpflicht. Das Zarenreich – ein rückständiger Staat Die Oktoberrevolution von 1917 und die Errichtung der Sowjetunion beeinflusste die Geschichte des 20. Jh. wesentlich. Die Ursachen dafür waren die seit dem 19. Jh. ungelösten wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme. An der Spitze des russischen Reiches standen absolutistisch regierende Zaren. Sie sicherten sich ihre Herrschaft mit Hilfe eines großen Polizei- und Spitzelapparates und der orthodoxen Kirche. Russland war zwar eine Großmacht, aber sozial und wirtschaftlich rückständig: Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung waren besitzlose Kleinbauern. Ihre Aufstände wurden vom Militär stets mit Gewalt niedergeschlagen. Russlands Rückständigkeit zeigte sich auch in der späten Industrialisierung (ab 1870). Um 1900 machten die Fabriksarbeiter erst ca. 3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Auch ihre Lebensumstände waren miserabel. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. entstanden in Russland unterschiedliche politische Gruppen. Sie alle bekämpften den Zarismus. Die größte Partei bis 1917 bildeten die Sozialrevolutionäre. Sie waren gemäßigte Sozialisten. Ab etwa 1880 verbreiteten sich auch die Lehren von Marx und Engels in Russland. Zu den marxistischen Aktivisten gehörte der junge Rechtsanwalt Wladimir Iljitsch Uljanow. Er nahm den Decknamen Lenin an. Für seine politischen Aktivitäten wurde er nach Sibirien verbannt. 1898 schlossen sich verschiedene sozialistische Gruppierungen zur „Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei“ zusammen. Lenins neue revolutionäre Partei Seit 1900 lebten Lenin und andere Parteimitglieder außerhalb Russlands. Ab dem 2. Parteikongress der Russischen Sozialdemokraten (1903) nannten sie sich „Bolschewiki“. Die zahlenmäßig weitaus größere Gruppe waren die „Menschewiki“, die sozialdemokratische Ideen vertraten. Während seiner Jahre im Exil gestaltete Lenin die Lehre von Marx und Engels zum MarxismusLeninismus um. Eine von Berufsrevolutionären geführte Partei sollte das politische Bewusstsein der Arbeiterschaft wecken und die Revolution in Gang setzen. Die bis zum Kriegsbeginn 1914 ziemlich bedeutungslose bolschewistische Partei nannte sich ab 1918 „Kommunistische Partei“. Februarrevolution und Sturz des Zaren Im Ersten Weltkrieg schlitterte das russische Heer in eine Niederlage. Es mangelte an Kriegsmaterial, die Bevölkerung in den Städten hungerte. Seit 1916 brachen immer häufiger Streiks in den Betrieben aus: Die Menschen forderten vergeblich Frieden, Brot und höhere Löhne. Am 25. Februar 1917 (nach dem alten Julianischen Kalender) gab der Zar den Befehl, auf wehrlose Demonstrantinnen und Demonstranten zu schießen. Doch das Militär weigerte sich und schloss sich dem Volk an. Zwei Tage nach Ausbruch dieser Revolution („Februarrevolution“) übernahm eine aus liberalen Adeligen und 2. Vom zaristischen Russland zur Sowjetunion 14 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Danach folgte ein grausamer Bürgerkrieg (1918–1922): „Weiße Armeen“, bestehend aus zaristischen Offizieren, Großgrundbesitzern, gemäßigten Sozialisten und Westalliierten, bekämpften die von Leo Trotzki aufgebaute „Rote Armee“. Der Krieg endete 1922 mit dem Sieg der kommunistischen „Roten“. Dieser Krieg zerstörte das Land. Landwirtschaft und Industrieproduktion lagen darnieder. Millionen Menschen verhungerten, Unruhen von Arbeiterinnen und Arbeitern sowie Bäuerinnen und Bauern folgten. Lenin reagierte auf die katastrophale Wirtschaftskrise mit einer „Neuen Ökonomischen