Zeitbilder 7/8, Schülerbuch

Österreich wird dem Thema „Integration“ seit dem Jahr 2009 vermehrt Bedeutung beigemessen: Das führte zunächst zur Verabschiedung eines „Nationalen Aktionsplans für Integration“ und 2010 zur Schaffung eines „Staatssekretariats für Integration“. Eine Studie der UNHCR zeigte für Österreich u.a. Folgendes auf: QIndividuelle Unterstützung ist für Flüchtlinge von größter Bedeutung; „Beschäftigung“ ist ein Hauptanliegen; angemessene Wohnverhältnisse sind ein großes Anliegen wie auch die Anerkennung der beruflichen Befähigungen. Genannt werden auch die Berücksichtigung gesundheitlicher Bedürfnisse oder die Vernetzung mit Freiwilligenprojekten. Spracherwerb wurde besonders hervorgehoben. Auf die einzelnen Ergebnisse folgen eine Reihe von Empfehlungen, wie bspw. mit der Sprachausbildung so früh wie möglich zu beginnen. Zahlreiche „best practice“-Beispiele bringen wertvolle Anregungen für das Handeln im Alltag. (Nach: UNHCR, Fördernde und hemmende Faktoren. Integration von Flüchtlingen in Österreich, 2013) QIn den letzten Jahren meinen zwischen 50 % und 60 % der Österreicherinnen und Österreicher, dass die Integration „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“ funktioniert. (Nach: Statistik Austria, migration & integration 2016, S. 92) Offenbar müssen die Maßnahmen zur Integration verbessert werden, um diese Menschen – vielfach sind es junge Männer – in einen Integrationsprozess zu bringen. In den letzten Jahren wird auch verstärkt Wert gelegt auf Werte- und Orientierungskurse. Damit sollen die europäischen Traditionen wie Toleranz, Demokratie, Frauen- und Kinderrechte sowie der Religions- und Meinungsfreiheit im Zusammenhang mit der österreichischen Verfassung zielgerichtet vermittelt werden. Kritisch wird dazu immer wieder vermerkt, dass die Inhalte nicht auf eine verengte „österreichische Leitkultur“ reduziert werden dürfen. Zentral wichtig bleibt jedenfalls die (vor-)schulische und berufliche Qualifizierung. Fragen und Arbeitsaufträge 1. Kläre die Begriffe „Migranten“, „Flüchtling“, „Asylwerber“ und „Asylberechtigte“. 2. Stellt die im Autorentext vorgestellten gesetzlichen Maßnahmen dar und diskutiert diese. 3. Arbeite Risiken und Chancen bezüglich der Migration heraus, wie sie im Autorentext vorgestellt werden. Nimm Stellung zu den Empfehlungen und Erkenntnissen der UNHCR. 4. Analysiere die Verbindung von „Gewalt“ und „Männlichkeitsnormen“ in Bezug auf möglicherweise vermehrtes abweichendes Verhalten von Jugendlichen mit Migrations- hintergrund. 5. Diskutiert die Herausforderungen des Aufeinandertreffens unterschiedlicher Kultur- und Wertvorstellungen. Haltet wichtige Argumente für eine wechselseitige Akzeptanz fest. Genfer Flüchtlingskonvention erfüllt wird) sollen dorthin zurückgebracht werden. Mit der Einrichtung eines Bundesamtes für Asyl und Migration ab 2013 wurden die Asylverfahren bundesweit vereinheitlicht und können somit rascher erledigt werden. Risiken und Chancen Die Zuwanderung ab 2015 war mit den vorhandenen Regelungen nicht zu bewältigen. Etwa ein Drittel der Menschen, die seither nach Österreich kamen, sind Kriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Irak. Den größten Teil der Einwanderer bilden wenig qualifizierte Wirtschafts- und Armutsflüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, aus den Subsaharagebieten und aus Nordafrika. Sie haben nur geringe Chancen auf eine Asylberechtigung. Trotzdem werden wahrscheinlich viele von ihnen in Österreich bleiben. Denn Rückführungen sind wegen fehlender Rückführungsabkommen nur schwer umzusetzen. Die Frage, wie man die zukünftige Einwanderung nach Europa, v. a. aus Afrika, regeln kann, ist nach wie vor unbeantwortet. Dazu veröffentlichte die UNO-Organisation UNHCR 2017 die Studie „Mixed Migration Trends in Libya: Changing Dynamics and Protection Challenges“. Der Libyen-Experte der UNHCR erläutert dazu: QEmpfohlen wird mittelfristig die Schaffung mobiler Teams im libyschen Süden. Diese sollen in regelmäßigen Abständen die wichtigsten Stationen auf dem Weg zur Mittelmeerküste aufsuchen. Alles, was Menschen daran hindern kann, an die Küste zu gelangen, ist gut. Denn auf dem Meer sind sie in Lebensgefahr. Noch besser wäre es, wenn es gut ausgestattete Aufnahmezentren in Algerien, Niger, dem Tschad, Sudan und Ägypten gäbe, wo den Durchreisenden andere Perspektiven eröffnet würden. Dazu brauche es aber Aufnahmebereitschaft in der EU. Derzeit fehle diese völlig. (Der Standard, 4. 8. 2017, S. 6) Um diese Probleme einer Lösung näher zu bringen, müssen sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Afrika so ändern, dass die Menschen in ihrer Heimat eine entsprechende Perspektive finden: „Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten“, schreibt der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie (Asserate, Die neue Völkerwanderung, 2016). Integration – Österreich wird etwas anders Alltagsbewältigung, Lebensführung und Weltanschauung dieser Migrantinnen und Migranten sind meist deutlich anders als in der österreichischen Bevölkerung. Daher ist es unerlässlich und mittlerweile auch unstrittig, dass Flüchtlinge, die Asyl erhalten, und auch jene Menschen, die nicht zurückgeschickt werden können, möglichst rasch mit den alltäglichen Lebens- und Umgangsformen sowie den Wertvorstellungen der österreichischen Gesellschaft vertraut gemacht werden. In Politische und soziale Welten nach 1945 149 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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