Zeitbilder 7/8, Schülerbuch

QDiese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln. Und wenn nun diese Knaben (…) mit zehn Jahren in unsere Organisation kommen (…), dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend (…), dann kommen sie in den Arbeitsdienst (…), dann übernimmt sie die Wehrmacht zur weiteren Behandlung auf zwei Jahre (…), dann nehmen wir sie (…) in die SA, SS und so weiter. Und sie werden nicht mehr frei, ihr ganzes Leben, und sie sind glücklich dabei (…). (Zit. nach: Huber, Jugend unterm Hakenkreuz, 1982, S. 61 ff.) Gleichzeitig wurden die Menschen bis in den familiären Bereich hinein überwacht. Schon die geringste Kritik an der NS-Politik konnte zur Verhaftung und damit auch zur Einlieferung in ein Konzentrationslager führen. „Hitlerjugend“ (HJ) und „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) Die politische Erziehung begann bereits bei den Zehnjährigen („Jungmädel“, „Jungvolk“). Mit 14 Jahren traten die Mädchen von den „Jungmädel“ in den „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) über. Die Burschen kamen mit 14 Jahren vom „Jungvolk“ in die „Hitlerjugend“. Alle anderen Jugendorganisationen wurden aufgelöst oder verboten. Frau und Mutter Das folgende Heiratsinserat erschien 1940: QZweiundfünfzig Jahre alter, rein arischer Arzt, Teilnehmer an der Schlacht von Tannenberg (Erster Weltkrieg), der auf dem Lande zu siedeln beabsichtigt, wünscht sich männlichen Nachwuchs durch eine standesamtliche Heirat mit einer gesunden Arierin, jungfräulich, jung, bescheiden, sparsame Hausfrau, gewöhnt an schwere Arbeit, breithüftig, flache Absätze, keine Ohrringe, möglichst ohne Eigentum. (Münchner Neueste Nachrichten, 25. Juli 1940, Inseratenteil) Der totale Anspruch auf die Menschen Nach der „Machtergreifung“ gingen die Nationalsozialisten daran, jede einzelne Staatsbürgerin und jeden einzelnen Staatsbürger in ihr diktatorisches Herrschaftssystem einzugliedern: QDie Revolution, die wir gemacht haben, ist eine totale. Sie hat die Gebiete des öffentlichen Lebens erfasst (…). Sie hat die Beziehungen der Menschen untereinander, die Beziehungen der Menschen zum Staat (…) vollkommen geändert (…). Wenn der Liberalismus (…) den Einzelmenschen in das Zentrum aller Dinge stellte, so haben wir das Individuum durch Volk und Einzelmensch durch Gemeinschaft ersetzt. Freilich musste dabei die Freiheit des Individuums insoweit eingegrenzt werden, als sie sich mit der Freiheit der Nation stieß oder im Widerspruch befand. (Goebbels. Zit. nach: Hofer, Der Nationalsozialismus, 1957) Wie sich diese „Revolution“ auf das Leben der Menschen auswirken sollte, beschrieb der Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF), Robert Ley, so: QIn Deutschland gibt es keine Privatsache mehr! Wenn du schläfst, ist das deine Privatsache, sobald du aber wach bist und mit anderen Menschen in Berührung kommst, musst du eingedenk sein, dass du Soldat Adolf Hitlers bist und nach seinem Reglement zu leben hast (…). Die Zeit, in der jeder tun und lassen konnte, was er wollte, ist vorbei (…). (Ley, Soldaten der Arbeit, 1938, S. 31) Die „Gleichschaltung“ der Menschen Um die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ zu verwirklichen, mussten die Deutschen von Kindheit an Mitglied einer NS-Organisation sein. Hitler meinte: 3. Die Gesellschaft unter dem Hakenkreuz Die Gleichschaltung der Staatsbürgerinnen und Staatsbürger 58 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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