Politik“ (NEP): Das totale Verbot von „Privateigentum an Produktionsmitteln“ wurde aufgehoben. Nun konnten Bäuerinnen und Bauern die Hälfte ihrer Produkte selbst verkaufen, Handwerk, Kleinhandel und Leichtindustrie wurden zum Teil reprivatisiert. Ausländische Firmen (wie Ford mit einer riesigen Traktorenfabrik) wurden eingeladen, in der Sowjetrepublik zu investieren. Nur die Schwerindustrie, der Außenhandel, das Bank- und Verkehrswesen blieben in staatlicher Hand. Die 1922 gegründete Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) erreichte ihre staatsrechtliche Anerkennung bei fast allen europäischen Staaten. Innenpolitisch wichtig war die 1922 auf dem Parteikongress getroffene Entscheidung, dass jede von der Parteispitze abweichende Meinung mit dem Parteiausschluss bedroht werde. Die Linie der Partei bestimmte ausschließlich das Zentralkomitee (ZK). Die eigentliche Parteispitze bildete das Politbüro. Dazu wurden noch ein Organisationsbüro und das Generalsekretariat geschaffen. Der britische Historiker Steve A. Smith schrieb 2011: L Am Beginn des 21. Jahrhunderts scheint der Schluss keineswegs gewagt, dass bestimmte Elemente der Russischen Revolution weiterhin inspirierend wirken werden und dass es andererseits viele gibt, die in ihrer Fürchterlichkeit eine deutliche Warnung enthalten. (Smith, Die Russische Revolution, 2011, S. 244. In: Geschichte lernen, Heft 175/2017, Die Russische Revolution, S. 49) Fragen und Arbeitsaufträge 1. Erläutere, inwiefern bestimmte Elemente der Russischen Revolution „weiterhin inspirierend wirken“ können. 2. Nenne die Ursachen und Schritte, die von der Zarenherrschaft zur Gründung der Sowjetunion führten. 3. Recherchiere im Internet und verfasse Kurzbiographien über Lenin und Trotzki. 4. Analysiere das Plakat hinsichtlich Bildkomposition, Bildelementen und Symbolen. 5. Ordne das Propagandaplakat in den historischen Zusammenhang ein. Beurteile die mögliche Aussage des Künstlers Alexander Petrowitsch Apsit. Kommunistische Alleinherrschaft und Bürgerkrieg Als Anfang 1918 bei den Wahlen zur „Verfassunggebenden Versammlung“ die Bolschewiki keine Mehrheit erhielten, ließ Lenin die Versammlung auflösen. Er griff zur Absicherung der alleinigen Macht der Kommunisten auch zum Terror. Eine eigene Sicherheitspolizei, die Tscheka, konnte Todesurteile fällen und Menschen in Zwangsarbeitslager verschicken. Lenin hatte für den jungen Sowjetstaat die nationale Selbstbestimmung ausgerufen. Dies führte gleich zu seiner erheblichen Verkleinerung: Im Süden (Kaukasus) und Osten (Sibirien) des ehemaligen Vielvölkerreiches entstanden mehrere nationale, unabhängige Volksrepubliken. Im verlustreichen Frieden von Brest-Litowsk verlor Russland Polen, Finnland, die baltischen Länder und die Ukraine (März 1918). Alexander Petrowitsch Apsit (1880–1944), Vom Jahre 1918. Propagandaplakat, 1918. Apsit fertigte nach der Oktoberrevolution im Auftrag der bolschewistischen Regierung zahlreiche Revolutionsplakate an. Er prägte Bildsprache und Stil dieser Publikationsform und gilt heute als Begründer der sowjetischen Plakatkunst. Übersetzung der Textteile: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ – „Ein Jahr proletarische Diktatur. Oktober 1917– Oktober 1918“. Die Zwischenkriegszeit – Umbrüche und Krisen 15 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung, über die „Macht der Bilder“ (2009): Unser kulturelles Gedächtnis wird immer mehr mit Bildern füllt, von denen zumindest ein Teil zu Ikonen ganzer Generationen werden. Die Befähigung zu Bildinterpretation