Zeitbilder 5/6, Arbeitsheft

ßesten Strümpfe aus dem Kasten und öffnen die von Rosmarin duftende Schachtel, in der, von unzähligen Papierstreifen umwickelt, der neue goldgestickte Brustfleck mit dem von Glasperlen gefaßten Na- menszuge liegt. Endlich schimmert alles an seinem Orte, der glanzle- derne Gürtel mit den drei silbernen Schnallen umfängt die schöne Gestalt und sucht ihre vollen Formen unter der etwas starren Juppe zu verbergen. Nun wärs doch wirklich jammerschade, wenn es reg- nen würde. Aber wer nichts wagt, gewinnt nichts. Ostern ist‘s nur einmal im Jahr, und übrigens kann man ja auch einen Regenschirm mitnehmen, der dann im schlimmsten Falle alles ein wenig schützt und doch – nicht alles verbirgt. Noch ein Blick in den verstohlen gekauften kleinen Spiegel hinter den Kleidern im Kasten oder in das gegen die Wand geöffnete Kammerfenster, das weni- ger Verwöhnten als Spiegel schon manchmal dienen mußte. (Felder, Franz Michael: Reich und Arm. Eine Geschichte aus dem Bre- genzerwalde. Leipzig 1868, S. 57 f.) M6 Über den Brauch „Schifferlsetzen“: Im 19. Jh. war es in Mariazell Brauch, dass Kinder aus ärmeren Familien bei den reichen Bürgern „ihre Schifferln setzten“, später wurde er im Mariazeller- land bei vielen Kindern aus allen Schichten gepflegt: Sie bastelten Schifferl aus buntem, oft roten Papier und verzierten sie möglichst kunstvoll. Auf jedes wurde ein Sprücherl und oft auch der Namen ge- schrieben. Am Vortag des Nikolaustages kommt dann das „Schifferlsetzen“: Die Kinder gehen mit ihren Schif- ferln zu Großeltern, Taufpaten, Verwandten und Bekannten. Natürlich kann man so ein Schiffchen nicht einfach überreichen: Das Kind muss sich vor- sichtig ans Haus anschleichen, denn der Schifferlset- zer darf nicht gesehen werden, das Schiffchen muss unbemerkt ans „trockene Land“, in die Stube oder den Hauseingang, kommen. Auch Leute, die es ver- meiden wollen, Schiffchen zu erhalten, um nichts ge- ben zu müssen, werden ausgetrickst. Die Hausfrau sammelt die hereingekommenen Schiffchen und am Abend werden sie von der Familie gemeinsam be- gutachtet. Dann werden die Schifferln mit Äpfeln, Nüssen, Feigen und Süßigkeiten gefüllt. Am nächs- ten Morgen wandern die Kinder wieder von Haus zu Haus und sammeln mit „Bitt schön um mein Schiff“ ihre Schifferln wieder ein. Nachdem dieser Brauch fast in Vergessenheit gera- ten war, wurde er in den letzten Jahren von den Schulen ausgehend wiederbelebt und erfreut sich nun großer Beliebtheit. (Aus: Unser Brauch. Zeitschrift des Bundes der Trachtenund Heimat- verbände Österreichs. Dezember 2008) Online-Ergänzungen 54g5vm Die Darstellung Erzherzog Johanns (M1) unterscheidet sich wesentlich von anderen Darstellungen von Mitgliedern des habsburgi- schen Hauses. Vergleiche die um 1824/25 dargestellte Szene mit dem Gemälde aus dem Jahre 1754/55, das Maria Theresia und Franz Stephan und ihre Kinder zeigt (M2). Überlege, was der Künstler bzw. der jeweilige Auftraggeber damit aussagen wollte. (Re- konstruktionskompetenz / A I–III) Beschreibe… Erzherzog Johann und Anna Plochl Maria Theresia, Franz Stephan und ihre Kinder … die Haltung der dargestell- ten Personen … die Kleidung … die Umgebung … was eine solche Art der Darstellung über die darge- stellten Personen aussagt. Beurteile, ob das Aquarell M1 als Beleg für die Volksverbundenheit des „steirischen Prinzen“ Erzherzog Johann gesehen werden kann, und begründe deine Meinung. (Politische Urteilskompetenz / A III) Diskutiert, welche Aspekte für das Tragen von Tracht Bedeutung haben, und bewertet diese. Nennt mögliche Gründe, warum z. B. bei Oktoberfesten und Partys in Österreich zunehmend Tracht getragen wird und beurteilt, ob das in Gebieten ohne klassische Trachtentradition sinnvoll ist. (Historische Orientierungskompetenz / A III) Welche Gründe könnte es geben, eine Tracht zu tragen? Inwiefern sind diese Aspekte für mich persönlich von Bedeutung? 1 Lösungshinweise r3zj3z 2 3 63 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv

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