Vielfach Deutsch 4, Leseheft
48 4 Texte lesen und interpretierend wiedergeben Ein Brief und drei Gedichte der Brüder Ernst und Hermann Jandl Die Wiener Brüder Ernst (1925–2000) und Hermann Jandl (geb. 1932) zeigen weitere Möglich- keiten auf, wie über Krieg und Frieden geschrieben werden kann. Du liest sehr Persönliches und machst dir zu den Texten und zu den Autoren Gedanken. Nicht immer wird alles direkt ausgesprochen, manchmal musst du Vermutungen anstellen. a) Ernst Jandl hatte den Zweiten Weltkrieg als Soldat miterlebt. Lest den Brief, den er damals nach Hause geschrieben hat. Liebste Eltern und Geschwister! Zwei Dinge stehen jetzt im Vordergrund unseres Daseins: Regen und Dreck. Während es fast pausenlos regnet, häu sich im Graben immer mehr und mehr Morast an. Ich bin von Kopf bis Fuß eine Lehmkruste (außen natürlich), während ich unter den Hüllen ein scheinbar ideales Angrisziel für Läuse bin. Jetzt erst wird mir der Begri vom „Front- schwein“ klar. Denn mehr ist man hier nicht. Von euch weiß ich so gut wie nichts. Hoentlich bendet ihr euch wohl. Herzlichst grüßt und küsst euch Euer Ernst Bitte Brief an Mama senden. Aus: Ernst Jandl: Briefe aus dem Krieg. 1943–1946. Luchterhand, München 2005 (bearbeitet). b) Wie wirkt der Brief auf euch? Notiert Stichworte. c) Was bleibt offen? Überlegt zu zweit, warum davon nichts erzählt wird. Beantworte die folgenden Fragen, die dir den Verfasser des Briefs aus Übung 11 näherbringen, in ganzen Sätzen. 1 Wo befindet sich der Autor? 2 Was weiß er von seiner Familie? 3 Wie fühlt er sich? 4 An wen denkt er besonders? 11 der Morast: schlammiger, sump ger Boden das Frontschwein: ironisch-belustigende oder auch abwertende Bezeich- nung für einen einfachen Soldaten, der an der Front kämp 12 Nur zu Prüfzwecken – Eigentum des Verlags öbv
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