und Medienkompetenz ist daher zu einer wesentlichen Aufgabe der politischen und der historischen Bildung geworden. (…) Die Fortentwicklung der Medien und Übertragungstechniken sorgte dafür, dass immer schneller, immer bessere Bilder jeden beliebigen Adressaten in allen Teilen der Welt von allen Schauplätzen erreichen. (…) Der so genannten „Pictorial Turn“ ist in aller Munde: Der kulturelle Wandel hin zu einer Mediengesellschaft, in der zunehmend Bilder und ihre Botschaften an die Stelle von Worten und ihren Nachrichten treten. (…) Der technische Fortschritt hat uns aber (…) die Möglichkeit zur Manipulation der scheinbar so objektiven Fotografien und zum Einsatz dieser Bilder und Bilderfahrungen in anderen Zusammenhängen (beschert). Daher ist es umso wichtiger, nach den Bildern, ihren Ursprüngen, ihren Veränderungen und der politischen Absicht ihrer Verbreitung zu fragen: Wer bearbeitet welche Bilder oder welche Bildelemente in welcher Absicht? (Krüger, Die Macht der Bilder. Online auf: http://www.bpb.de/presse/51122/die-macht-der-bilder, 20. 9. 2017). M2 Die Inhalte in diesem Abschnitt dienen dazu, Politikbezogene Methodenkompetenz zu entwickeln. Anhand des Themas „Fotomanipulationen“ soll der Einfluss der medialen Präsentationsformen reflektiert werden. Ziel ist, Verfälschungen der Aussagen von Fotografien zu erkennen. Dies ermöglicht dir auch, medial vermittelte Informationen kritisch zu hinterfragen. Du erarbeitest dir diese Kompetenz in Verbindung mit dem Thema „Fotomanipulationen in der Sowjetunion“. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“? Häufig schenken wir Bildern mehr Glauben als Worten. Fast automatisch nehmen wir an, dass auf einem Foto „die Wirklichkeit“ abgebildet ist. Dabei ist ein Foto nur ein Blick auf die Welt, von der in einem bestimmten Augenblick ein kleiner Ausschnitt gezeigt wird. Diesen Ausschnitt bestimmt die Fotografin oder der Fotograf durch die Wahl des Motivs, des Standorts, durch die Farbigkeit und durch den Zeitpunkt des Auslösens. In der Welt der digitalen Medien gehören manipulierte Fotos zum Alltag. Einige „Klicks“, und mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen erscheinen Personen attraktiver, werden Ereignisse dramatischer, ungewöhnlicher o. Ä. In der medialen Berichterstattung, vor allem in Sozialen Medien, werden immer wieder „Fake-Fotos“ und manipulierte Videos, so genannte „Hoaxes“ (im Internet bewusst verbreitete Falschinformationen) in Umlauf gebracht. Auch in der Politik wurde und wird mit Fotomanipulationen Propaganda gemacht und werden politische Botschaften und Ansprüche inszeniert. 3. „Wenn Fotos lügen …“ Grigori Petrowitsch Goldstein, Lenin spricht vor dem Bolschoi-Theater in Moskau zu den Truppen der Roten Armee. Foto, 5. Mai 1920: Neben der Tribüne stehen Leo Trotzki und sein Schwager Lew Kamenew. Beide fielen unter Stalin in Ungnade. Kamenew wurde im ersten Schauprozess 1936 zum Tod verurteilt und hingerichtet. M1 16 Kompetenztraining Politikbezogene Methodenkompetenz Medial vermittelte Informationen kritisch hinterfragen Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

