Zeitbilder 7/8, Schülerbuch

Kreisky – ein beliebtes Objekt für Karikaturisten: „Er war vielleicht der erste, der für die Karikaturisten so interessant war: durch das Gesicht, durch sein Auftreten, durch seine Bildung, durch seine Eloquenz. Das waren lauter Dinge, die Bruno Kreisky ausgezeichnet haben, und daher wurde er auch oft gezeichnet“, sagt [der als „Ironimus“ bekannte Karikaturist; Anm. d. A.] Gustav Peichl. Gezählte 450 Mal wurde Bruno Kreisky von Ironimus gezeichnet. Mit wenigen Federstrichen brachte er die unverwechselbare Physiognomie des Kanzlers zu Papier: eine große Nase, darauf eine tief sitzende Brille, das Haar, das Haar, das sich an der Stirn bereits lichtet, kräuselt sich im Nacken. Wahlweise grantig oder mit einem diabolischen Grinsen setzt Ironimus den Staatsmann in Szene. Den viel zitierten „Sozialisten im Nadelstreif“, dessen Vorliebe für Maßanzüge und Maßschuhe legendär ist, karikiert Ironimus häufig als „roten Monarchen“. Für diesen „roten Monarchen“ interessiert man sich über die Grenzen des Landes hinaus. (…) Als „Reformkanzler“ wollte Bruno Kreisky wahrgenommen werden. Ironimus präsentierte ihn im Gegensatz dazu oft als österreichischen Sonnenkönig mit Krönchen, das eher an die Kopfbedeckung eines Faschingsprinzen erinnert. Auch wenn er über diese Darstellung nicht immer erfreut gewesen sein mag, sei sich Kreisky der Bedeutung der Karikatur immer bewusst gewesen, sagt Gustav Peichl: „Er war ja ein Anhänger der Karikatur, weil er wusste, dass jede Karikatur – auch wenn sie nicht so freundlich war – zur Popularität eines Politikers beiträgt.“ Wie wohl kein zweites Mal in der Geschichte der Zweiten Republik erlebte die österreichische Gesellschaft in den 1970er Jahren einen Reform- und Modernisierungsschub. Von der Liberalisierung des Familienrechts bis hin zu bildungspolitischen Weichenstellungen bleibt in dieser Dekade kein Stein auf dem anderen. Dass Zeiten des politischen Aufbruchs Karikaturisten besonders viel Stoff bieten, ist aus der Geschichte bekannt. (Kreisky zum Schmunzeln. Online auf: http://oe1.orf.at/artikel/ 266823, 13. 4. 2018) Kreisky auf Filmmaterial: Ausführliche Biografie (65`): https://www.youtube.com/watch?v=5w3uIoFuIes Kreiskys Verhältnis zu den Medien (2,15`): https://www.youtube.com/watch?v=_WlwV7BX_QY Best of Kreisky (15`): https://www.youtube.com/watch?v=cR5xK0n0oYU Umfassende Darstellung der Ära Kreisky und seiner Person in: Menschen und Mächte Spezial (jeweils ca. 15`): https://www.youtube.com/watch?v=3XutBNNUnCY M4 M5 Kreisky – Medienkanzler, Außenpolitiker, „Monarch“ (mit Finanzminister Androsch und Außenminister Gratz): Ironimus/Gustav Peichl, Karikatur „König und Kronprinzen“ (1974). Die linke Puppe stellt den damaligen Finanzminister (von 1970–1981) und Vizekanzler (1976–1981) Hannes Androsch dar, die rechte den Unterrichtsminister (1970/71) und Wiener Bürgermeister (1973– 1984) Leopold Gratz. Ironimus/Gustav Peichl, Karikatur „Kreisky ist der Größte“ (1984), präsentiert im Rahmen der Ausstellung „Der wahre Kreisky“ im Jahr 2011 in Krems. Fragen und Arbeitsaufträge 1. Bildet Kleingruppen. Ordnet anschließend das auf dieser Doppelseite und im Autorentext (S. 172 f.) zur Verfügung gestellte Material folgenden Themen zu: a) Biografie Kreiskys; b) Kreisky als „Medienkanzler“; c) Kreisky als Außenpolitiker; d) Die Reformpolitik in der Ära Kreisky 2. Untersucht die Materialien hinsichtlich ihrer Verwendbarkeit für die genannten Themen zur Erstellung – eines Kommentars (vgl. Deutsch-Maturatextsorte); – eines ausführlichen Lexikon-Eintrages; – einer illustrierten Wandzeitung; – eines Videoclips (Länge: 2 bis 3 Minuten). 3. Wählt in einem nächsten Schritt aus, mit welchen der vier medialen Formen ihr die vier Themen darstellen wollt. 4. Nützt für die Darstellungen das angebotene Material und ergänzt es nötigenfalls durch eigene Recherche. 5. Präsentiert eure Darstellungen in der Klasse. Vergleicht die unterschiedlichen Ergebnisse. M6 Österreich II – die Zweite Republik 175 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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