Infos und Beispiele zur Bildmanipulation • Manipulierte Bilder im Internet erkennen: www.saferinternet. at/ [Suchbegriff: Bildmanipulation] • Beispiele für „Fake News“ und manipulierte Bilder sowie Möglichkeiten, „Fake News“ zu melden: www.mimikama.at Fragen und Arbeitsaufträge 1. Erläutere ausgehend von den Informationen und Materialien auf dieser Doppelseite, warum es wichtig ist, Bilder kritisch untersuchen und interpretieren zu können. 2. Erkläre in eigenen Worten den Begriff „Pictorial Turn“. 3. Beschreibe, wie das Foto M3 manipuliert ist. Erkläre den historisch-politischen Hintergrund für diese Manipulation. Finde weitere Beispiele aus der Geschichte, in denen man versuchte, Personen, die „in Ungnade gefallen waren“, aus der öffentlichen Wahrnehmung und/oder aus der Erinnerung der Öffentlichkeit „verschwinden“ zu lassen. 4. Analysiere ein selbst gewähltes Foto eines geschichtlich oder medial bedeutsamen Ereignisses, das manipuliert wurde, z. B. „Raising the Flag on Iwo Jima“ von Joe Rosenthal (1945), „Loyalistischer Soldat im Moment des Todes“ von Robert Capa (1936), das Bild aus dem Irak-Krieg für die Titelseite der Los Angeles Times von Brian Walski (2003). Recherchiere die Hintergrundinformationen dazu und präsentiere das Foto und deine Ergebnisse. Als die Fotos lügen lernten Schon bald nach der Erfindung der Fotografie begannen Menschen Fotos zu manipulieren. Mit gefälschten Bildern wurde auch Politik gemacht: Häufig verwendete Methoden waren Retuschen mit Schere und Pinsel, Zusammensetzungen mehrerer Bilder, Umdatierungen, falsche Untertitel etc. Diktatoren des 20. Jh., z. B. Mussolini, Hitler und Lenin, kontrollierten die Veröffentlichung von Fotos und veranlassten Fotofälschungen zu Propagandazwecken. Das „Verschwinden“ Trotzkis und Kamenews Das Foto auf S. 16 wurde am 5. Mai 1920 vom Fotografen Grigori Petrowitsch Goldstein aufgenommen. Es zeigt Lenin auf einem Holzpodium vor dem Bolschoi-Theater in Moskau vor zehntausenden Rotarmisten. Seitlich neben dem Podium stehen die Revolutionäre Trotzki und Kamenew. Dieses Bild wurde 1923 in einer Zeitschrift, später auch als Postkarte und 1927 in einem Buch veröffentlicht. 1927 unterlag Trotzki in einem innerparteilichen Machtkampf gegen Stalin und wurde aus der Partei ausgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt wurde von Goldsteins Foto nur mehr die linke Hälfte gedruckt. Ab etwa 1933 wurden Trotzki und Kamenew in allen veröffentlichten Abbildungen der Szene vom 5. Mai 1920, sowohl in Gemälden als auch in Fotos, durch Holzstufen ersetzt. Das Foto auf dieser Seite ist Ergebnis einer solchen Manipulation. Vermutlich zwischen 1935 und 1970 wurden solche Stufen als „Platzhalter“ für Trotzki und Kamenew auch in das Originalfoto Goldsteins hineinretuschiert. Bis in die Zeit Gorbatschows wurde das Originalfoto nie mehr im Ostblock gezeigt. Anonymer Fotograf, Lenin spricht vor dem Bolschoi-Theater in Moskau zu den Truppen der Roten Armee. Foto, 5. Mai 1920: In diesem Foto eines anonymen Fotografen wurden Trotzki und Kamenew entfernt und an ihrer Stelle eine Holztreppe ins Bild retuschiert. M3 Die Echtheit von Fotos überprüfen −− Quelle hinterfragen: Welche Person bzw. Organisation steht hinter der Veröffentlichung, wer ist der Fotograf bzw. die Fotografin? −− Kontext überprüfen: Passt die Bildunterschrift bzw. der Text oder die Geschichte zum Foto? Lässt sich die Echtheit des Bildinhalts überprüfen? −− Bildherkunft überprüfen: Eine Bildersuche im Internet ermöglicht es manchmal, den tatsächlichen Ursprung eines Bildes herauszufinden, z. B. mit Hilfe von: https://images. google.com (Desktop), www.tineye.com (Desktop & mobil) oder www.imageraider.de (Desktop & mobil). −− Hoax-Datenbanken checken: Wurde ein Bild bereits als Fälschung enttarnt, z. B. mit der Suchmaschine www.hoaxsearch.com? Methode Die Zwischenkriegszeit – Umbrüche und Krisen 17 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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